Gestern Abend kam es in Berlin am Rosenthaler Platz zu einer derbe brisanten Demonstration, die – wie ein schlechter Film – vorzeitig abgebrochen werden musste. Die Polizei hatte alle Hände voll zu tun, denn Steinwürfe auf die Einsatzkräfte und das Abbrennen von Pyrotechnik sorgten für eine angespannte Stimmung. Ursprünglich waren etwa 700 Menschen versammelt, die Zahl der Teilnehmenden wuchs jedoch schnell auf bis zu 3500. Die Demo trug den Titel „Gen Z hat genug!“ und war Teil bundesweiter Jugendproteste, gehörte aber nicht zu den Veranstaltungen der Initiative „Gen Z regelt“, die am Nachmittag am Brandenburger Tor stattfand, wo laut Polizei bis zu 5000 Menschen friedlich demonstrierten.

Die Stimmung beim Abendprotest war von Beginn an angespannt. Viele der Teilnehmenden trugen dunkle Kleidung und waren vermummt – ein Bild, das die Polizei dazu brachte, den Veranstalter dem linken Spektrum zuzuordnen. Zusätzlich waren auch Teilnehmer aus der propalästinensischen Szene anwesend. Polizeisprecherin Julia Scholz beschrieb die Situation als „Katz-und-Maus-Spiel“, da sich Teile des Geschehens in die Nebenstraßen verlagerten. Um 20 Uhr meldete die Polizei, dass sich die Demonstration vollständig aufgelöst hatte und die Lage wieder ruhig war. Allerdings hatten 27 Polizeibeamte leichte Verletzungen erlitten, und bis zu 56 Demonstranten wurden vorübergehend festgenommen.

Ein Protest mit vielen Gesichtern

Der Protest war nicht nur ein Ausdruck von Frustration über die aktuelle Lage. Die Generation Z hat genug von überfüllten Klassen, Lehrkräftemangel und nicht renovierten Schulgebäuden. Am 31. Oktober plant diese Gruppe bundesweite Proteste, bei denen es um bessere Bildung, konsequenteren Klimaschutz und mehr politische Teilhabe geht. Über 160.000 Menschen haben sich auf der Website der Initiative „Gen Z regelt“ für die Proteste angemeldet. Vertreter aus Städten wie Köln, München und Frankfurt berichten, dass sie sich von der Politik übergangen fühlen – ein Gefühl, das viele Jugendliche teilen.

Die 17-jährige Marie Hacker, aktiv bei Fridays for Future, bringt es auf den Punkt: „Die psychischen Belastungen junger Menschen werden politisch nicht ausreichend berücksichtigt.“ Und das gilt nicht nur für die Schule. Auch der Übergang ins Berufsleben sorgt für Zukunftsängste und Unsicherheit. Die Lebenshaltungskosten steigen, während die Möglichkeiten, eine bezahlbare Wohnung zu finden, immer knapper werden. Ein WG-Zimmer in Düsseldorf kostet beispielsweise im Schnitt 563 Euro monatlich – eine finanzielle Belastung, die viele junge Erwachsene spüren.

Die Schatten der Vergangenheit

Die jüngsten PISA-Ergebnisse sind ein weiterer Dämpfer. Die Leistungen der 15-Jährigen in Deutschland sanken in Mathematik und Lesen erneut, und ein Drittel erreicht nicht einmal das Mindestniveau. Bildungsforscher sehen in dieser Entwicklung einen zusätzlichen Druck auf die Jugend, eine Frustration, die im Vergleich zu früheren Generationen besonders ausgeprägt ist. Nina Kolleck, Bildungs- und Jugendforscherin, hält die Forderungen der Jugendlichen für legitim. Ihre Einschätzung: Die Probleme des Bildungssystems bestehen seit Jahrzehnten und haben sich weiter verschärft. Lehrkräfte sind überlastet, und die jüngsten PISA-Ergebnisse haben die Situation noch verschärft.

Es gibt besorgniserregende Stimmen, die vor möglichen Ausschreitungen bei den bevorstehenden Protesten warnen, ähnlich wie in Frankreich. In Städten wie Düsseldorf bereiten sich einige Ladenbesitzer vorsorglich vor und verbarrikadieren ihre Geschäfte. Polizei und Verfassungsschutz beobachten die Lage genau, erwarten jedoch derzeit keine Eskalation. Die Initiative „Gen Z regelt“ distanziert sich ausdrücklich von Gewalt und ruft zu friedlichen Protesten auf. Das Ziel ist klar: Die Forderungen der Jugendlichen sollen von der Politik wahrgenommen werden.