Heute, am 21. Mai 2026, fand in Berlin-Mitte eine auffällige Aktion von Aktivisten der Initiative „Extinction Rebellion“ statt. Vor dem Bundeswirtschaftsministerium, genauer gesagt am Mauerbrunnen im Invalidenpark, wurde das Wasser des Brunnens grün gefärbt. Der verwendete Farbstoff, Uranin, ist ungiftig und wird normalerweise in der Wasserwirtschaft zur Lecksuche eingesetzt. Ein bisschen verrückt, aber auch kreativ, oder? Uranin hat die Eigenschaft, je nach Intensität nach einigen Stunden bis Tagen wieder zu verschwinden – das gibt der Aktion einen fast schon spielerischen Charakter.
Diese grüne Färbung war kein reines Kunstprojekt, sondern ein Protest gegen die aktuelle Gaspolitik der Bundesregierung und insbesondere gegen die Maßnahmen von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU). Die Aktivisten kritisieren, dass die Bundesregierung mit ihrem Gesetzentwurf zum Bau neuer Gaskraftwerke eine zu konzernfreundliche Haltung einnimmt. Diese neuen Kraftwerke sollen die Versorgungssicherheit im Zuge des Kohleausstiegs bis 2038 gewährleisten und gleichzeitig den Anteil erneuerbarer Energien bis 2030 auf 80 Prozent steigern. Aktuell liegt dieser Anteil im ersten Quartal 2026 bei etwa 53 Prozent – also noch viel Luft nach oben.
Ein Signal in der Stadt
Ähnliche Protestaktionen fanden nicht nur in Berlin statt, sondern auch in anderen Städten wie Hamburg, München, Köln und Dresden. Insgesamt wurden Brunnen in 17 Städten eingefärbt. Das ist schon eine ordentliche Mobilisierung, die zeigt, wie wichtig den Aktivisten das Thema ist. Es wird deutlich, dass der Protest gegen die Gaspolitik nicht nur lokal, sondern auch deutschlandweit auf eine breite Resonanz stößt.
Die Hintergründe dieser Aktionen sind nicht zu unterschätzen. Experten warnen, dass der Klima- und Umweltschutz seit der Corona-Pandemie an Aufmerksamkeit verloren hat. Das Interesse an diesen Themen sinkt, was vor allem während des Wahlkampfs zur Bundestagswahl 2021 deutlich wurde. Viele Menschen haben das Gefühl, dass die Umweltbewegung stark von globalen Ereignissen abhängig ist. Ein Beispiel dafür ist der große Klimastreik von Fridays for Future im Jahr 2019, bei dem in Deutschland 1,4 Millionen Menschen für den Klimaschutz auf die Straße gingen. Doch danach flachte das Engagement ab. Es scheint, als könnten wir die Begeisterung für den Umweltschutz nicht ganz aufrechterhalten.
Ein Wandel in der Umweltbewegung
Die deutsche Umweltbewegung hat sich in den letzten Jahrzehnten gewandelt, beeinflusst von verschiedenen Krisen und äußeren Faktoren. Während der NABU, der größte deutsche Umweltverband, mit 960.000 Mitgliedern und vielen weiteren Umwelt- und Naturschutzvereinen im Land eine starke Basis bildet, muss man auch die Herausforderungen betrachten. 85 Prozent der Mitglieder lehnen politische Gewalt ab, was zeigt, dass viele engagierte Menschen friedliche Mittel bevorzugen. Gleichzeitig gibt es jedoch auch ultrakonservative und rechtsextreme Gruppierungen, die versuchen, Umweltschutz für ihre Zwecke zu instrumentalisieren.
Die Kommunikation der Umweltorganisationen könnte also durchaus verbessert werden. Und auch die Sensibilisierung für rechtsextreme Strömungen wäre ein wichtiger Schritt. Vielleicht braucht es auch einfach wieder mehr kreative Aktionen wie die von „Extinction Rebellion“, um das Bewusstsein für den Klimaschutz aufzufrischen. Denn eins ist klar: Das Thema bleibt relevant, auch wenn das Interesse schwankt. Und die grün gefärbten Brunnen in Berlin sind ein eindringliches Zeichen dafür, dass die Diskussion noch lange nicht vorbei ist.