Der Görlitzer Park in Berlin-Kreuzberg – ein Ort des Lebens, der Freiheit und auch der Kontroversen. Seit März 2024 war er nachts geschlossen, um gegen Drogenhandel und nächtliche Kriminalität vorzugehen. Ein Zaun sollte die Nachtruhe sichern, die Bauarbeiten dafür kosteten fast zwei Millionen Euro. Doch die Realität sieht anders aus. Am 3. Juni 2026, nach einem Eilverfahren, entschied das Verwaltungsgericht Berlin, dass der Park wieder nachts geöffnet bleiben muss. Ein Grund zur Freude für viele Anwohner und Mitglieder der Initiative „Görli zaunfrei“, die diese Entscheidung mit einem Feuerwerk im Park feierten.

Das Gericht stellte fest, dass die Senatsverwaltung bei der Schließung des Parks formelle Fehler begangen hat. Diese nächtliche Schließung wurde ursprünglich in einem Eilverfahren beschlossen, und das Gericht war sich einig, dass die Senatsverwaltung „verfrüht Gebrauch“ von ihrem Eintrittsrecht gemacht hat. Die zuständige Behörde für solche Entscheidungen ist eigentlich das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg, nicht die Senatsverwaltung. Damit war der erste Schritt in die richtige Richtung getan, auch wenn eine endgültige Entscheidung noch aussteht.

Ein geteiltes Echo

Natürlich gibt es unterschiedliche Meinungen zu diesem Thema. Einige Anwohner unterstützen die nächtliche Schließung, während andere, darunter zahlreiche linke Initiativen, vehement Widerstand leisten. Kritiker befürchten, dass die Kriminalität in angrenzende Kieze verdrängt wird. So berichteten Anwohner von negativen Folgen, wie einer Verlagerung von Drogenkriminalität in benachbarte Wohngebiete, was die Situation nicht unbedingt verbessert.

Die Polizeiführung hat sich für die nächtliche Schließung ausgesprochen, um die Sicht für Fahnder zu verbessern. Burkard Dregger von der CDU-Fraktion bleibt ebenfalls hartnäckig und kündigte an, an der nächtlichen Schließung festzuhalten und rechtliche Schritte einzuleiten. Auch Berlin’s Regierender Bürgermeister Kai Wegner verteidigte die Maßnahme als Teil eines umfassenden Sicherheitskonzepts. Doch die Gewerkschaft der Polizei äußerte, dass der Zaun nicht die Lösung für die Drogenproblematik sei. Hier prallen Welten aufeinander.

Die Zahlen lügen nicht

Die Situation im Görlitzer Park ist komplex. In den letzten zwei Jahren wurden dort 1956 Straftaten erfasst, darunter Gewalt- und Eigentumsdelikte sowie Sexualdelikte. 325 dieser Straftaten waren von „erheblicher Bedeutung“, 40 Prozent davon fanden zwischen 22 und 6 Uhr statt. Solche Zahlen lassen die Verantwortlichen nicht kalt. Dennoch argumentieren die Kläger, dass der Senat nicht zuständig sei und keine konkreten Zahlen für die Einstufung des Parks als kriminalitätsbelasteter Ort vorliegen.

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Die Gerichtsentscheidung wird als Bestätigung der Position des Bezirks von der Bürgermeisterin von Friedrichshain-Kreuzberg, Clara Herrmann, gewertet. Sie sieht die Verantwortung klar bei den Bezirken und nicht beim Senat. Und während ein wissenschaftliches Gutachten zur Untersuchung der Auswirkungen der Schließung für nach dem Sommer geplant ist, bleibt die Frage, wie die Zukunft des Görlitzer Parks aussehen wird.

Ein Platz, der so viel mehr ist als nur ein Park. Egal, wie die Diskussion auch weitergeht – der Görlitzer Park bleibt ein Ort der Begegnung, des Austauschs und der unterschiedlichen Meinungen. Ob mit oder ohne Zaun, die Berliner werden weiterhin für ihre Interessen und ihre Nachbarschaft kämpfen.