Das Haus der Statistik in Berlin-Mitte ist ein wahrhaft faszinierendes Beispiel für den Wandel einer Stadt, die sich ständig neu erfindet. Über ein Jahrzehnt lang stand dieses Gebäude, ein ehemaliger DDR-Plattenbau am pulsierenden Alexanderplatz, leer. In der Zeit, als sich die Wände noch nicht mit Leben füllten, waren es Vögel und Fledermäuse, die sich dort ein Zuhause suchten. Doch nun, nach Jahren des Stillstands, wird es endlich zum neuen Treffpunkt für Begegnung, Kultur und Soziales – und das gleich in Haus A.
Die erste symbolische Schlüsselübergabe hat bereits stattgefunden und mit ihr der Beginn des Innenausbaus der ersten sechs Etagen. Anwesend waren hochrangige Politiker wie die Bundesbauministerin Verena Hubertz (SPD) und Berlins Bausenator Christian Gaebler (CDU), die dem Projekt ihren Segen gaben. Was viele nicht wissen: Bevor das Haus der Statistik hier stand, befand sich an diesem Ort ein jüdisches Altenheim, das in der NS-Zeit enteignet und als Sammellager missbraucht wurde. Ein Stück Geschichte, das in den Wänden nachhallt.
Ein Raum für alle
Im Haus A sollen künftig Menschen und Projekte zusammenkommen, die das Leben in Berlin bereichern. Die geplanten Angebote sind vielfältig: von Kunst und Kultur über Werkstätten und Bildungsangebote bis hin zu Beratungsstellen und sozialen Initiativen. Initiativen, die hier ihren Platz finden, sind Mitglieder der Genossenschaft AndersMachen eG. Darunter die Berliner Stadtmission, die AWO-Asylrechtsberatung und verschiedene Kunstgruppen, die sich der Förderung der Demokratie verschrieben haben.
Die genossenschaftliche Organisation der Räume garantiert eine langfristige Bezahlbarkeit – ein wichtiges Anliegen in Zeiten, in denen Wohnraum und kulturelle Flächen in Berlin teurer werden. Der Bund hat das Projekt mit 3,27 Millionen Euro gefördert. Bis 2032 sollen hier nicht nur bezahlbare Wohnungen entstehen, sondern auch ein Rathaus sowie Flächen für Verwaltung, Kunst, Bildung und Soziales. Das Ziel ist klar: Eine Stadt zu gestalten, die ein lebendiger Ort für alle ist.
Partizipation und Planung
Ein weiterer wichtiger Schritt in der Entwicklung des Areals war die Einrichtung der „Werkstatt Haus der Statistik“ im September 2018. Dieser Anlaufpunkt an der Karl-Marx-Allee 1 bietet Raum für Partizipation und Austausch. Hier finden Veranstaltungen zu integrierten Werkstattverfahren statt, bei denen die Berliner Stadtgesellschaft aktiv in die Arealentwicklung einbezogen wird.
Für die Erarbeitung eines städtebaulichen Entwurfs wurden gleich drei Planungsteams eingeladen, die von September 2018 bis Februar 2019 an ihren Ideen arbeiteten. Am Ende entschied das Obergutachtergremium für den Entwurf von „Teleinternetcafé und Treibhaus“. Nun erstellt der Bezirk Mitte einen Bebauungsplan für das über drei Hektar große Areal – das klingt nach einem echten Fortschritt!
Nachhaltige Stadtentwicklung
Im Kontext der derzeitigen Stadtentwicklung in Berlin ist das Haus der Statistik nicht nur ein Projekt unter vielen. Es steht symbolisch für den Trend, historische Bauten nicht einfach abzureißen, sondern sie zu revitalisieren. Der Umbau alter Fabriken, Verwaltungsbauten und Plattenbauten zeigt, dass aus Vergangenem Neues erwachsen kann. Das Haus der Statistik wird somit Teil einer Bewegung, die den Dialog zwischen Geschichte und Zukunft sucht und fördert.
In einer Stadt, die sich ständig wandelt, spiegelt das Haus der Statistik all die Facetten wider, die Berlin so besonders machen. Es ist ein Ort, an dem Vergangenheit und Zukunft aufeinandertreffen und an dem aus alten Mauern neue Träume entstehen können. Man darf gespannt sein, welche Geschichten hier bald erzählt werden – und welche Begegnungen das neue Zentrum ermöglichen wird.