Kreuzberg: Kunst und Migration seit 1960 im Gropius Bau
In Berlin-Kreuzberg, wo der Puls der Stadt besonders intensiv schlägt, wird im Herbst 2026 eine aufregende Gruppenausstellung ihre Türen öffnen. Unter dem Titel „Kreuzberg: Kunst und Migration seit 1960“ im Gropius Bau wird die kulturelle Vielfalt und die Erfahrungen von Migrantinnen im Stadtteil beleuchtet. In den 1960er und 1970er Jahren, als die sozialen und kulturellen Umwälzungen in Westdeutschland ihren Höhepunkt erreichten, war Kreuzberg ein Brennpunkt dieser Entwicklungen. Hier spiegelt sich das, was in ganz Westdeutschland geschah, in einem Mikrokosmos wider.
Rund 130 Werke – eine Mischung aus historischen und zeitgenössischen Stücken – werden in elf Themenräumen ausgestellt. Diese Werke, geschaffen von mehr als 40 Künstlerinnen, thematisieren migrantisches Leben und die Herausforderungen, die damit einhergehen. Von Rassismus und Ausgrenzung bis hin zu Solidarität und Selbstermächtigung, die Ausstellung verspricht einen tiefen Einblick in die migrantischen Erfahrungen, die oft im Schatten der Gesellschaft stehen. Es ist an der Zeit, diese Geschichten zu erzählen und sie ins Rampenlicht zu rücken.
Ein Schmelztiegel der Kreativität
Die Künstlerinnen, die an dieser Ausstellung teilnehmen, sind ebenso vielfältig wie die Themen selbst. Namen wie Mehmet Aksoy, Nuray Demir und Pınar Öğrenci stehen für eine Generation von Kreativen, die in den 1970er und 1980er Jahren nach West-Berlin kamen – sei es zum Studium, aus politischen Gründen oder durch Stipendien. Historische Werke, die lange Zeit in Archiven schlummerten, treten in Dialog mit neuen Arbeiten, die speziell für die Ausstellung geschaffen wurden. Vlassis Caniaris’ Skulptur „Kind“ von 1980, die das prekäre Leben von migrantischen Kindern thematisiert, ist nur eines von vielen Beispielen, das die emotionalen und oft harten Realitäten widerspiegelt.
Die Ausstellung adressiert auch die Realität der sogenannten Gastarbeiterinnen, die oft aus Italien, Griechenland, der Türkei und anderen Ländern nach Deutschland kamen. Ihre Geschichten sind auch Geschichten von Verdrängung und Wohnungsknappheit, von der Suche nach Zugehörigkeit und der politischen Teilhabe in einem neuen Land. Mit einem Augenmerk auf die verschiedenen Aspekte des Lebens in Kreuzberg werden die Themen Flucht, Exil und die Herausforderungen des Alltags behandelt – und das alles durch den kreativen Filter der Kunst.
Ein Raum der Begegnung
Besucher*innen dürfen sich auf ein reichhaltiges Programm freuen, das auch digitale Publikationen und Kurzinterviews umfasst. Ein Raum wird den Kämpfen um Wohnen und Stadtentwicklung gewidmet, in dem Werke von Akbar Behkalam und Hanefi Yeter einen kritischen Blick auf die städtischen Realitäten werfen. Azade Kökers Bronzeskulptur „Akkordarbeiterin“ thematisiert die Arbeitsbedingungen von Frauen, die oft in der Elektroindustrie beschäftigt waren und für ihre Rechte kämpften. Die Geschichte dieser Frauen ist eine Geschichte von Widerstand und der Suche nach Gerechtigkeit.
Um den Bogen zur Gegenwart zu spannen, thematisiert die Ausstellung auch queer-migrantische Kulturgeschichten. Nuray Demirs Mixed-Media-Installation „Gossip Girls“ erinnert an die fehlende Förderung queer-migrantischer Räume, während Werke wie Sarah Haffners Gemälde „1938/1983“ die Kontinuitäten von Rassismus durch die Jahrzehnte hinweg aufzeigen.
Ein Ort der Reflexion und des Wandels
Der Gropius Bau, gelegen in der Niederkirchnerstraße 7, ist ein idealer Ort für diese Ausstellung. Mit seinen Öffnungszeiten von Montag bis Freitag von 12:00 bis 19:00 Uhr und am Wochenende von 10:00 bis 19:00 Uhr (dienstags geschlossen) bietet er genug Gelegenheiten für alle, die sich mit den Themen Migration, Identität und Kunst auseinandersetzen möchten. Diese Ausstellung ist mehr als nur ein Blick in die Vergangenheit; sie ist ein Aufruf zur Reflexion über die gegenwärtigen gesellschaftlichen Herausforderungen und die Rolle der Kunst in diesen Prozessen.
Mit einem vielfältigen Live-Programm, kuratiert von Nora-Swantje Almes, wird die Veranstaltung auch eine Plattform für Diskussionen und Begegnungen bieten. Die Ausstellung „Kreuzberg: Kunst und Migration seit 1960“ ist ein unverzichtbarer Teil des kulturellen Lebens in Berlin und ein Zeichen dafür, wie Kunst als Medium zur Auseinandersetzung mit der eigenen Identität und der Gesellschaft genutzt werden kann. Seien Sie bereit für eine Reise durch die künstlerischen Landschaften von Kreuzberg – es wird inspirierend, bewegend und vielleicht auch herausfordernd.
