Der Volkspark Friedrichshain, ein grünes Refugium im Herzen von Berlin, verwandelt sich an jedem Wochenende in eine laute Festmeile. Hier versammeln sich zahlreiche Feiernde, die mit Musik, Grills und fröhlichen Gesichtern für eine ganz eigene Stimmung sorgen. Doch während viele das bunte Treiben genießen, sehen sich die Anwohner mit einer ganz anderen Realität konfrontiert. Der Lärm von dröhnenden Musikboxen und das Aroma von Grillrauch dringen in ihre Wohnungen ein und bringen Ruhe und Entspannung ins Wanken. Für Petra G. (70) ist das mehr als nur störend – sie klagt über den Gestank und die dröhnende Musik, die ihr den Schlaf rauben. Und auch Maria L. (48) hat genug, beschreibt die Situation als unkontrollierbar und leidet unter Schlafproblemen. Ein besorgter Vater (37) macht auf die hygienischen Zustände aufmerksam, die durch zurückgelassenen Müll und menschliche Exkremente in den Park gebracht werden. Das ist nicht das, was man sich unter einem entspannten Parkbesuch vorstellt.
Um dem Dilemma Einhalt zu gebieten, haben sich die Anwohner zur Initiative „Anwohner Neuer Hain“ zusammengeschlossen. Sie haben einen Brandbrief an Bezirksbürgermeisterin Clara Herrmann geschrieben und fordern ein Grillverbot im Volkspark. Bislang haben sie bereits beeindruckende 8700 Unterschriften für ihre Petition gesammelt. Ihr Ziel? Verbot von Großveranstaltungen und eine verbindliche Räumung der Flächen um 22 Uhr. Marita Fabeck (39) von der CDU-Fraktion ist sich der unzumutbaren Zustände bewusst und kritisiert die aktuelle Lage. Ein Antrag zur Regelüberwachung und Lärmschutz der CDU wurde allerdings von den Grünen, Linken und der SPD abgelehnt. Tino Schopf (51), ein SPD-Politiker, bemängelt, dass Regeln ignoriert werden und ein konsequentes Einschreiten fehlt. In dieser Saison wurden beim Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg bereits 81 Grill-Beschwerden gemeldet. Das ist alles andere als ein schöner Rekord.
Die Forderungen der Anwohner
Die Anwohner sind genervt, vor allem diejenigen, die in den Mietshäusern leben, die nur 60 bis 100 Meter von der Grillwiese entfernt stehen. Besonders betroffen sind die Bewohner der Danziger Straße. Ihre Beschwerden sind vielfältig: Lärmbelästigung durch Musikboxen und Trommeln bis in die späten Abendstunden, schlechte Luftqualität durch Rauch und Gerüche, und nicht zuletzt die Umweltverschmutzung, die durch Glasscherben, Einweggrills und Essensreste verursacht wird. Seit Mai 2023 haben sie mindestens zwölf Beschwerden beim Ordnungsamt eingereicht. Die Anwohner fordern eine konsequente Durchsetzung der Grillregeln und ein Verbot von Musikboxen, Bands und Karaokeanlagen. Auch regelmäßige Kontrollen und eine sanitäre Infrastruktur stehen auf der Wunschliste, sowie die verbindliche Räumung des Platzes um 22 Uhr. Wenn sich nichts ändert, drohen sie mit einem dauerhaften Grillverbot.
Die offizielle Begrenzung sieht 46 Grillplätze für je 10 Personen vor, doch an Spitzentagen drängen sich hier bis zu 1500 Besucher. Das kann nicht gutgehen. Bezirksstadträtin Annika Gerold (Grüne) sieht das Gesamtkonzept der Grillfläche als bewährt an, während sie gleichzeitig regelmäßige Kontrollen durch das Ordnungsamt und zusätzliche Mülltonnen verspricht. Doch die Realität spricht eine andere Sprache. Im Jahr 2025 wurden 98 Anzeigen zum Thema „Grillen“ im Volkspark erstellt – eine Zahl, die alarmierend ist und die Diskussion über die Nutzung des Parks weiter angeheizt hat.
Die rechtlichen Rahmenbedingungen
Die Situation im Volkspark Friedrichshain ist kein Einzelfall, sondern spiegelt ein größeres Problem wider. Grillen im Freien unterliegt strengen Regeln. In vielen Städten, darunter auch Berlin, können Bußgelder für illegales Grillen verhängt werden. Diese können bis zu 5.000 Euro betragen, wobei in der Regel eher ein niedriges Verwarngeld von 20 Euro erhoben wird. In anderen Städten variieren die Strafen deutlich. So gibt es in Bonn 50 Euro, während in Bremen und Leipzig nur 5 Euro aufgerufen werden. Das Problem des Wild-Grillens ist nicht zu unterschätzen, insbesondere in Naturschutzgebieten, wo die Regeln noch strenger sind. Aber auch in einem Park wie Friedrichshain ist es unerlässlich, sich an die Vorschriften zu halten und Rücksicht auf die Nachbarn zu nehmen. Schließlich ist ein friedliches Miteinander das Ziel – und das könnte durch mehr Achtsamkeit und Disziplin erreicht werden.
