Das Moviemento, ein wahres Kleinod der Berliner Kinokultur, ist nicht nur das älteste noch betriebene Kino der Stadt, sondern auch ein Stück lebendige Geschichte. Gegründet wurde es im Jahr 1907 von dem Gastronom Alfred Topp, der seine Vision eines Kinematographen-Theaters im ersten Stock seines Wohn- und Geschäftshauses am Kottbusser Damm 22 verwirklichte. Im Erdgeschoss befand sich eine Kneipe – ein perfekter Ort, um nach einem Film bei einem Bier den Abend ausklingen zu lassen. Die ersten Besucher waren vor allem Arbeiter und Kiezbewohner, die hier eine neue Form der Unterhaltung fanden.

Ursprünglich trug das Kino den Namen „Lichtspielhaus am Zickenplatz“ und wurde später umgangssprachlich „Kintopp“ genannt – ein Begriff, der wohl auch von Topps Namen abgeleitet ist. Die zwei Kinosäle, die im 45-Grad-Winkel aufeinander stießen, waren durch eine transparente Leinwand verbunden. Das war mal was anderes! So konnte man mit einem Projektor zwei Filme gleichzeitig zeigen. Übrigens, im hinteren Saal wurde der Film spiegelverkehrt projiziert, was für die damalige Zeit eine kreative Lösung war. Die Besucher, die in den „Spiegelsaal“ gingen, zahlten sogar weniger Eintritt. Diese Technik überstand den Krieg und blieb bis in die 1980er Jahre erhalten.

Ein Kino im Wandel der Zeit

Im Laufe der Jahre erlebte das Moviemento zahlreiche Namensänderungen. Es wurde unter anderem als „Vitascope Theater“, „Odeon“ und „Das lebende Bild“ bekannt, bevor es 1984 schließlich den Namen „Moviemento“ erhielt. In den 1970er Jahren arbeiteten hier kreative Köpfe wie Blixa Bargeld und Wieland Speck, die das Kino zu einem Ort der alternativen Filmkultur machten. Das Tali-Kino, das sich im selben Gebäude befand, war in dieser Zeit für seine Aufführungen der „Rocky Horror Picture Show“ berühmt.

Die 1990er Jahre brachten eine weitere Wende. Im Foyer wurde die Firma X-Filme gegründet, und Tom Tykwer, der hier als Filmvorführer begann, setzte neue Akzente in der Programmgestaltung. 2007 übernahmen Iris Praefke und Wulf Sörgel das Kino und renovierten es. Besonders zur 100-Jahr-Feier wurde das Kino neu eröffnet – mit einem Klassiker wie „Berlin: Die Sinfonie der Großstadt“ (1927), untermalt von Live-Musik. Ein ganz besonderer Moment für alle Kinoliebhaber.

Ein Ort der Erinnerungen

Das Moviemento ist viel mehr als nur ein Kino. Es ist ein Ort der Begegnung, des Austauschs und der kulturellen Vielfalt. Heute zeigt es Arthouse-Filme, Klassiker, Premieren und sogar ein umfangreiches Kinderfilmprogramm. Regelmäßig finden auch Sonderveranstaltungen statt, darunter das jährliche Pornfilmfestival Berlin, das seit 2009 hier veranstaltet wird. Ein Kino, das seine Wurzeln kennt und gleichzeitig offen für Neues bleibt.

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Wir müssen uns immer wieder ins Gedächtnis rufen, welche Herausforderungen die Film- und Kinobranche überstanden hat. Gerade in der Zeit des Nationalsozialismus, als jüdische Kinobesitzer*innen verfolgt und enteignet wurden, verloren viele Kinokultur und Lebensgrundlage. Das Moviemento, als eines der wenigen Kinos, überstand diese dunkle Zeit und hat bis heute seine Pforten geöffnet. Es ist ein Zeugnis der Widerstandskraft und des ungebrochenen Willens der Kinomacher, auch in schwierigen Zeiten für die Kunst einzustehen.

So bleibt das Moviemento nicht nur ein Symbol für die Geschichte des Films in Berlin, sondern auch ein lebendiger Ort, an dem Geschichten erzählt werden – egal, ob sie alt oder neu sind. Wer in Kreuzberg unterwegs ist, sollte sich unbedingt die Zeit nehmen und in dieses Stück Geschichte eintauchen. Man weiß nie, welche filmischen Schätze und Geschichten hier auf einen warten!