Es gibt Momente, da wird einem schlagartig bewusst, wie sehr die Hochschullandschaft in Brandenburg – ja, auch in Berlin – in Bewegung ist. Und dann gibt es die ernüchternde Realität des Sanierungsbedarfs. An den Hochschulen des Landes, so berichtet das Berliner Abendblatt, klafft ein finanzielles Loch in Millionenhöhe, das dringend geschlossen werden muss. Besonders ins Auge sticht die Universität Potsdam, die mit einem dreistelligen Millionenbetrag rechnet, um ihre Gebäude auf Vordermann zu bringen, neue Bauprojekte zu starten und nachhaltige Klimaschutzmaßnahmen einzuleiten. Man fragt sich, wo all das Geld herkommen soll, wenn man bedenkt, dass der jährliche Bauunterhalt des Landes gerade mal bei rund 300.000 Euro liegt. Das reicht nicht einmal für die nötigsten Erhaltungsmaßnahmen!
Die Situation an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder) ist ebenfalls besorgniserregend. Hier schätzt man den nötigen Sanierungsbedarf auf rund 30 Millionen Euro. Diese Mittel sollen nicht nur für neue Rohre und Leitungen verwendet werden, sondern auch für das dringend benötigte Update der Gebäudeleittechnik. Ja, und auch die Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg (BTU) hat ihre eigenen Sorgen. Während sie dringend Geld für Brandschutz und technische Infrastruktur benötigt, bleibt die Gesamtkostenschätzung ungewiss. Die Ungewissheit schwebt wie ein Damoklesschwert über den Hochschulen. Und die Technische Universität Berlin? Die hat die Schließung ihres Hauptgebäudes aufgrund erheblicher baulicher Mängel hinnehmen müssen. Rund 350 Lehrveranstaltungen pro Woche sind betroffen, was bedeutet, dass sich Studierende und Dozenten neu orientieren und oft digital arbeiten müssen.
Ein Lichtblick in Potsdam
Trotz dieser Herausforderungen gibt es auch positive Nachrichten. Am 7. Juni 2023 wurde das Richtfest für einen neuen Gebäudekomplex an der Universität Potsdam gefeiert. Dies ist ein wichtiger Schritt, der zeigt, dass etwas vorangeht. Das Bauvorhaben, das seit 2015 geplant wird, soll bis 2025 abgeschlossen sein und umfasst zwei moderne Gebäude, die unter anderem die Universitätsverwaltung, ein Rechenzentrum und Einrichtungen für Informationsverarbeitung und Kommunikation beherbergen werden. Das klingt vielversprechend, oder? Diese neuen Strukturen sind nicht nur funktional, sie werden auch in einer UNESCO-Welterbestätte errichtet, was zusätzliche Anforderungen an die Umweltschonung und -verträglichkeit stellt. Ein echter Balanceakt zwischen Tradition und Moderne.
Und während sich die Uni Potsdam am Neuen Palais mit historischen Bauten aus dem 18. bis 20. Jahrhundert umgibt, wird auch hier ein Teil der alten Bausubstanz, die unter dem UNESCO-Monitoring steht, dringend saniert. Die Bausubstanz der Häuser 8 bis 12 und der Campus Golm benötigen Aufmerksamkeit, um den Anforderungen eines modernen Hochschulbetriebs gerecht zu werden. Das Ganze ist mehr als nur eine bauliche Herausforderung. Es geht um die Sicherheit und die Gewährleistung eines funktionierenden Hochschulbetriebs.
Ein flächendeckendes Problem
<pDoch der Sanierungsbedarf ist nicht nur ein lokales Problem. Auf der 66. Jahrestagung der Kanzlerinnen und Kanzler der Universitäten Deutschlands, die kürzlich in Weimar stattfand, wurde deutlich, dass der bundesweite Sanierungsbedarf im Hochschulbau auf mindestens 74 Milliarden Euro geschätzt wird. Professor Walter Rosenthal, Präsident der Hochschulrektorenkonferenz, warnte davor, dass dieser Sanierungsstau die Leistungsfähigkeit unseres Hochschulsystems gefährdet. Die Herausforderungen sind vielfältig: Inflation, Verzögerungen und weltweite Krisen sorgen dafür, dass die finanziellen Mittel immer knapper werden.
Vor zwölf Jahren wurde bereits auf der 55. Jahrestagung mit der „Düsseldorfer Erklärung“ ein Appell an die Politik gerichtet, um ein gemeinsames Finanzierungskonzept zu entwickeln. Doch bis heute bleibt dies ein unerfüllter Wunsch. Der Wissenschaftsrat hat in seinem aktuellen Positionspapier von 2022 die Problematik des Hochschulbaus klar benannt. Die Politik muss endlich die strategische Bedeutung dieser Infrastruktur erkennen, denn sie sichert nicht nur die Innovationsfähigkeit unserer Gesellschaft, sondern auch die wirtschaftliche Entwicklung.
In der Zwischenzeit bleibt abzuwarten, wie die Universitäten mit ihren Herausforderungen umgehen werden. Es bleibt zu hoffen, dass die erforderlichen Investitionen bald getätigt werden. Ein Hochschulbau ist schließlich keine einmalige Aufgabe, sondern eine Verantwortung, die auch in Zukunft bestehen bleibt.
