Die Luft am Rosa-Luxemburg-Platz ist erfüllt von den Geräuschen lebhafter Gespräche und dem Klirren von Kaffeetassen, während der Frühling in Berlin eine kleine Pause einlegt. Cafés quellen über vor Menschen, die die kurzen Sonnenstrahlen genießen. Ein passender Ort für ein Gespräch, das die Zukunft des Theaters in der Stadt beleuchtet. Matthias Lilienthal, der neue Intendant der Volksbühne, wird ab Herbst 2026 das Steuer in einem der bekanntesten Theaterhäuser der Hauptstadt übernehmen. Es ist eine Rückkehr zu seinen Wurzeln, denn zwischen 1992 und 1998 war er bereits Chefdramaturg an diesem einzigartigen Theater-Tanker.

Die Volksbühne, die seit dem Ende von Frank Castorfs Intendanz im Jahr 2017 und den gescheiterten Versuchen von Chris Dercon und René Pollesch immer wieder in der Diskussion steht, hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Lilienthal plant, die Volksbühne in „Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz“ umzutaufen, um den Bezug zur Stadt und deren Menschen zu verstärken. „Es fühlt sich an wie eine Wiederverliebtheit in die Ex-Partnerin“, sagt er und lässt durchblicken, wie sehr ihm dieses Haus am Herzen liegt.

Ein neues Ensemble für neue Zeiten

Sein Ziel ist es, eine Atmosphäre der guten Laune im Betrieb zu schaffen. Dabei plant er eine Verjüngung der Regiegeneration und ein Ensemble, das eine Mischung aus alten Castorf-Mitgliedern wie Kathrin Angerer und Martin Wuttke sowie neuen, diverseren Talenten umfasst. Florentina Holzinger, eine der führenden Künstlergestalten, spielt dabei eine zentrale Rolle. Lilienthal möchte das Ensemble auf 12 feste Mitglieder erweitern, inklusive Tänzern – eine spannende Perspektive, die die Volksbühne in neue Höhen führen könnte.

Internationale Kooperationen stehen ebenfalls auf der Agenda, mit Künstlern wie Łukasz Twarkowski und Satoko Ichihara. Die Volksbühne soll ein Ort werden, an dem gesellschaftliche Themen diskutiert werden – ein Zentrum des Nachdenkens über Demokratie und die Herausforderungen, mit denen unsere Gesellschaft konfrontiert ist. Die finanziellen Herausforderungen durch Einsparungen der Stadt Berlin sind nicht zu unterschätzen, aber Lilienthal hat bereits Pläne, private Gelder für soziale Projekte zu akquirieren. Es bleibt spannend, wie er diese Herausforderungen meistern wird.

Theater im Kontext der Geschichte

Während die Volksbühne sich auf ihre neue Ära vorbereitet, gibt es auch andere bedeutende Entwicklungen in der Berliner Theaterlandschaft. Am 22. November 2025 fand die Preisverleihung des Max-Herrmann-Dissertationspreises 2025 im Hörsaal des Instituts für Theaterwissenschaft der FU Berlin statt. Der Preis, der an Dr. Maria Koch-Lüdke für ihre Dissertation über Vsevolod Meyerhold verliehen wurde, erinnert an die Wurzeln der Theaterwissenschaft in Berlin und zeigt, wie wichtig die Auseinandersetzung mit der Theatergeschichte ist.

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Meyerhold, ein Hauptvertreter der Theateravantgarde, wird in Koch-Lüdkes Arbeit aus einer neuen Perspektive betrachtet. Die Analyse seines Begriffs „uslovnyj teatr“ wirft Licht auf die schauspielerische Praxis und verknüpft seine Theatergrundsätze mit der russischen Kulturgeschichte. Solche wissenschaftlichen Auseinandersetzungen sind essenziell, um das Theater nicht nur als Kunstform, sondern auch als Teil unserer gesellschaftlichen Entwicklung zu verstehen.

Die Volksbühne und ihre neue Intendanz kommen also zu einem spannenden Zeitpunkt. Mit dem Blick auf die Vergangenheit und einem klaren Fokus auf die Zukunft könnte Berlin bald eine neue Blütezeit des Theaters erleben.