Heute ist der 7.06.2026. Der Wind weht leise durch die Straßen von Friedrichshain-Kreuzberg, während die Berliner Politik in einem Sturm der Unsicherheiten gefangen ist. Ein schwieriges Jahr steht dem Regierenden Bürgermeister Kai Wegner (CDU) bevor, und das nicht nur wegen der bevorstehenden Wahlen. In den ersten fünf Monaten gab es eine Reihe von Pannen, die den Druck auf Wegner nur weiter verstärken. Ein großer Stromausfall im Januar war der Anfang einer turbulenten Zeit, die auch mit dem Rücktritt seiner Digitalstaatssekretärin und einer scharfen internen Kritik an seiner Führung einherging. In Umfragen ist die CDU auf 19-20% gefallen – eine steile Abwärtskurve, wenn man bedenkt, dass die Partei 2023 noch bei 28,2% lag.

Der 9. Juni steht vor der Tür, und an diesem Tag soll Wegner offiziell zum Spitzenkandidaten gewählt werden. Doch in seiner eigenen Partei brodelt es. Kritiker sehen ihn als angeschlagen an, und die Unruhe wächst, besonders angesichts des möglichen Verlusts von Mandaten für Abgeordnete. Auch wenn noch keine Gegenkandidaturen für den Parteitag angekündigt wurden, gibt es eine Diskussion über einen möglichen Austausch des Spitzenpersonals. Wegner selbst versucht, seine Erfolge in den Bereichen Sicherheit, Bildung, Wohnungsbau und Verwaltungsreform zu betonen. Doch die Pannenserie, die mit einem Brandanschlag am 3. Januar begann und 100.000 Menschen ohne Strom ließ, wirft einen langen Schatten auf seinen Führungsstil.

Ein Blick auf die Krisenbewältigung

Die Opposition und die SPD haben in den letzten Monaten immer wieder den Finger in die Wunde gelegt. Wegner wird vorgeworfen, am ersten Tag des Stromausfalls, der 45.000 Haushalte und 2.200 Unternehmen im Südwesten Berlins traf, nicht vor Ort gewesen zu sein. Er rechtfertigte sich damit, dass er den ganzen Tag über mit Vertretern der Bundesregierung und Krisenstäben telefoniert habe, um Hilfe zu organisieren. Präsenz vor Ort wäre ohne Internet- und Handyempfang nicht möglich gewesen – eine Ausrede, die nicht bei allen Bürgern auf Wohlwollen stieß. Am zweiten Tag des Ausfalls besuchte er eine Notunterkunft und erntete Kritik für die unzureichende Unterstützung von pflegebedürftigen Personen. Ironischerweise war er über die Feiertage und am Wochenende in Berlin und nicht im Urlaub, was die Gerüchteküche nicht beruhigte.

Die Situation wurde zusätzlich durch die Affäre um Fördermittel gegen Antisemitismus belastet, die zum Rücktritt von Kultursenatorin Sarah Wedl-Wilson führte. Und die Probleme hören nicht auf: Der Digitalstaatssekretär Matthias Hundt wurde nach nur zweieinhalb Monaten entlassen. Wegner musste auch eine Niederlage im Kampf gegen die Kriminalität hinnehmen, als das Verwaltungsgericht gegen die Schließung des Görlitzer Parks entschied. Es sind ganz schön viele Baustellen, auf denen der Regierende Bürgermeister gleichzeitig arbeiten muss.

Der Schatten der Vergangenheit und die Zukunft der Energieversorgung

Ein Blick auf die Geschehnisse zeigt, wie unvorbereitet Berlin auf Krisensituationen reagiert. Die Studie von 2010, die die Gefährdung moderner Gesellschaften durch großflächige, langanhaltende Stromausfälle analysiert, ist aktueller denn je. Laut dieser Studie könnte ein solch massiver Ausfall einen „Kollaps der gesamten Gesellschaft“ verursachen und die öffentliche Sicherheit gefährden. Während die Wahrscheinlichkeit eines echten Blackouts als gering eingeschätzt wird, ist das Bewusstsein für die Risiken in der Bevölkerung nur ansatzweise vorhanden. Es gab in Deutschland zwar schon mehrere Stromausfälle, doch einen echten Blackout hat es bislang nicht gegeben.

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Die Abhängigkeit von kritischen Infrastrukturen ist ein weiteres Risiko, das nicht ignoriert werden sollte. Naturereignisse, Unfälle und auch menschliches Versagen können jederzeit zu Katastrophen führen. In Zeiten wie diesen, in denen der Krieg in der Ukraine und die Klimakrise neue Bedrohungen in den Fokus rücken, ist es von entscheidender Bedeutung, dass Notfallpläne und Krisenmanagement-Übungen entwickelt werden, um auf Stromausfälle vorbereitet zu sein. Der Bevölkerungsschutz in Deutschland ist gut strukturiert, doch die Frage bleibt: Wie gut sind wir wirklich vorbereitet auf das, was noch kommen mag?