Inmitten des pulsierenden Lebens von Friedrichshain-Kreuzberg hat sich ein Unternehmen mit einer besonderen Mission herauskristallisiert: Einhorn. Gegründet 2015 von Philip Siefer und Waldemar Zeiler, bringt dieses Start-up frischen Wind in die Welt der nachhaltigen Kondome. Dabei streben die beiden nicht nach dem typischen „Einhorn“-Status, also einer Bewertung von einer Milliarde Dollar. Vielmehr wollen sie sich von der „Unicorn-Kultur“ abgrenzen und setzen auf Werte, die über reine Gewinnmaximierung hinausgehen. Das macht Einhorn nicht nur zu einem interessanten Wirtschaftsakteur, sondern auch zu einem Vorreiter im Bereich Nachhaltigkeit und Aufklärung.
Mit einem Umsatz von etwa 3,4 Millionen Euro im Jahr bietet das Unternehmen nicht nur Kondome, sondern auch Menstruationsartikel an – und das mit einem klaren Fokus auf umweltfreundliche Produktion. Die Inhaltsstoffe, wie der Kautschuk, stammen von Kleinbauern in Thailand, was dem Produkt eine soziale Komponente verleiht. Luise Tremel, die Ko-Geschäftsführerin und erste Frau in der Geschäftsführung, hat sich zudem dafür eingesetzt, dass Einhorn in Verantwortungseigentum überführt wurde. 99,7% der Gewinnanteile wurden an die Stiftung Verantwortungseigentum übertragen. Ein Schritt, um eine Übernahme durch Investoren zu verhindern und die Unabhängigkeit des Unternehmens zu wahren.
Ein neuer Ansatz zur Aufklärung
Das Unternehmen legt großen Wert darauf, Tabus rund um Sexualität und Menstruation zu brechen. Auf der Webseite und in den Produktanleitungen wird Aufklärung großgeschrieben. So macht Einhorn nicht nur auf die eigenen Produkte aufmerksam, sondern auch auf gesellschaftliche Themen, die oft im Verborgenen bleiben. Sowohl Siefer als auch Tremel betonen, dass Gewinnmaximierung nicht das Hauptziel ist – das ist erfrischend in einer Welt, in der oft nur das Geld zählt.
Das Aufklärungs-Superkit von Einhorn, das auf der Webseite erhältlich ist, bietet eine Vielzahl von Informationen und Hilfsmitteln, die junge Menschen unterstützen, sich mit Themen wie Sexualität und Menstruation auseinanderzusetzen. Es ist eine Einladung zur Offenheit und zum Dialog, was gerade in der heutigen Zeit enorm wichtig ist. Die Produkte sind nicht nur nachhaltig, sondern auch für ihre Benutzer gedacht, was das gesamte Konzept von Einhorn abrundet.
Die Herausforderungen auf dem Weg
Im Jahr 2020 konnte Einhorn einen Rekordumsatz von sieben Millionen Euro erzielen, doch seitdem ist der Umsatz gesunken. Das Unternehmen reagiert auf diese Herausforderung mit der Planung neuer Produkte, wie nachhaltigen Lecktüchern und Gleitgel. Es bleibt spannend zu beobachten, wie sich die strategische Ausrichtung unter der Leitung von Siefer und Tremel entwickeln wird.
Philip Siefer, der vorher mit „Stickvogel“ erfolgreich war, bringt Erfahrungen aus der Textilbranche mit, die ihm und seinem Team helfen, innovative Wege zu finden, um die Marke Einhorn weiterzuentwickeln. Luise Tremel, die an der Harvard-Universität studierte, bringt frische Perspektiven und Ideen in die Geschäftsführung ein. Gemeinsam arbeiten sie daran, Einhorn zu einem starken Player im Bereich nachhaltiger Produkte zu machen, der gleichzeitig gesellschaftliche Verantwortung übernimmt.
In einer Welt, in der gesellschaftliche Themen oft unter den Teppich gekehrt werden, ist es erfrischend zu sehen, wie Unternehmen wie Einhorn sich für Aufklärung und Nachhaltigkeit starkmachen. Es bleibt zu hoffen, dass sich dieser Trend fortsetzt und immer mehr Menschen die Wichtigkeit solcher Themen erkennen. Die Reise von Einhorn hat gerade erst begonnen und wir dürfen gespannt sein, welche neuen Wege sie noch beschreiten werden.