Zukunft der Ostbahn: Ein Lichtblick oder nur Schatten?
Heute ist der 5.07.2026 und die Zukunft der Ostbahn zwischen Berlin und Polen zeigt sich in einem Licht, das mehr Schatten als Sonne wirft. Das Bundesverkehrsministerium hat aktuell keine positiven Nachrichten für all jene, die auf einen zügigen Ausbau der Bahnstrecke hoffen. Die Perspektiven sind eher trüb. Ein Ausbau wird als nicht notwendig erachtet, da der Bedarf für internationale Fern- und Güterverkehre über die bestehenden Verbindungen hinaus nicht erkennbar ist. Auf deutscher Seite ist die Strecke (RB 26) nicht elektrifiziert und an vielen Stellen nur eingleisig, was die Situation nicht gerade verbessert.
Doch die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Immerhin gilt die Strecke Berlin-Küstrin-Kietz im Bundesverkehrswegeplan als „potenzieller Bedarf“. Vor zwei Jahren wurde eine neue Brücke über die Oder in Betrieb genommen, was als kleiner Lichtblick gewertet werden kann. Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) drängt auf einen schnellen Ausbau und kritisiert die Bundesregierung für die unzureichenden Verbindungen nach Osteuropa. Woidke macht deutlich, dass die aktuelle Situation nicht nur für Brandenburg, sondern für ganz Deutschland nachteilig ist.
Ein Schritt in die richtige Richtung?
Im Entwurf des Infrastruktur-Zukunftsgesetzes wird die Ostbahn als Schienenweg mit erstinstanzlicher Zuständigkeit des Bundesverwaltungsgerichts vorgesehen. Das könnte, um es salopp zu sagen, die Sache erleichtern. Klagen könnten direkt zum Bundesverwaltungsgericht gehen und so die Prozesse beschleunigen. Die Interessengemeinschaft Ostbahn, bestehend aus Kommunen und Industrie- und Handelskammern, sieht diese Entwicklung positiv. Brandenburgs Verkehrsminister Robert Crumbach (SPD) erachtet die Gesetzesänderung als ersten wichtigen Schritt in Richtung Ausbau.
Das Ziel? Eine durchgehend zweigleisige, elektrifizierte Strecke mit einer Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h. Crumbach fordert, dass die Ostbahn schnell in den vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplans aufgenommen wird. Der SPD-Bundestagsabgeordnete Stefan Zierke hat sogar ein Konzept des Verkehrsverbunds Berlin-Brandenburg (VBB) für einen schrittweisen Ausbau erwähnt. Ein Milliardenpaket des Bundes könnte die Rahmenbedingungen schaffen, die für den Ausbau dringend nötig sind.
Gemeinsames Engagement für die Ostbahn
Ein weiterer Lichtblick ist das gemeinsame Engagement von Berlin, Brandenburg, der Woiwodschaft Lubuskie und dem Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB). Diese vier Partner haben ein Positionspapier zum Ausbau der Strecke Berlin – Kostrzyn – Gorzów Wielkopolski – Krzyż unterzeichnet, was den dringenden Ausbau als notwendig erachtet. Der aktuelle Zustand der nicht elektrifizierten und teilweise eingleisigen Strecke wird als unzureichend angesehen. Auch hier wird ein Zielzustand gefordert: durchgehend zweigleisig, elektrifiziert und für 160 km/h sowie 740 Meter lange Güterzüge ausgelegt.
Ein Blick auf die Industrieansiedlungen in Grünheide und das Wachstum grenzüberschreitender Verkehre nach Polen zeigt, dass die Kapazitätsgrenzen der Strecke Berlin – Frankfurt (Oder) – Rzepin – Poznań bereits erreicht sind. Der Ausbau über Kostrzyn wird als praktikable Alternative für den Güterverkehr angesehen, die Umwege vermeidet. Die Region könnte von einem schnelleren und stabileren Regionalverkehrsangebot profitieren.
Das Positionspapier ist in deutscher und polnischer Sprache auf vbb.de verfügbar und unterstreicht die Dringlichkeit der Forderungen. Die Ausbaukosten auf deutscher Seite werden auf mindestens 1,3 Milliarden Euro geschätzt, ein Betrag, den die Länder nicht allein stemmen können. Bundesmittel sind also unerlässlich.
Ein kleiner Hoffnungsschimmer ist der geplante Ausbau der Zugverbindungen: Ab Dezember 2024 sollen zwei Züge pro Stunde zwischen Berlin und Müncheberg (Mark) verkehren, und neue batterieelektrische Fahrzeuge (BEMU) vom Typ Siemens Mireo werden für die Taktverdichtung eingesetzt. Diese Maßnahmen zielen darauf ab, das Angebot auszubauen und zu stabilisieren. Die Züge zwischen Berlin und Kostrzyn sollen zudem durchgehend in Doppeltraktion fahren.
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