In einem bedeutenden Schritt zur Würdigung des jüdischen Widerstands gegen den Nationalsozialismus plant der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg die Umbenennung des Blücherplatzes am Halleschen Tor in Eva-Mamlok-Platz. Eva Mamlok, eine mutige Widerstandskämpferin, die in Kreuzberg aufwuchs, wurde 1944 im Konzentrationslager Stutthof ermordet. Die Umbenennung soll bis Ende des Jahres 2026 vollzogen werden, nachdem die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) im vergangenen Juni einen entsprechenden Beschluss gefasst hat.
Die Entscheidung zur Umbenennung ist Teil einer breiteren Debatte über die Erinnerungskultur in Berlin. Der Platz trägt seit 162 Jahren den Namen von General Gebhard Leberecht von Blücher, einem preußischen Feldherrn, der in den Befreiungskriegen gegen Napoleon eine wesentliche Rolle spielte. Kritiker der Umbenennung bemängeln die Tilgung des Namens Blücher, der als bedeutende historische Figur gilt. Doch der Antrag zur Umbenennung hebt hervor, dass der Platz nicht länger den Namen eines Feldherrn tragen soll, sondern vielmehr eine weibliche und jüdische Widerstandspersönlichkeit ehren möchte.
Ein Schritt in die richtige Richtung
Die Umbenennung von Straßen und Plätzen ist in Berlin ein formaler Verwaltungsakt, der oft Zeit in Anspruch nimmt. Die BVV hatte bereits 2005 einen Beschluss gefasst, der die bevorzugte Benennung von Straßen nach Frauen fordert. Eva Mamlok wird mit Stolpersteinen in der Neuenburger Straße geehrt, die an sie und ihre Familie erinnern. Diese Gedenksteine sind ein wichtiges Element der Erinnerungskultur und sollen die Auseinandersetzung mit der Geschichte fördern.
Die Bedeutung der Erinnerung an das NS-Regime bleibt eine Herausforderung, auch mehr als drei Jahrzehnte nach dem Ende der Diktatur. Dies wird besonders deutlich an internationalen Gedenktagen, wie dem Holocaust-Gedenktag am 27. Januar 2025, der an das Leid und die Verfolgung der jüdischen Bevölkerung während des Nationalsozialismus erinnert. Die Diskussion über die Relevanz von Gedenkformen und deren zeitgemäße Umsetzung hat in den letzten Jahren an Intensität gewonnen.
Eine lebendige Erinnerungskultur
Die Erinnerungskultur soll nicht nur emotional, sondern auch rational sein. Gedenkstätten, wie das Denkmal für die ermordeten Juden Europas, das 2005 eingeweiht wurde, sowie das Denkmal für die unter NS-Ideologie verfolgten Sinti und Roma, das 2012 eröffnet wurde, sind Orte der Erfahrung und Erkenntnis. Diese Stätten mahnen uns, die Lehren aus der Geschichte zu ziehen und die Menschenrechte zu verteidigen.
Die Umbenennung des Blücherplatzes in Eva-Mamlok-Platz ist ein weiterer bedeutender Schritt in der Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte und der Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus. Sie zeigt, dass das Gedenken an die Vergangenheit auch in der Gegenwart lebendig bleibt und dass wir die Stimmen derjenigen, die für Freiheit und Menschlichkeit gekämpft haben, nicht vergessen dürfen.