Heute ist der 27. Mai 2026, und die Stadt Berlin ist gerade in Bewegung. Während hier in Charlottenburg-Wilmersdorf die Menschen ihrem Alltag nachgehen, läuft in Verden ein Prozess, der die Gemüter bewegt. Angeklagt ist Daniela Klette, eine 66-jährige Frau, die vor nicht allzu langer Zeit als ehemalige RAF-Terroristin Schlagzeilen machte. Doch jetzt steht sie wegen einer ganz anderen Sache vor Gericht.
Seit Ende März 2025 muss sich Klette für eine Serie von Raubüberfällen verantworten. Dabei sind acht Überfälle auf Geldtransporter und Supermärkte in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen im Fokus der Staatsanwaltschaft. Über 2,7 Millionen Euro haben sie und ihre Komplizen, Burkhard Garweg und Ernst-Volker Staub, erbeutet. Der Prozess ist nicht nur wegen der Höhe der Beute brisant, sondern auch wegen der Brutalität, mit der die Taten ausgeführt wurden. Klette selbst wird vor dem Landgericht Verden angeklagt, während von ihren Komplizen bislang keine konkreten Spuren gefunden wurden.
Die Überfälle im Detail
Die Liste der Überfälle ist erschreckend. Am 30. Juli 1999 kam es in Duisburg zu einem brutalen Überfall auf einen Geldtransporter. Maskierte Täter rammt den Transporter und bedrohen die Wachleute mit Waffen. Die Beute betrug eine Million Mark, was heute etwa 519.000 Euro entspricht. Zeugen haben kaum Erinnerungen an das Geschehen. Es ist ein klassisches Beispiel für die Schwierigkeit, solche Verbrechen im Nachhinein aufzuklären.
Ein weiteres Beispiel ist der Überfall in Leverkusen am 2. November 2004, bei dem zwei Männer eine Kassiererin im Tresorraum eines Großmarktes überfallen haben. Hier wurden etwa 160.000 Euro erbeutet. In Klette’s Wohnung fanden Ermittler Fragmente von Kennzeichen und Aufzeichnungen – ein Hinweis, der sie in erhebliche Schwierigkeiten bringen könnte. Die Verhandlung zu diesem Fall steht im November 2025 an, und schon jetzt lässt sich erahnen, dass die Zeugen wohl Schwierigkeiten haben werden, sich an die Details zu erinnern.
Ein gescheiterter Überfall und seine Folgen
Besonders aufschlussreich ist der gescheiterte Überfall in Wolfsburg am 28. Dezember 2015. Hier versuchten Klette und ihre Komplizen, einen Geldtransporter zu überfallen, und das mit einer recht ausgeklügelten Strategie: Sie umzingelten das Fahrzeug mit zwei Autos, um ein Entkommen zu verhindern. Staub, verkleidet mit einer Perücke und einem Bart, bedrohte den Geldboten mit einer Pistole, während Klette und Garweg maskiert mit einer Panzerfaust-Attrappe und einem Schnellfeuergewehr aufwarteten. Der Fahrer erkannte die bedrohliche Situation, setzte zurück und konnte fliehen – ein Glück für ihn, aber ein herber Rückschlag für die Täter, die lediglich eine Waffe erbeuteten und ohne Geld fliehen mussten.
Die Fahndung nach den Tätern, unterstützt durch Streifenwagen und Hubschrauber, blieb erfolglos. Doch DNA-Spuren, die später zu Klette, Staub und Garweg führten, brachten Licht ins Dunkel. Das Gericht hat sich entschieden, diese Taten bis Ende September zu verhandeln, und der Druck auf Klette wächst.
Ein Blick auf die Kriminalstatistik
Interessant ist der Kontext, in dem diese Überfälle stattfinden. Laut der Polizeilichen Kriminalstatistik 2025 gab es insgesamt 5.508.559 registrierte Fälle – ein Rückgang um 5,6 % im Vergleich zum Vorjahr. Während die Gewaltkriminalität, insbesondere Raubdelikte, abnimmt, zeigen sich andere Delikte, wie Sexualdelikte und Wohnungseinbruchdiebstahl, im Aufwind. Es ist eine komplexe Landschaft von Verbrechen, die sich ständig verändert.
Inmitten dieser Entwicklungen bleibt Klette ein rätselhafter, wenn nicht gar schockierender Teil der deutschen Kriminalgeschichte. Ihre Vergangenheit als RAF-Terroristin und die aktuellen Vorwürfe werfen viele Fragen auf. Die Menschen in Berlin und darüber hinaus beobachten gebannt, wie sich der Prozess entfaltet. Was wird die nächste Wendung bringen? Nur die Zeit wird es zeigen.
