Heute ist der 23.04.2026. Der Sohn des letzten Schahs des Iran, Reza Pahlavi, besucht Berlin und bringt einen klaren Appell an die europäischen Regierungen mit: Die Führung in Teheran soll nicht länger beschwichtigt oder mit ihr verhandelt werden. Pahlavi, der in den USA im Exil lebt, betont, dass die Menschen im Iran nicht wollen, dass „die Monster“, die für so viel Blutvergießen verantwortlich sind, an der Macht bleiben. Es brauche eine klare Veränderung, denn im Regime gebe es weder Pragmatiker noch Reformer, sondern nur „unterschiedliche Gesichter eines Regimes“.
Für seinen ersten offiziellen Besuch in der deutschen Hauptstadt hat Pahlavi politische Gespräche geplant, jedoch wird er von Demonstrationen begleitet, die sowohl seine Unterstützer als auch seine Kritiker mobilisieren. Während die Bundesregierung kein Treffen mit ihm plant, hat CDU-Politiker Armin Laschet seine Bereitschaft signalisiert, Pahlavi zu empfangen, um über die politische Lage im Iran und Zukunftsperspektiven zu diskutieren. Außenminister Johann Wadephul äußerte sich zurückhaltend und stellte klar, dass Pahlavi als Privatperson in Berlin ist.
Ein umstrittener Führer
Pahlavi hat sich als Übergangsführer der iranischen Opposition ins Spiel gebracht, wird jedoch von vielen als umstritten wahrgenommen. Monarchistische Gruppen sehen in ihm einen politischen Anführer, während andere Oppositionsflügel eine Rückkehr zur Monarchie vehement ablehnen. Kritiker werfen ihm mangelnde demokratische Legitimation vor, und es bleibt unklar, wie viel Rückhalt er tatsächlich im Iran hat, insbesondere vor dem Hintergrund einer seit dem 28. Februar verhängten Internetsperre.
Die Atmosphäre in Berlin wird zusätzlich durch die Vielzahl der angekündigten Proteste für und gegen Pahlavi aufgeladen. Während einige Exil-Iraner in ihm eine Hoffnung auf politischen Wandel sehen, betrachten andere ihn als Symbol einer autoritären Vergangenheit. Berlins Justizsenatorin Felor Badenberg kritisiert die Vergangenheit der Pahlavi-Familie, während Linken-Außenpolitikerin Cansu Özdemir ihn als „kein glaubwürdiger Demokrat“ bezeichnet. Auch die Grünen-Politikerin Luise Amtsberg weist auf die Polarisierung innerhalb der iranischen Gemeinschaft hin.
Die Protestbewegung im Iran
Pahlavis Besuch in Berlin fällt in eine Zeit, in der die Protestbewegung im Iran durch eine schwere Wirtschaftskrise verstärkt wird. In einer Videoansprache hat er die Menschen dazu aufgerufen, zwei Tage später zu demonstrieren, was in den Metropolen des Landes auf große Resonanz stößt. Diese Proteste sind jedoch brutal vom iranischen Sicherheitsapparat niedergeschlagen worden, und Tausende haben dabei ihr Leben verloren. Pahlavi selbst hat sich offen für militärische Interventionen ausgesprochen und bezieht Position zu den militärischen Aktionen von Israel und den USA gegen den Iran.
Die Meinungen über Pahlavi sind unter Iranern, sowohl im Heimatland als auch im Exil, gespalten. Einige sehen in ihm die Lösung für die politische Krise, während andere seine Ansichten und Taktiken scharf kritisieren. Der Iran-Experte Arash Azizi beschreibt diese Spaltung als tiefgreifend und verstärkt durch den anhaltenden Konflikt. Einig sind sich jedoch viele in der Forderung nach Demokratie und einem politischen Übergang, auch wenn Uneinigkeiten über die Form bestehen.
Die Situation bleibt angespannt, während Pahlavi sich auf seine Gespräche in Berlin vorbereitet und gleichzeitig gegen Proteste für und gegen seinen Besuch ankämpft. Sein Auftritt ist nicht nur ein persönliches Anliegen, sondern auch ein Symbol für die tiefen gesellschaftlichen und politischen Risse, die die iranische Gemeinschaft sowohl innerhalb des Landes als auch im Exil prägen.