Die Rettungsaktion für den gestrandeten Buckelwal vor der Ostsee-Insel Poel steht unter einem enormen Druck. Helfer und Tierärzte kämpfen um das Wohl des Wals, der seit nunmehr 23 Tagen an der Küste verweilt. Die Behörden haben jedoch das neu entwickelte Rettungskonzept nicht genehmigt, was die Situation kompliziert macht. Laut dem Sprecher von Umweltminister Till Backhaus (SPD) müssen noch offene Fragen geklärt werden, bevor das Rettungsteam fortfahren kann.
Bagger-Unternehmer Fred Babbel plant, heute eine über 100 Meter lange Rinne zum tiefen Fahrwasser fertigzustellen. Die Befreiung des Wals soll am Sonntag oder Montag erfolgen. Ein Lastkahn, der 50 mal 30 Meter groß und mit Wasser gefüllt sein wird, steht bereit, um den Wal in einer Art Riesen-Aquarium zu transportieren. Leider wird der Transportkahn verspätet eintreffen, was die ohnehin angespannten Umstände weiter verschärft.
Komplexe Rettungsoperation
Die Tierärztin Kirsten Tönnies hat die Situation als äußerst herausfordernd beschrieben. Der Wal, der geschätzte 12 Tonnen wiegt und 12,35 Meter lang ist, zeigt sich in einem kritischen Gesundheitszustand. Trotz seiner aktiven Reaktionen auf Futter ist er letztlich ein kranker Patient, der Atemfrequenzen zwischen 1,5 und 5 Minuten zeigt und mehrere Verletzungen aufweist, darunter Schäden durch Schiffsschrauben. Die Verwendung von Gurten zur Bewegung des Wals wurde von den Behörden abgelehnt, und die ursprünglich geplanten Luftkissen zur Rettung des Wals sind nicht mehr im Einsatz.
Um die Gefahr zu minimieren, dass der Wal weiter ins Flachwasser schwimmt, wurden Sandsäcke (Big Bags) als Barriere im Wasser platziert. Für Sonntagmittag wird zudem ein steigender Wasserstand in der Bucht vorhergesagt, was die Rettungsbemühungen begünstigen könnte. Die Situation könnte sich ähnlich entwickeln wie am Montag, als der Wal nach drei Wochen Liegezeit selbst losschwamm.
Die Herausforderungen der Rettungsteams
Das privat finanzierte Team setzt die Rettungsmaßnahmen fort und hat mit dem neuen Konzept bereits erste Schritte unternommen. Die Tierärztin Ina Rheker, die neu im Team ist, betont, dass es keine Blaupause für solche Einsätze gibt. Auch der Gesundheitszustand des Wals bleibt besorgniserregend, da der Wal zahlreiche Verletzungen aufweist und die internationalen Walfang-Kommission ähnliche kritische Stimmen zur Lage des Wals geäußert hat. Der NABU fordert zudem strengere Schutzgebiete und zeigt sich skeptisch gegenüber den Rettungsversuchen.
Die Wetterbedingungen haben sich in den letzten Tagen zwar verbessert, der Wasserstand bleibt jedoch ein zentrales Problem. Cheftaucher und Tierärztinnen sind vor Ort, um den Wal zu beobachten und zu behandeln, während Netzreste in seinem Maul festgestellt wurden, die nicht aus Mecklenburg-Vorpommern stammen. Am Freitag wurden zudem zwei Lkw-Ladungen in den Hafen von Kirchdorf auf Poel geliefert, die für die Rettungsaktionen benötigt werden.
Die Rettungsaktion für den Buckelwal steht exemplarisch für die Herausforderungen, die sich bei der Rettung von Meerestieren ergeben. Es bleibt abzuwarten, ob die geplanten Maßnahmen fruchten werden und der Wal wieder in die Freiheit entlassen werden kann.