Hormone für alle: Protest gegen Polizeieinsatz und für bessere Gesundheitsversorgung im queeren Zentrum „Casa Kuà“
Am Sonntagabend, dem 16. Oktober 2026, versammelten sich rund 130 Menschen in Berlin-Kreuzberg, um unter dem Motto „Hormone für alle“ zu demonstrieren. Diese spontane Aktion war eine direkte Reaktion auf die Durchsuchung des queeren Zentrums „Casa Kuà“ in der Naunynstraße durch das Landeskriminalamt (LKA). Die Polizei hatte den Verdacht geäußert, dort könnten Verstöße gegen das Arzneimittelgesetz vorliegen. Nach ersten Informationen wurden in dem Raum Hormontherapien zur Geschlechtsangleichung ohne ärztliche Aufsicht durchgeführt – ein hochsensibles Thema, das viele in der queeren Community betrifft.
„Casa Kuà“ versteht sich als Ort für queere Menschen, insbesondere als Treffpunkt für trans Personen, die dort Austausch und Gemeinschaft finden. An besagtem Abend war ein Workshop geplant, der sich mit Kryptowährungen befasste – ein Thema, das viele trans Menschen als möglichen Weg sehen, um Hormone zu erwerben. Doch statt des kreativen Austauschs wurde die Atmosphäre von Blaulicht und dem Einsatz von 38 Polizeikräften überschattet. Die Situation eskalierte, als die Polizei Beweismittel sicherte und mehrere Personen kontrollierte.
Reibereien und Solidarität
Die Stimmung vor dem „Casa Kuà“ wurde schnell hitzig. Demonstrierende und Einsatzkräfte gerieten aneinander, es kam zu Reibereien. Eine Person wurde kurzfristig in Gewahrsam genommen, was die Wogen zusätzlich schürte. Berlins Queerbeauftragter, Alfonso Pantisano, war vor Ort und zeigte sich solidarisch mit den Demonstrierenden. Unter den Versammelten war auch eine neue Abgeordnete der Linksfraktion, die ihre Unterstützung für die trans Community deutlich machte. „Das hier ist ein Angriff auf unsere Gemeinschaft“, äußerte sich die 24-jährige Suna, eine regelmäßige Besucherin des Zentrums. Sie sprach von einem angespannten gesellschaftlichen Klima, das sich nicht zuletzt durch den CSD-Anschlag im Sommer und die angekündigten „rosa Listen“ des Innenministers bemerkbar mache.
Die Linke queer kritisierte den Polizeieinsatz und forderte eine schnelle Aufklärung. Maik Brückner, queerpolitischer Sprecher der Linken im Bundestag, wies auf eine Regelungslücke hin, die es trans Personen erschwert, Hormonpräparate über Arztpraxen zu beziehen und von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet zu bekommen. „Das ist eine Diskriminierung“, so Brückner. Die Versammlung vor dem „Casa Kuà“ sollte nicht nur ein Protest gegen den Polizeieinsatz sein, sondern auch eine Forderung nach einer besseren Gesundheitsversorgung für trans und nicht-binäre Menschen.
Der Kampf um Gesundheitsversorgung
Die Gesundheitsversorgung für trans und nicht-binäre Personen ist ein Thema, das den Bundesverband Trans (BVT) seit Jahren beschäftigt. Der Verband setzt sich dafür ein, die reguläre Gesundheitsversorgung zugänglicher zu machen und Diskriminierung als spezifische Zugangshürde zu thematisieren. In Gremien und Arbeitsgruppen arbeiten engagierte Ehrenamtliche und Fachreferent_innen daran, medizinische Leitlinien zu gestalten und Fortbildungen für medizinisches Personal anzubieten. Die Ziele sind klar: Eine bedarfsgerechte Gesundheitsversorgung und ein respektvolles Betreuungsklima für alle.
Die Ereignisse rund um das „Casa Kuà“ sind nicht nur ein Einzelfall, sie spiegeln ein größeres Problem wider. Die Diskussion um die Gesundheitsversorgung für queere Menschen muss offen geführt werden, damit solche Vorfälle in Zukunft nicht mehr passieren. So stehen nicht nur die Rechte, sondern auch die Gesundheit und das Wohlbefinden vieler auf dem Spiel. Die Demonstrierenden in Kreuzberg haben klar gemacht, dass sie sich nicht länger mit einem diskriminierenden System abfinden werden.
