Seit Dienstag, dem 3. November 2026, ist in Berlin-Marzahn das Schicksal der 13-jährigen Lisa Tạ ungewiss. Um 7.17 Uhr verließ sie ihre Wohnung in der Golliner Straße, auf dem Weg zur Schule. Ein ganz normaler Tag, könnte man meinen. Doch nur drei Minuten später, um 7.20 Uhr, war ihr Handy plötzlich ausgeschaltet. Von diesem Zeitpunkt an gab es kein Lebenszeichen mehr von ihr.

Lisas Weg zur Haltestelle des Busses 197, der um 7.27 Uhr in Richtung Mahlsdorf/Kaulsdorf abfahren sollte, führte durch einen kleinen Park. Rund 400 Meter sind das, etwa fünf Gehminuten, nicht viel, oder? Doch an ihrer Schule in der Sella-Hasse-Straße kam sie nie an. Eine Kamera im Wohnungsflur hielt fest, wie Lisa in ihrer überwiegend schwarzen Kleidung und mit Schulrucksack die Wohnung verließ. Momentan war sie noch in einem vertrauten Alltag gefangen, hatte kurz zuvor mit einer Freundin gechattet. Doch dann brach der Kontakt ab.

Ein besorgniserregendes Verschwinden

Der Rückblick auf den Dienstag zeigt, dass Lisa eine zuverlässige Schülerin war. Ihre Schwester Linda, 17 Jahre alt, berichtet, dass vorher nichts Ungewöhnliches aufgefallen war. Lisa hatte beim Verlassen des Hauses sogar noch geschlafen und kurz mit einer anderen Schwester gesprochen. Um die Mittagszeit alarmierte die Familie die Polizei. Ein verzweifelter Schritt, der zeigt, wie sehr die Sorgenfalten in den Gesichtern der Angehörigen zugenommen hatten.

Am Freitag teilten Polizei und Staatsanwaltschaft mit, dass man annehme, Lisa habe sich nicht freiwillig entfernt. Die 5. Mordkommission hat die Ermittlungen übernommen. Staatsanwaltssprecher Michael Petzold erklärte, dass die aktuellen Ermittlungen Anlass geben, von einer Straftat auszugehen. Polizeikräfte durchsuchten die Umgebung des Wohnblocks, durchkämmten das Laub auf einem nahegelegenen Fußballplatz und sicherten persönliche Gegenstände von Lisa – anscheinend als Geruchsprobe für Spürhunde. Die Familie verteilte Suchplakate in der Nachbarschaft und fragte Anwohner, ob sie etwas gesehen hätten. Der Gedanke, dass jemand etwas gesehen haben könnte, bleibt ein kleiner Hoffnungsschimmer.

Eine traurige Realität

In Deutschland verschwinden jährlich zehntausende Kinder und Jugendliche. Laut Statistik wurden 2025 rund 108.900 Vermisstenmeldungen erfasst. Fast 98 Prozent dieser Vermissten kehren wohlbehalten zurück, doch es gibt auch traurige Ausnahmen. Einige Kinder bleiben spurlos verschwunden, und dies ist ein erschütternder Gedanke, der nicht nur die Familie von Lisa, sondern auch die gesamte Gesellschaft betrifft. Der Tag der vermissten Kinder, der jährlich am 25. Mai begangen wird, soll auf diese tragischen Schicksale aufmerksam machen – etwas, das wir alle nie vergessen sollten.

Das Bundeskriminalamt startet an diesem Tag die Kampagne „Spurlos Verschwunden“, um betroffene Familien bei der Suche nach Antworten zu unterstützen und das öffentliche Bewusstsein zu schärfen. In einer Zeit, in der jeder von uns von der digitalen Welt umgeben ist, bleibt die Suche nach vermissten Kindern eine der wichtigsten und zugleich herausforderndsten Aufgaben. Die Hoffnung, dass Lisa bald wohlbehalten zu ihrer Familie zurückkehrt, bleibt stark – denn in der Dunkelheit gibt es immer einen Funken Licht.