Berlin Conference 2026: Kunst und Kultur als Schlüssel zur europäischen Zugehörigkeit
Am 6. November 2026 fand im Allianz Forum am Brandenburger Tor die Berlin Conference unter dem inspirierenden Titel „Europe: The Art of Belonging“ statt. Inmitten der pulsierenden Metropole Berlin versammelten sich Vertreter aus Kunst, Kultur, Politik und Zivilgesellschaft, um über die Frage nachzudenken, wie ein gemeinsames europäisches „Wir“ entstehen kann. Es war eine Konferenz, die über 20 Jahre Tradition hat und diesmal besonders auf die Themen Polarisierung, gesellschaftliche Entfremdung und die wachsende Unsicherheit in der Demokratie abzielte.
Die Organisatoren – Stiftung Zukunft Berlin, die Initiative „A Soul for Europe“, die European Festivals Association und die Evangelische Akademie zu Berlin – hatten ein spannendes Programm auf die Beine gestellt. Die Teilnehmenden konnten sich auf Workshops, Gespräche und sogar künstlerische Interventionen freuen. In einer Zeit, in der viele Menschen sich politisch, sozial oder emotional nicht mehr vertreten fühlen, war es eine Gelegenheit, über die Rolle von Kunst und Kultur im Zusammenhalt unserer Gesellschaft zu reflektieren.
Ein Ort der Begegnung
Die Konferenz stellte nicht nur die großen Fragen, sondern auch die kleinen, die direkt das Leben der Menschen betreffen: Wer fühlt sich gehört? Wie kann ein Gefühl der Zugehörigkeit wachsen? Diese Fragen wurden lebhaft diskutiert, und es wurde deutlich, dass zivilgesellschaftliche Initiativen in unseren Städten und Kommunen entscheidend sind. Begegnungen, Debatten und gemeinsame Projekte können Orte der Zugehörigkeit schaffen, das war der Tenor der Veranstaltung.
Ein besonderes Augenmerk lag auch auf dem europaweiten Freiwilligendienst, dem „Collectif pour un Service Civique Européen“. Dieser Dienst richtet sich an junge Menschen zwischen 18 und 30 Jahren und sieht einen Einsatz von zunächst sechs Monaten im eigenen Land vor, gefolgt von sechs bis zwölf Monaten in einem anderen EU-Staat. Das Ziel? Soziale, ökologische und kulturelle Projekte zu unterstützen und damit das europäische Zusammengehörigkeitsgefühl zu stärken.
Kultur als tragende Säule
Ein Highlight der Konferenz war der Beitrag des französischen Künstlers und Filmemachers Romain Cayla. Als künstlerischer Leiter der Organisation „Européens Sans Frontières“ brachte er mit seinem Projekt „Caricartoons“ frischen Wind in die Diskussion. Zunächst transformierte er politische Karikaturen in kurze Animationsfilme, die komplexe Themen wie Migration, Klimawandel und Pressefreiheit auf einfache Weise für junge Menschen verständlich machen. Er zeigte eindrucksvoll, wie Kunst nicht nur zur Reflexion anregen, sondern auch zur aktiven Auseinandersetzung mit wichtigen gesellschaftlichen Themen einladen kann.
Die Bedeutung der Kultur wurde auch von Sabrina Repp, Mitglied des Europäischen Parlaments, betont. Sie sprach von den europäischen Werten Freiheit, Frieden und Demokratie, die momentan unter Druck stehen. Ihre Überzeugung? Europa wird nicht allein in Brüssel gestaltet, sondern durch die Menschen, die vor Ort zusammenkommen und über ihre gemeinsame Zukunft sprechen.
Finanzielle Herausforderungen und europäische Initiativen
Heike Raab, Vorsitzende des Europäischen Ausschusses der Regionen, hob ebenfalls die Rolle der Kommunen hervor und machte auf die finanziellen Herausforderungen aufmerksam, mit denen europäische Städte konfrontiert sind. Der mehrjährige Finanzrahmen der EU und andere Budgetmittel für Kohäsion sind entscheidend, wenn es darum geht, das kulturelle Leben in unseren Städten zu fördern.
Die EU selbst hat erkannt, wie wichtig die Kultur für die Gesellschaft und die Wirtschaft ist. Mit dem Programm „Kreatives Europa“ stehen von 2021 bis 2027 insgesamt 2,44 Milliarden Euro zur Verfügung. Diese Mittel sollen sicherstellen, dass Kultur nicht nur ein schöner Luxus, sondern ein zentraler Bestandteil des Lebens in Europa bleibt. Initiativen wie „Culture Moves Europe“ unterstützen über 7.000 Kunst- und Kulturschaffende und fördern den Austausch und die Mobilität innerhalb des Sektors.
Die Berlin Conference war somit nicht nur ein Ort des Austauschs, sondern auch ein Anstoß, um die Bedeutung von Kultur in der europäischen Identität neu zu denken. Denn letztlich ist es die Kunst, die uns verbindet und ein Gefühl der Zugehörigkeit schafft – und das ist in diesen Zeiten wichtiger denn je.
