Der 14. Mai ist ein ganz besonderer Tag für Berlin und die queere Community. Er ist nicht nur der Geburts- und Todestag von Magnus Hirschfeld, einem der bedeutendsten Pioniere der Sexualwissenschaft, sondern auch Anlass für eine Reihe von Veranstaltungen, die dazu beitragen, sein Erbe und seinen unermüdlichen Einsatz für die Rechte von Homosexuellen ins kollektive Bewusstsein zurückzuholen. Der Berliner Senat und Queerbeauftragter Alfonso Pantisano haben sich dafür stark gemacht, dass Hirschfelds Werk wieder mehr Beachtung findet. So wurde vor zwei Jahren der erste Gedenktag in Berlin ausgerufen – und das, obwohl Hirschfeld selbst schon 1935 von den Nationalsozialisten verfolgt wurde.
Hirschfeld, ein schwuler Arzt, Sozialist und Jude, war in den 1920er-Jahren einer der lautesten Stimmen für die Entkriminalisierung von Homosexualität. 1897 gründete er das Wissenschaftlich-humanitäre Komitee zur Abschaffung des berüchtigten Paragrafen 175, der homosexuelle Handlungen unter Strafe stellte. 1919 leitete er die Gründung des Instituts für Sexualwissenschaft, das als Anlaufstelle für queere Menschen diente und sogar eine der ersten geschlechtsangleichenden Operationen dokumentierte. Tragischerweise wurde dieses Institut von den Nazis in Schutt und Asche gelegt.
Ein vielfältiges Programm
Die Feierlichkeiten zum Magnus-Hirschfeld-Tag beginnen bereits am 13. Mai mit einem Gedenkmoment und einer Kranzniederlegung an der Magnus-Hirschfeld-Stele in Charlottenburg. Um 15:15 Uhr wird außerdem eine Flaggenhissung zum Internationalen Tag gegen Homo-, Bi-, Inter-, Trans- und Ace-Feindlichkeit (IDAHOBITA) stattfinden. Am 14. Mai selbst gibt es dann gleich mehrere spannende Veranstaltungen: Um 14:00 Uhr führt Rafael Nasemann einen Stadtspaziergang durch Charlottenburg, der interessante Einblicke in Hirschfelds Leben und Wirken bietet. Der Treffpunkt ist Ahornallee 51, und ich kann mir vorstellen, dass es eine großartige Gelegenheit ist, mehr über die Geschichte und die Herausforderungen der queeren Bewegung zu erfahren.
Ein weiterer Höhepunkt des Tages wird die Filmvorführung von „Anders als die Andern“ (1919) im Museum Charlottenburg-Wilmersdorf sein, in dem Hirschfeld selbst zu sehen ist. Wenn man bedenkt, wie bravurös er sich für die Rechte der Homosexuellen eingesetzt hat, ist es fast schon ein Muss, diesen Film zu sehen. Und wer noch nicht genug hat, kann später am Abend die Finissage der Ausstellung „(Re)Thinking Temptations“ von Genia Chef im Prima Center besuchen. Auch nach dem 14. Mai bleibt das Interesse an Hirschfelds Erbe lebendig: Am 15. Mai findet eine Fachtagung zu seinem Wirken in der Kleinen Freiheit statt, die verschiedene Perspektiven zusammenbringt.
Ein Blick in die Zukunft
Die Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft, die 1982 in Berlin gegründet wurde, hat sich ganz der Erforschung und Bewahrung seines Erbes verschrieben. Ihre Bibliotheks- und Arbeitsräume befinden sich in der Kluckstraße 38, und sie bieten regelmäßig aktuelle Informationen zu Veranstaltungen und Projekten. So wird vom 23. bis 30. Mai das Musical „Magnus Hirschfeld Superstar“ aufgeführt, ein kreatives Projekt, das sicher viele Menschen begeistern wird. Außerdem wird eine Audio-Tour zu Hirschfelds Leben auf der queeren Tourismusplattform Place2be.Berlin angeboten, die eine weitere Möglichkeit darstellt, sich mit seinem Erbe auseinanderzusetzen.
Einen weiteren spannenden Aspekt stellt die digitale Rechercheplattform „QueerSearch“ dar, die kürzlich online ging. Sie könnte dazu beitragen, das Wissen über queere Geschichte zu erweitern und die Verbindungen zwischen den verschiedenen Aspekten von Hirschfelds Leben und den Herausforderungen der queeren Community heute zu verstehen. Auch die neue Quellenedition „Beruf Sexarbeit“ über Stefan Hülsmann ist ein wertvoller Beitrag, um die Vielfalt der sexuellen Identitäten und deren gesellschaftliche Wahrnehmung zu dokumentieren.
Diese Veranstaltungen und Initiativen sind nicht nur eine Hommage an Hirschfeld, sondern auch ein lebendiges Zeichen für die fortdauernde Relevanz seines Schaffens. Ich hoffe, dass viele Berliner und Berlinerinnen sich an diesen Tagen dem Regenbogen anschließen und die Geschichte sowie die Zukunft der queeren Bewegung feiern.