In Berlin ist es eine triste Realität, mit der viele Familien konfrontiert sind: Der Familiennachzug zu subsidiär Schutzberechtigten wurde vorübergehend ausgesetzt. Zwischen dem 23. April 2023 und dem Anfang des Jahres 2025 wurden bereits 177.382 Entscheidungen zu nationalen Visa im Rahmen des Familiennachzugs getroffen. Doch nur ein kleiner Teil davon – etwa 13 Prozent, also 23.273 Entscheidungen – betrafen Angehörige von Flüchtlingen, Asylberechtigten oder Menschen mit einem anderen Schutzstatus. Die Zahlen sind beeindruckend, aber sie erzählen nur einen Teil der Geschichte, eine Geschichte, die mit Hoffnungen, Tränen und dem Streben nach einem besseren Leben gefüllt ist.
Der Ehegattennachzug zu deutschen Staatsangehörigen macht mit circa 27.000 Entscheidungen einen erheblichen Teil aus. Besonders auffällig ist der Ehegattennachzug zu Ausländern mit anderen Aufenthaltstiteln, der 67.097 Entscheidungen zählte. Unter diesen sind viele indische und türkische Ehepartner – insgesamt um die 18.800. Doch während einige Familien zusammengeführt werden, warten Angehörige aus anderen Herkunftsländern oft über ein Jahr auf einen Termin. Die gefühlte Ungewissheit, die diese Situation mit sich bringt, ist schwer zu ertragen.
Die Auswirkungen der Aussetzung
Ende Juli 2022 wurde der Familiennachzug für subsidiär Schutzberechtigte vorerst für zwei Jahre gestoppt. Das ist eine problematische Entwicklung, da diese Menschen oft keine individuelle Bedrohung nachweisen können, aber dennoch aus ihren Herkunftsländern fliehen mussten, um allgemeinen Gefahren zu entkommen. Bis zum 15. Mai wurden lediglich sieben Visa zum Familiennachzug für subsidiär Schutzberechtigte bewilligt, und 285 Fälle stehen noch in vertiefter Prüfung. Das ist eine traurige Bilanz.
Ab dem 24. Juli 2025 wird das Gesetz zur Aussetzung des Familiennachzugs in Kraft treten und voraussichtlich bis zum 23. Juli 2027 gelten. Das Ziel? Eine Entlastung der Aufnahme- und Integrationssysteme in Deutschland. Ob das wirklich gelingt, bleibt abzuwarten. Vor Ablauf der Frist wird jedoch geprüft, ob eine Verlängerung notwendig ist. In Härtefällen können Anträge gestellt werden, und die Internationale Organisation für Migration (IOM) steht bereit, um bei der Bearbeitung dieser Anträge zu helfen. Es ist ein Lichtblick – auch wenn es ein schwaches ist.
Statistiken und Hintergründe
Im Jahr 2025 wurden etwa 110.400 Visa zum Familiennachzug erteilt, davon 20.800 an Personen aus Asylherkunftsstaaten wie Syrien, Afghanistan und dem Iran. Die Zahlen sind ermutigend, aber sie sagen nichts über die Menschen aus, die zurückgelassen wurden oder unter den restriktiven Bestimmungen leiden. Unter den erteilten Visa waren 7.400 für subsidiär Schutzberechtigte, bevor die Aussetzung im Juli 2025 kam. Und während einige Familienangehörige einander wiedersehen können, haben andere, die aus den gleichen Gründen geflohen sind, das Gefühl, in der Warteschleife gefangen zu sein.
Die Aussetzung des Familiennachzugs zu subsidiär Schutzberechtigten ist rechtlich umstritten und wirft Fragen auf, die über die bloße Zahlenbetrachtung hinausgehen. Es ist eine Thematik, die auch die Rechte im Grundgesetz und die Europäische Menschenrechtskonvention berührt. Der Europäische Menschenrechtsgerichtshof hat entschieden, dass eine komplette Aussetzung nicht erlaubt ist. Das ist ein kleiner, aber wichtiger Schritt. Und dennoch bleibt die Frage: Wie viele weitere Familien müssen noch leiden, bevor die politischen Entscheidungsträger zu einem Umdenken kommen?
Die Trennung von Familienmitgliedern hat nicht nur emotionale, sondern auch weitreichende gesellschaftliche Folgen. Dr. Benjamin Etzold weist darauf hin, dass solche Trennungen auch zu irregulärer Migration führen können. Studien belegen, dass die familiäre Einbindung ein kriminalitätshemmender Faktor sein kann – ein Aspekt, der oft in der politischen Diskussion vernachlässigt wird. Die Herausforderung, die Integration zu fördern, ist nicht nur eine Frage der Zahlen. Es geht um Menschen, um Geschichten, um das Streben nach einem besseren Leben und die Hoffnung, dass Familien wieder vereint werden können.