Das Berliner Modehaus Mientus hat die traurige Entscheidung getroffen, nach fast 90 Jahren seinen Betrieb langsam einzustellen. Ja, richtig gehört! Es ist ein Abschied, der viele Berlinerinnen und Berliner berührt. Das Familienunternehmen, das über drei Generationen hinweg stilvolle Herrenmode und persönliche Beratung bot, wird bis Ende Juni 2027 seine letzten Türen schließen. Am Donnerstag verkündeten die Verantwortlichen diese Neuigkeit über Instagram und lösten damit eine Welle der Trauer aus – nicht nur bei den treuen Kunden, sondern auch bei Modebegeisterten, die die Tradition des alten West-Berlins mit Mientus verbanden.

Die Schließung betrifft alle drei Standorte: am Kurfürstendamm 52, in der Schlüterstraße und der Wilmersdorfer Straße 73. In den letzten Wochen wurden bereits die Mitarbeiter informiert, während die Eigentümerfamilie die wirtschaftlichen Herausforderungen und die veränderten Bedingungen für unabhängige Modehändler als Gründe für diesen Schritt anführt. Ein Blick auf die Kommentare unter dem Instagram-Beitrag zeigt, wie viele Menschen mit Erinnerungen an Mientus verbunden sind – von regelmäßigen Einkäufen der Mütter bis hin zu nostalgischen Momenten, die dort erlebt wurden. Viele Nutzer bedauern den Verlust und danken dem Unternehmen für die langjährige Arbeit.

Ein Stück Berliner Modegeschichte geht verloren

Die Geschichte von Mientus begann 1937 in Oppeln, als Michael Mientus ein Geschäft für Herrenbekleidung eröffnete. Nach dem Krieg fand die Familie 1949 in Berlin eine neue Heimat und eröffnete in der Schlüterstraße. Das Sortiment reichte von internationalen Designermarken bis hin zu weniger bekannten Namen, und seit 1968 war Mientus die erste Adresse bei Hugo Boss. Wer hätte gedacht, dass ein solches Erbe nun zu Ende geht?

Die Räumungsverkäufe beginnen bald. Am 4. November 2026 startet der Sale am Kurfürstendamm, der bis zum 30. Januar 2027 dauern soll. Die Schlüterstraße folgt mit Verkäufen ab November, während die Wilmersdorfer Straße bis zur Herbst- und Wintersaison 2026/27 regulär geöffnet bleiben wird. Ab März 2027 steht dann auch dort der Räumungsverkauf an. Ein bittersüßer Moment für alle, die Mientus als Teil ihrer Einkaufsgewohnheiten betrachtet haben.

Die Herausforderungen des Einzelhandels

Doch Mientus ist nicht das einzige Unternehmen, das mit den Herausforderungen des Einzelhandels kämpft. Viele Einzelhändler in Berlin sind von den steigenden Gewerbemieten und den hohen Energiekosten betroffen. In den 1A-Lagen kosten Ladenflächen bis zu 300 Euro pro Quadratmeter. Das ist kein Pappenstiel! Und die höheren Personalkosten, die durch den Anstieg des Mindestlohns entstehen, setzen kleinen Geschäften zusätzlich zu.

Die Konsumzurückhaltung ist ebenfalls spürbar. Viele Berlinerinnen und Berliner schränken ihre Ausgaben ein, besonders für Mode, Sport- und Freizeitartikel. Es ist ein Teufelskreis – die Menschen kaufen weniger, und die Geschäfte müssen schließen. Der Online-Handel bietet zwar eine Alternative, doch die persönliche Beratung und die Atmosphäre eines Ladens kann kein Online-Shop ersetzen. Die Frage bleibt: Wie geht es weiter für die kleinen, unabhängigen Händler in der Stadt?

Die Politik könnte an einigen Stellschrauben drehen, um den lokalen Einzelhandel zu unterstützen. Mehr Sonntagsöffnungen könnten den Geschäften helfen, gerade in einer Stadt, die sich gerne als lebendig und vielfältig präsentiert. Doch bis dahin bleibt die Zukunft des Einzelhandels in Berlin ungewiss. Die Schließung von Mientus ist ein weiteres Kapitel in der Geschichte einer Stadt, die sich ständig wandelt. Ein wenig Wehmut bleibt – beim Gedanken an die vielen Erinnerungen, die mit diesem besonderen Modehaus verbunden sind.