Die Lage in den Berliner Krankenhäusern ist angespannt. Es ist erschreckend, wie häufig die Polizei im Jahr 2022 zu Einsätzen in Kliniken gerufen wurde – über 14.000 Mal! Ein unhaltbarer Zustand, der sich in den letzten fünf Jahren um 40% erhöht hat. Andrea, 28, die in einer Rettungsstelle arbeitet, erzählt von den aggressiven Ausbrüchen von Patienten. „Manche Menschen benehmen sich einfach unter aller Sau“, sagt sie. Eine klare Ansage, die den Puls der Zeit trifft.
Die Zahlen sprechen für sich: Über 500 Körperverletzungen, mehr als 200 Nötigungen und fast 300 Hausfriedensbrüche wurden angezeigt. Im Vivantes Klinikum in Friedrichshain gab es allein 735 Einsätze pro Jahr – mehr als zwei pro Tag. Die Liste der betroffenen Kliniken ist lang: Klinik Am Urban, Auguste-Viktoria, Evangelisches Krankenhaus Herzberge und Alexianer St. Hedwig-Krankenhaus sind nur einige Beispiele. Es ist eine besorgniserregende Entwicklung, die nicht ignoriert werden kann.
Die Realität für Klinikpersonal
Neun von zehn dokumentierten Vorfällen betreffen körperliche Verletzungen. Der Rest besteht aus Beschimpfungen und Drohungen. Dabei sind die Opfer überwiegend Klinikpersonal und Ärzte in den Rettungsstellen. Ein dramatisches Beispiel: In der Silvesternacht 2024 wurden ein Arzt und ein Pfleger im Sana-Klinikum Lichtenberg angegriffen. Was muss noch passieren, bis sich die Situation grundlegend ändert?
Das jüngste Update im Strafgesetzbuch, das Angriffe auf Klinikpersonal mit bis zu fünf Jahren Freiheitsstrafe ahnden kann, ist ein Schritt in die richtige Richtung. Gerald Gaß, Chef der Deutschen Krankenhausgesellschaft, fordert jedoch höhere Strafen und ein besseres Meldesystem. „Gewalt in Kliniken und Praxen ist inakzeptabel“, betont er. Und Recht hat er – die Umfrage der Deutschen Krankenhaus Gesellschaft zeigt, dass 70% der Klinikbeschäftigten verbale Gewalt erleben, während etwa 25% körperliche Angriffe zur Kenntnis nehmen müssen.
Maßnahmen und Herausforderungen
Die Kliniken versuchen, gegen die Gewalt vorzugehen. Sicherheitsdienste, Deeskalations- und Verteidigungskurse sowie bauliche Anpassungen sind an der Tagesordnung. Geschultes Sicherheitspersonal hat direkten Kontakt zu Patienten und Angehörigen in den Notaufnahmen. Problematische Schichten werden mit kräftigen Pflegekräften besetzt, um die Situation unter Kontrolle zu halten. Dennoch bleibt die Frage: Reichen diese Maßnahmen aus?
Die Rückmeldungen aus den Kliniken sind alarmierend. Eine Umfrage des Deutschen Krankenhausinstituts zeigt, dass 73% der befragten Krankenhäuser von einem Anstieg der Übergriffe berichten, insbesondere in Notaufnahmen. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken unterstützt die Forderungen nach höheren Strafen und sagt: „Angriffe auf Helfer sind inakzeptabel.“ Doch das Gefühl der Unsicherheit bleibt.
Andrea fordert mehr Personal in den Notaufnahmen, um den Druck zu reduzieren. Ein wirklich wichtiger Punkt, denn in überfüllten Notaufnahmen mit langen Wartezeiten steigt die Eskalationsgefahr. Und das ist nicht nur ein Problem in Berlin. Es geht um den Schutz derer, die sich täglich für das Wohl anderer einsetzen. Ein Anliegen, das uns alle betrifft.
