Am 14. April 2026 hat das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg beschlossen, den Blücherplatz am Halleschen Tor in Berlin umzubenennen. Mit einer Mehrheit aus den Parteien Grün, Rot und Rot wird der Platz nun den Namen der jüdischen Widerstandskämpferin Eva Mamlok tragen. Dieser Schritt ist nicht nur ein Zeichen der Ehre für Mamlok, sondern auch eine Anerkennung des Widerstands von Frauen sowie von Juden und Jüdinnen insgesamt. Die CDU stimmte gegen die Umbenennung, die nach 162 Jahren den Namen Blüchers ablöst, der bekanntlich den Mythos des „Erzfeindes Frankreich“ begründete und als erfolgreicher preußischer General gilt.

Eva Mamlok, geboren 1918, wurde in der Zeit des Nationalsozialismus aktiv. Sie starb tragischerweise 1944 im Konzentrationslager Stutthof an den Folgen der Zwangsarbeit. Ihre Zeit in Berlin war von bemerkenswerten Begegnungen geprägt, unter anderem mit Pieter Siemsen, einem Sohn eines SPD-Reichstagsabgeordneten, den sie 1935 traf. Siemsen, der 1934 aus der Schweiz nach Deutschland abgeschoben wurde, und Mamlok verliebten sich. Während sie sich in der Milchbar Neumeier, einem beliebten Treffpunkt in der Nähe des Bahnhofs Zoo, trafen, wuchs ihr politisches Bewusstsein. Mamlok war bei ihrer Verhaftung 1934 bereits Mitglied der Sozialistischen Arbeiterjugend (SAJ) und wurde vermutlich seit 1933 aktiv im Widerstand gegen das NS-Regime.

Ein Zeichen des Gedenkens

Die Umbenennung des Blücherplatzes zu Ehren von Eva Mamlok ist mehr als eine bloße Namensänderung; sie ist ein wichtiger Schritt, um den historischen Kontext und die Rolle jüdischer Widerstandskämpferinnen sichtbar zu machen. Historiker betonen, dass der bewaffnete Widerstand in mindestens 50 osteuropäischen Ghettos und drei Konzentrationslagern stattfand, und dass die Wahrnehmung von Juden oft auf passive Opfer reduziert wurde. Der Widerstandsgedanke ist tief in der jüdischen Geschichte verwurzelt, und Mamloks Geschichte ist ein Beispiel dafür, wie Frauen eine Schlüsselrolle einnahmen, sowohl im Aufstand in Auschwitz als auch in anderen Ländern.

Die Umbenennung des Platzes ist eine Möglichkeit, das Erbe von Widerstandskämpferinnen wie Mamlok zu würdigen und die Erinnerung an die Verbrechen des Nationalsozialismus wachzuhalten. Sie erinnert auch an den Aufstand im Warschauer Ghetto 1943, der eines der bekanntesten Beispiele jüdischen Widerstands darstellt. Historiker wie Stephan Lehnstaedt weisen darauf hin, dass viele Überlebende von Aufständen ermordet wurden, was zu einer einseitigen Wahrnehmung des Widerstands führte. Um den Mythos der „passiven Juden“ zu ändern, sind gesellschaftliche und strukturelle Veränderungen nötig, wie die Benennung von Straßen und Plätzen nach jüdischen Widerstandskämpferinnen.

Die Entscheidung, den Blücherplatz umzubenennen, ist somit ein Schritt in die richtige Richtung – eine Anerkennung der unermüdlichen Kämpfe von Frauen und jüdischen Widerstandskämpfern, die sich dem Unrecht entgegenstellten und für ihre Überzeugungen eintraten. Es ist ein Akt der Erinnerung, der dazu beiträgt, die Geschichte von Eva Mamlok und vielen anderen, die für Freiheit und Gerechtigkeit kämpften, lebendig zu halten.

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