Gestern Abend, am Rosenthaler Platz in Berlin-Mitte, war die Luft regelrecht elektrisch geladen. Nach dem Abschluss der friedlichen Demonstration „Gen Z regelt“ am Brandenburger Tor, die laut Polizei etwa 5.000 Teilnehmer zählte (die Organisatoren sprachen sogar von 11.000), wanderte die Menge weiter und versammelte sich unter dem Motto „GenZ hat genug!“ in einer schier explosiven Atmosphäre. Zunächst drängten sich etwa 500 Menschen auf dem Platz, doch die Zahl stieg im Laufe des Abends auf rund 3.500. Was für ein Anblick!

Die Polizei schätzte die Organisatoren dem linken Spektrum zu, und es waren auch Personen aus der propalästinensischen Szene anwesend. Schon bald hallten Rufe wie „Ganz Berlin hasst die Polizei“ durch die Straßen. Die Stimmung war spürbar angespannter als bei der vorherigen Veranstaltung. Während der Demonstrationszug in Richtung S-Bahnhof Prenzlauer Allee zog, begleiteten zahlreiche Polizeikräfte die Menge. Das war kein Spaziergang, sondern ein Protest, der unter Druck stand.

Ein scharfer Gegensatz

Gegen 17:45 Uhr eskalierte die Situation, als Böller auf die Einsatzkräfte geworfen wurden und Flaschen sowie Eier aus dem Demonstrationszug flogen. Autsch! Ein Polizist erlitt durch Pyrotechnik ein leichtes Knalltrauma, was die angespannte Stimmung nur weiter anheizte. Zunächst blieben Festnahmen aus, doch die Polizei entschloss sich, die Demonstration am S-Bahnhof Prenzlauer Allee zu beenden. Und auch danach blieb die Lage angespannt, wie die Reporter des RBB berichteten.

Die Organisatoren der Demo am Brandenburger Tor hatten sich übrigens vorher von der Veranstaltung am Rosenthaler Platz distanziert und zur Gewaltfreiheit aufgerufen. Ein kleiner Lichtblick inmitten des Chaos. Doch die Probleme, die die jungen Menschen auf die Straße ziehen, sind nicht von der Hand zu weisen. Die Initiative „Gen Z regelt“ fordert mehr Gehör in der Politik, bessere Bildung, soziale Gerechtigkeit und mehr Klimaschutz. Ein ganzes Bündel an Themen, das den Jugendlichen unter den Nägeln brennt.

Ein Blick über die Stadtgrenzen hinaus

Die Proteste am Sonntag waren nicht nur in Berlin spürbar. Auch in anderen deutschen Städten wie Frankfurt am Main und Hamburg kam es zu Auseinandersetzungen. In Frankfurt wurden Polizeikräfte mit Steinen beworfen, und Wasserwerfer wurden eingesetzt. In Hamburg flogen pyrotechnische Gegenstände auf die Einsatzkräfte. Ein Zusammenhang, der nicht zu ignorieren ist: Überall in Deutschland fordern junge Menschen, dass ihre Stimmen gehört werden.

In Leipzig zogen rund 6.500 Menschen durch die Stadt, wo die Demonstration zunächst friedlich verlief, aber auch hier wurde Pyrotechnik abgefeuert. Die Plakate sprachen Bände: „Aufrüstung stoppen“, „Bildung statt Bomben“. In Dresden äußerten die Demonstrierenden ihre Sorgen über kaputte Schulen und die Wehrpflicht, die sie ablehnen. „Die Reichen wollen Krieg, die Jugend eine Zukunft“, lautete einer der Slogans, der sicherlich den Nerv der Zeit trifft.

Wie Protestforscher Christian Volk von der Humboldt-Universität Berlin bemerkt, ist ein Ausmaß wie in Frankreich derzeit unwahrscheinlich. Die Protesttradition hierzulande sei einfach anders, und die Unzufriedenheit lässt sich nicht so leicht bündeln. Doch egal, wie man es dreht und wendet: Die Jugend hat etwas zu sagen. Die Initiative spricht von mehr Geld für Schulen, Suchthilfe und Psychotherapie – Themen, die in der aktuellen Gesellschaft dringend angepackt werden müssen.

Ein Zeichen, das auch Lina Zeeh vom Landesschülerrat Sachsen unterstützt. Auf den Straßen wird deutlich: Es ist Zeit, die Stimme zu erheben. Aber die Gewalt? Die lehnt sie, wie viele andere auch, entschieden ab. Und das ist gut so.