Am Freitag, kurz vor 16 Uhr, herrscht emsige Betriebsamkeit in einem Eckladen in Berlin-Kreuzberg. Das Team um die Popmusikerin Domiziana ist mitten im Aufbau für eine Live-Performance. Schwarz glänzende Plastikfolie wird über die Fenster gezogen, während die Schaufenster offen bleiben. Es ist eine Art Vorahnung, dass hier gleich etwas Außergewöhnliches passieren wird.

Hinter einer Glasscheibe sitzt Domiziana, die mit ihrer neuen Single „Haut an Haut“ alle Blicke auf sich zieht. Passanten können über einen roten „Press Play“-Button ihren neuen Song starten. Und dann geht’s los! Ein Countdown beginnt, das Publikum wird mitgerissen. Zehn Sekunden später entfaltet sich eine Choreografie, die mit einem Stuhl spielt, während aus den Lautsprechern die verzerrten Stimmen und der digitale Sound der Single erklingen. Es ist ein künstlerisches Experiment, das Pop, Performance-Art und Installation vereint.

Domizianas Weg zur Hyperpop-Künstlerin

Geboren 1997 in Freiburg und aufgewachsen in Catania, Sizilien, hat Domiziana Gibbels schon früh ihre Liebe zur Musik entdeckt. Mit dem Geigenspiel begann alles, und bald schon schrieb sie eigene Songtexte. Ihr Durchbruch kam 2022 mit „Ohne Benzin“, der auf TikTok viral ging. In ihren Liedern verarbeitet sie ihr katholisches Aufwachsen, die Berliner Rave-Culture und die Herausforderungen der Generation Z. Dabei ist sie nicht nur eine Hyperpop-Musikerin, sondern auch eine, die sich kritisch mit der digitalen Verfügbarkeit und Konsumierbarkeit von Kunst auseinandersetzt.

Die Performance in Kreuzberg ist mehr als nur ein Auftritt. Sie wirft Fragen auf: Wie konsumieren wir Popmusik in einer Zeit, in der alles auf Knopfdruck verfügbar ist? Domiziana ist nach zwanzig Minuten erschöpft, und doch ist da bereits die nächste Person, die den Knopf drückt. Immer wieder bleiben Passanten stehen, zücken ihre Handys und filmen die einmalige Darbietung. Es ist eine Art von Live-Kunst, die in der heutigen digitalen Welt ihren Platz findet.

Emotionale Tiefe und treue Fans

Besonders berührend ist der Anblick von Domizianas Mutter im Publikum, die stolz auf ihre Tochter ist. Sie betont, dass dieses Projekt ganz Domizianas eigene Idee sei. Zwei Fans aus Bonn, Hazper (22) und Zoé (24), sind extra nach Berlin gereist, um die Performance zu erleben. „Die Einzigartigkeit und die emotionale Tiefe von ‚Haut an Haut‘ sind einfach unbeschreiblich“, schwärmen sie. Solche Momente verbinden Menschen – eine Art Magie, die man nur live erleben kann.

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Die musikalische Reise von Domiziana ist eingebettet in einen größeren Kontext. Hyperpop, ein Genre, das in den frühen 2010er Jahren im UK entstand, ist geprägt von übertriebenen Elementen aus der Popmusik, elektronischen Klängen und avantgardistischen Einflüssen. Künstler wie A. G. Cook und Charli XCX haben das Genre geprägt und es in den letzten Jahren populär gemacht. Die Verbindung von digitalen Trends und emotionaler Tiefe ist ein Markenzeichen dieser Bewegung, die besonders bei der Generation Z Anklang findet. Mit ihrer neuen Single trägt Domiziana zur Entwicklung dieses Genres bei und hinterfragt gleichzeitig die Art und Weise, wie wir Musik konsumieren.

In einer Welt, in der das Streben nach viraler Bekanntheit oft im Vordergrund steht, bleibt die Frage: Was bedeutet es, Kunst zu schaffen, die sowohl zugänglich als auch tiefgründig ist? Domizianas Performance ist ein eindrucksvolles Beispiel dafür, dass es auch anders geht – dass es möglich ist, mit Kunst eine Verbindung herzustellen, die über den bloßen Konsum hinausgeht.

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