Heute ist der 24.04.2026, und in Berlin, genauer gesagt in Charlottenburg-Wilmersdorf, wird eine alarmierende Form der Gewalt ins Licht gerückt: die digitale Gewalt. Diese nimmt viele Gesichter an – sei es durch Stalking mittels Bluetooth-Trackern, durch die perfide Verbreitung intimer Aufnahmen oder durch die Erstellung von Deepfakes. Besonders betroffen sind Frauen, die häufig Opfer dieser modernen Bedrohungen werden.
Um dem entgegenzuwirken, hat der Berliner Senat ein wegweisendes Projekt gegen digitale geschlechtsspezifische Gewalt ins Leben gerufen. Die Sozialsenatorin Cansel Kiziltepe (SPD) betont, dass digitale Gewalt kein Randphänomen ist; sie wirkt entwürdigend und ist in unserer zunehmend vernetzten Welt ein ernstes Problem. Ein Beispiel, das die Tragweite dieser Thematik verdeutlicht, ist der aktuelle Fall der Moderatorin Collien Fernandes, die ihrem Ex-Mann Christian Ulmen vorwirft, Fake-Profile erstellt und pornografische Inhalte verbreitet zu haben. Ulmens Anwalt plant in Reaktion auf die Vorwürfe rechtliche Schritte.
Ein neues Schutzkonzept für Betroffene
Das Ziel des Projekts ist es, Fachkräfte in Frauenhäusern und Beratungsstellen technisch zu unterstützen, um den Betroffenen schneller und effektiver helfen zu können. Die Anlaufstellen berichten bereits von einem Anstieg an Fällen digitaler Gewalt, wobei es den Fachkräften oft an technischem Wissen und Zeit mangelt. Ein einheitliches Schutz- und Handlungskonzept existiert bislang nicht, was die Situation zusätzlich erschwert.
Geführt wird das Projekt von der Initiative „Ein Team gegen digitale Gewalt“. Im Rahmen dessen sollen Fachkräfte in Tagesschulungen über digitale Gewalt aufgeklärt und in ihrem Umgang mit diesen Thematiken unterstützt werden. Darüber hinaus wird auch eine telefonische Beratung für Fachkräfte angeboten, um konkrete Einzelfälle zu besprechen. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Unterstützung beim Aufbau von Sicherheitskonzepten für die Einrichtungen selbst. Denn digitale Gewalt gefährdet nicht nur Frauen und Kinder, sondern auch die Schutzeinrichtungen, die Adressen von Frauenhäusern können durch Spionage-Apps und versteckte Tracker ausgespäht werden. Ein besonders erschreckendes Beispiel sind Tracker, die in Stofftieren gefunden wurden, was die Schwierigkeiten verdeutlicht, Adressen geheim zu halten.
Ein langfristiges Engagement
Die technische Entwicklung erschwert zudem die Dokumentation von Beweisen und die Identifizierung von Tätern. Das Projekt verfolgt einen Ansatz der Selbstermächtigung. Betroffene sollen lernen, ihre Kommunikation zu kontrollieren und sich aktiv gegen digitale Übergriffe zu wehren. Die Finanzierung des Projekts ist bis Ende 2027 befristet, wobei der Senat im ersten Jahr rund 383.000 Euro aus Landesmitteln investiert, darunter auch 4,7 Stellen. Kiziltepe erwartet eine Ausweitung des Projekts ab 2028, was Hoffnung auf eine nachhaltige Verbesserung des Schutzes für Frauen in Berlin gibt.
Die Herausforderungen sind groß, doch mit diesem neuen Ansatz wird ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung unternommen. Es bleibt zu hoffen, dass durch die Initiative „Ein Team gegen digitale Gewalt“ nicht nur das Bewusstsein für diese Problemstellungen geschärft wird, sondern auch konkrete Veränderungen in der Unterstützung von Betroffenen zu verzeichnen sind. Denn digitale Gewalt gehört nicht in die digitale Steinzeit, sondern muss aktiv bekämpft werden.