Abschied von den Kastanien: Ein Park ohne Schatten
Im Herzen von Friedrichshain-Kreuzberg droht ein schmerzhafter Abschied: 25 Rosskastanien im Besselpark, die vor dem taz-Gebäude stehen, sollen gefällt werden. Das Bezirksamt hat die Bäume als krank eingestuft, und die Diagnose ist alles andere als erfreulich. Hinter den kranken Ästen verbirgt sich ein fortgeschrittener Befall mit dem Bakterium Pseudomonas syringae pv. aesculi. Ein Name, der nicht nur schwer auszusprechen ist, sondern auch die trübe Realität widerspiegelt, dass rund 70 Prozent der Kastanien im Besselpark betroffen sind. Das Risiko für Ast- und Stammbruch ist erhöht – also besser weg mit ihnen, bevor etwas Schlimmeres passiert.
Die Fällungen sollen zeitnah stattfinden. Doch die Aussicht auf neue Bäume ist düster: Nachpflanzungen sind erst nach 2027 möglich, was bedeutet, dass der Park in den kommenden Jahren ohne die majestätischen Kastanien auskommen muss. Komischerweise konnte man sich auch nicht zu Fragen äußern, die die Anpflanzung einer krankheitsanfälligen Monokultur betreffen – das klingt alles andere als beruhigend. Der taz Panter FC hat immerhin angeregt, einen Fußballplatz anzulegen, falls eine Neubepflanzung nicht möglich ist. Möglicherweise eine kreative Lösung, um die Lücke zu füllen, die die Kastanien hinterlassen.
Krankheit und ihre Ausbreitung
Seit 2007 ist das bakterielle Rosskastanien-Sterben in Deutschland bekannt, und die ersten Funde wurden in Hamburg gemacht. Seitdem hat sich die Krankheit in ganz Deutschland und Mitteleuropa ausgebreitet. Sie trifft Bäume jeden Alters und kann letztlich dazu führen, dass sie vollständig absterben. Das Bakterium, das die Krankheit auslöst, wird vermutlich über Luft und Niederschlag übertragen. Die Symptome sind vielfältig: Schwarze Stellen am Stamm, große Verfärbungen an der Rinde und gar tiefgründige Risse im Holz. Ja, das klingt nach einer echten Katastrophe für die schattenspendenden Riesen.
Besonders alarmierend ist die Zunahme der Rosskastanien-Miniermotte, die den Bäumen zusätzlich zu schaffen macht. Man fragt sich, ob die resistente Bäume, die oft direkt neben den stark befallenen stehen, vielleicht einen Lichtblick in dieser düsteren Geschichte darstellen. Wer weiß – vielleicht sind sie das Ergebnis von unterschiedlichen Nährstoff- und Wasserversorgungen oder sogar genetischen Faktoren. Die Forschung an resistenten Baumarten und neuen Behandlungsmöglichkeiten läuft, auch wenn die Fragen zur Langzeitwirkung und erneuten Besiedlung durch das Bakterium weiterhin offen sind.
Symptome und Folgen
Erschreckenderweise zeigt die Rosskastanie zu Beginn des Befalls oft keine oder nur sehr unauffällige Symptome. Nach einer Infektion wird es dann dramatisch: Die Krone wird schütter, die Blätter werden klein und das Laub hellt auf. Im Frühjahr sind dann die ersten Anzeichen sichtbar – rostfarbene oder geschwärzte Flüssigkeit tritt aus Rissen in der Rinde aus. Ja, es klingt fast wie ein Horrorfilm für Baumliebhaber. Innerhalb kurzer Zeit können holzzersetzende Pilze wie der Austernseitling oder Samtfußrübling dem Baum den Garaus machen, sodass die Stabilität der befallenen Baumkompartimente nicht mehr gewährleistet ist.
Ein weiteres, anschauliches Bild: Die abgestorbene Rinde reißt durch das Dickenwachstum auf, und der Holzkörper wird sichtbar. Ein dramatisches Schauspiel, das sich über mehrere Jahre hinziehen kann, abhängig von der Vitalität des Baumes und der Aggressivität der Holz zerstörenden Pilzarten. Während die Stadt sich also von ihren Kastanien verabschieden muss, bleibt die Frage: Wie sieht die Zukunft unserer grünen Lunge aus?
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