In Berlin, wo die Straßen von Geschichte und Perspektiven durchzogen sind, kommt ein Artikel ans Licht, der die Verbindungen zwischen Vergangenheit und Gegenwart beleuchtet. Guy Goldstein und Alex Steiman weisen darauf hin, dass die Ideologie hinter dem Holocaust im Jahr 1945 nicht besiegt wurde. Antisemitismus und antiwestlicher Hass, so argumentieren sie, wurden nur neu organisiert und an andere Orte verlagert. Man könnte fast meinen, die Schatten der Vergangenheit sind hier lebendiger denn je.

Der Artikel zieht eindrucksvoll eine Linie von der NSDAP-Auslandsorganisation (NSDAP/AO), die vor rund 100 Jahren in Kairo von Alfred Heß, dem Bruder Rudolf Heß’, gegründet wurde, bis zu den heutigen palästinensischen und linken Gruppen in Berlin. Diese Organisation hatte die Aufgabe, antisemitische Stimmungen unter ägyptischen Eliten zu verbreiten. Doch schon bald stellte sich heraus, dass traditionelle europäische antisemitische Schriften in Ägypten kaum Wirkung erzielten. Die Strategie wurde daraufhin geändert: Der Konflikt zwischen Arabern und Juden in Palästina sollte nach Ägypten verlagert werden, wobei Antizionismus als Träger antisemitischer Botschaften genutzt wurde.

Einflussreiche Persönlichkeiten und ihre Netzwerke

Historiker Matthias Küntzel beschreibt, wie die Nationalsozialisten ihre Argumentation von einer rassistischen auf eine religiöse Ebene hoben, mit selektiven Verweisen auf den Koran und islamische Schriften. Ein besonders bekannter Redner war der Jerusalemer Großmufti Amin al-Husseini, der ab 1933 die Hitler-Regierung unterstützte und von 1941 bis 1945 in Berlin lebte. Er erhielt monatlich hohe Summen und eine „arisierte“ Villa. Al-Husseini war nicht nur ein einflussreicher Politiker, sondern auch ein Mann, der mit der Muslimbruderschaft und deren Ideologien eng verbunden war. Diese Bruderschaft, gegründet 1928 in Kairo, sollte als politisches „Vehikel“ fungieren, um Antizionismus mit Antisemitismus zu verbinden.

Seine Rolle als Anführer des Obersten Muslimischen Rats machte ihn zur zentralen Figur im Widerstand gegen die jüdische Einwanderung nach Palästina. Al-Husseini verbreitete Verschwörungstheorien und mobilisierte Araber gegen Zionismus, was zu gewaltsamen Konflikten führte, wie den Nabi-Musa-Unruhen 1920. Seine fatwa gegen den Verkauf von Land an Juden ist ein weiteres Beispiel für die aggressive Rhetorik, die er propagierte. Er nutzte sogar die britische Verwaltung für seine Zwecke, um seine Macht zu festigen.

Verbindungen zur Gegenwart

Die Palästinensische Befreiungsorganisation (PLO) gewann in den 1960er-Jahren Einfluss in der westdeutschen Studentenbewegung. Unter der Führung von Jassir Arafat, der von al-Husseini als Nachfolger bestimmt wurde, wurde „Palästina“ schließlich als Begriff ausschließlich für die palästinensischen Araber etabliert. Die PLO war politisch links und weitgehend säkular ausgerichtet, doch die radikale PFLP war auch Teil ihres Netzwerks – eine Organisation, die in Deutschland verboten ist.

In Berlin spielt Ibrahim Ibrahim eine zentrale Rolle als Aktivist palästinensischer und linksradikaler Gruppen. Er wurde 1956 im Libanon geboren, als palästinensischer Flüchtling aufgewachsen und kam 1974 nach West-Berlin. Seit 1979 war er aktiv, meldete Veranstaltungen der PFLP an und pflegte Kontakte zur Hamas. Diese islamistische Bewegung, die aus der Muslimbruderschaft hervorging, entwickelt sich zur Gegenkraft zur säkularen PLO. Der brutale Angriff der Hamas auf den Süden Israels am 7. Oktober 2023, bei dem etwa 1.200 Menschen getötet und rund 250 als Geiseln genommen wurden, wirft einen langen Schatten auf die politischen Bestrebungen in der Region.

Politische Verflechtungen und die Linkspartei

Die PFLP und die Hamas sind in Berlin unter dem Dach des „Vereinigten Palästinensischen Nationalkomitees“ (VPNK) vertreten. Der Verfassungsschutz bringt das VPNK mit Ibrahim in Verbindung. Nach der Abgeordnetenhauswahl 2026 sorgten Fotos von der Wahlparty der Neuköllner Linkspartei für Aufsehen, auf denen Ibrahim mit dem Bundestagsabgeordneten Ferat Koçak und Vanessa Emde zu sehen ist. Letztere gewann das Direktmandat im Wahlkreis Neukölln 1. Die Linkspartei und ihre Vertreter weisen Vorwürfe des Antisemitismus zurück, bekennen sich jedoch zum Antizionismus. Goldstein und Steiman fordern jetzt von der SPD und den Grünen, in ihren Koalitionsverhandlungen mit der Linkspartei mögliche Einflussnehmer außerhalb des Verhandlungstisches zu berücksichtigen.

Die Verbindungen zwischen al-Husseini und den heutigen politischen Strömungen zeigen, wie tief der Antisemitismus in diesen Strukturen verwurzelt ist. Al-Husseini, ein islamisch-arabischer Nationalist, war nicht nur ein Führer, sondern auch ein Drahtzieher, der durch seine Kontakte und Propaganda entscheidend zur Verbreitung antisemitischer Ideologien beitrug. Seine Nähe zum NS-Regime, die finanzielle Unterstützung und die Zusammenarbeit bei der Verbreitung von Propaganda sind nicht zu unterschätzen.

In diesem Geflecht aus Geschichte und Gegenwart wird klar, dass Antisemitismus nicht nur ein Relikt der Vergangenheit ist. Vielmehr ist er ein lebendiges und hochaktuelles Thema in der politischen Landschaft Berlins und darüber hinaus. Die Fragen um Einfluss und Ideologie werden weiterhin die politischen Diskurse prägen, während die Stadt in ihrer Vielfalt und Komplexität versucht, einen Weg nach vorn zu finden.