Lichtenberg: Der Märtyrer der Menschlichkeit und sein Vermächtnis in Berlin
Heute ist der 23.06.2026 und wir blicken zurück auf einen denkwürdigen Tag in der Geschichte der katholischen Kirche in Deutschland. Am 23. Juni 1996 ehrte Papst Johannes Paul II. Bernhard Lichtenberg im Olympiastadion in Berlin mit der Seligsprechung. Lichtenberg, der als Berliner Dompropst und entschiedener Gegner des Nationalsozialismus bekannt war, hat mit seinem mutigen Wirken für die Menschenrechte und den Lebensschutz bis heute große Bedeutung. Seit 2012 wird sein Heiligsprechungsprozess vorbereitet – ein langwieriger Weg, der die Bedeutung seines Erbes in der heutigen Zeit unterstreicht.
Der Diözesan-Postulator im Erzbistum Berlin, Gotthard Klein, hat in einem Interview über Lichtenbergs Einfluss gesprochen. Er bezeichnete ihn als den ersten Seliggesprochenen aus dem Erzbistum Berlin und als den ersten deutschen Weltpriester, der als Märtyrer unter Hitlers Terror anerkannt wurde. Emeritierter Bamberger Erzbischof Ludwig Schick nannte ihn eine „bärenstarke Lichtgestalt“, während Berlins Weihbischof Matthias Heinrich ihn als „Märtyrer der Menschenrechte“ würdigte. Ein passendes Bild für einen Menschen, der sich aktiv in Seelsorge und Caritas engagierte und zur Pioniergeneration des Berliner Bistums gehörte.
Das Martyrium und die Wallfahrt
Das Martyrium Lichtenbergs ereignete sich im Jahr 1943, als er für seinen Glauben und seine Überzeugungen litt. Jedes Jahr am 5. November gedenkt das Erzbistum Berlin an seinem Todestag mit einer Wallfahrt. An seinem Grab wird eine Novene gebetet, die um seine Fürsprache und Heiligsprechung bittet. Es ist ein bewegendes Ritual, das die tiefe Verbundenheit der Gläubigen mit seinem Einsatz für die Menschlichkeit widerspiegelt. Lichtenberg wird als mutiger Gegner des Nationalsozialismus in Erinnerung gehalten – als „Verteidiger der Menschlichkeit“, der sich entschlossen für das Lebensrecht Ungeborener einsetzte und gegen die Euthanasie-Morde protestierte.
Sein Wirken hat auch heute noch Relevanz für die politische Gewissensbildung. Das Heiligsprechungsverfahren sammelt derzeit Berichte über Gnadenerweise, die Lichtenberg zugeschrieben werden. Ein Nachweis einer Wunderheilung wäre ideal, um den Prozess voranzutreiben. Doch der Abschluss des Verfahrens kann nicht vorhergesagt werden – ein weiterer Beweis für die Geduld und den Glauben, der mit dieser Heiligsprechung verbunden ist.
Ein Beispiel für Glaubenszeugnis
Schaut man über die Grenzen Berlins hinaus, so finden sich überall in Europa Menschen, die während der NS-Zeit für ihren Glauben gelitten haben. In Paris werden demnächst 50 Frauen und Männer unter die Seligen aufgenommen. Diese mutigen Seelen starben aufgrund ihres Glaubens und der Überzeugung, dass das Leben heilig ist. Der Gottesdienst, der von Kardinal Jean-Claude Hollerich geleitet wird, wird an einem bedeutsamen Ort, der Kathedrale Notre Dame, stattfinden. Sie alle haben während des Zweiten Weltkriegs gegen die Verfolgung und den Hass auf den Glauben gekämpft, und viele von ihnen waren noch sehr jung.
Diese neuen Seligen, darunter Priester, Ordensleute, Seminaristen und gläubige Laien, unterstützen während der dunklen Zeiten der NS-Herrschaft die Mission St. Paul und boten im Rheinland, Thüringen, Berlin und anderen Regionen pastorale Hilfe an. Viele von ihnen bezahlten dafür mit ihrem Leben, einige starben in Konzentrationslagern wie Mauthausen oder Dachau, während andere im Gefängnis oder auf Todesmärschen umkamen.
Die Erinnerung an diese mutigen Menschen ist nicht nur ein Zeichen des Glaubens, sondern auch ein Aufruf, sich für die Menschenrechte und die Würde jedes Einzelnen einzusetzen. In der heutigen Zeit, wo der Glaube manchmal für politische Zwecke instrumentalisiert wird, ist es umso wichtiger, die Botschaft Lichtenbergs und seiner Zeitgenossen lebendig zu halten.
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