Am kommenden Samstag wird die Berliner St.-Hedwigs-Kathedrale zum Schauplatz eines besonderen Ereignisses. Vier Männer, die ihren Weg zum Priestertum eingeschlagen haben, werden von Erzbischof Heiner Koch zu Priestern geweiht. Eine Zeremonie, die nicht nur für die Beteiligten, sondern für die gesamte Gemeinde von großer Bedeutung ist. Interessanterweise wird die Veranstaltung live übertragen, sodass auch diejenigen, die nicht persönlich anwesend sein können, Zeugen dieses bedeutsamen Moments werden können.

Ein Blick auf die vier Priesteramtskandidaten zeigt, wie unterschiedlich ihre Wurzeln sind und welche Wege sie beschritten haben. Da ist zum Beispiel Dennis Castillo Jiménez, 31 Jahre alt und gebürtig aus Santo Domingo. Er wuchs mit drei Geschwistern auf und trat 2007 in die neokatechumenale Gemeinschaft ein, eine Entscheidung, die sein Leben grundlegend veränderte. Nach dem Eintritt ins Berliner Priesterseminar Redemptoris Mater im Jahr 2013 wird er ab September 2024 in der Pfarrei Sankt Bernhard in Stralsund-Rügen-Demmin tätig sein.

Die Vielfalt der Wege zum Glauben

Marco Marini, der 39-jährige Italiener aus Pistoia, hat mit seinen sechs Geschwistern eine lebendige Kindheit erlebt. Nach seinem Abitur und einem Magisterstudium der Italianistik trat er 2014 ins Priesterseminar ein. Ab September 2024 wird er in der Pfarrei Sankt Jakobus im Berliner Umland Ost tätig sein. Sein Weg ist ein Beispiel dafür, wie Bildung und persönliches Engagement in der katholischen Kirche Hand in Hand gehen können.

Theodor Meyer, 30 Jahre alt und in Potsdam aufgewachsen, hat sich stark in der Kinder- und Jugendarbeit engagiert. Sein Jahr als Missionar in Ghana nach dem Abitur hat ihn geprägt und seine Sicht auf den Glauben vertieft. Er studierte zunächst Urbanistik und wechselte dann zur Katholischen Theologie, um 2024 in Erfurt abzuschließen. Ab September 2024 wird er in der Pfarrei Sankt Josef in Berlin Treptow-Köpenick wirken, wo er seine Erfahrungen weitergeben kann.

Und dann ist da noch Senad Mrkaljevic, 41 Jahre alt, der als Flüchtling aus Bosnien vor dem Bürgerkrieg in Berlin aufgewachsen ist. Seine muslimisch geprägte Kindheit hat ihn nicht davon abgehalten, sich für den christlichen Glauben zu interessieren. Nach seinem Theologiestudium im Studienhaus Sankt Lambert in Lantershofen ist er seit 2023 in der Pfarrei Heilige Edith Stein in Berlin Neukölln tätig. Seine Geschichte ist ein eindrucksvolles Zeugnis für die Kraft des Glaubens und der Gemeinschaft.

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Der Neokatechumenale Weg

Was diese vier Männer verbindet, ist ihre Zugehörigkeit zum Neokatechumenalen Weg (NKW). Diese Bewegung innerhalb der römisch-katholischen Kirche, die 1964 gegründet wurde, bietet eine Art Katechumenat für Erwachsene, die ihren Glauben vertiefen möchten. Die Mitglieder, auch Neos oder Kikos genannt, streben nach einer persönlichen Glaubenserfahrung und leben in kleinen Gemeinschaften, die sich durch Demut und Einfachheit auszeichnen. Diese Gemeinschaften sind nicht nur Orte des Glaubens, sondern auch Rückzugsorte, an denen Menschen lernen, innerlich zu wachsen.

Der NKW verfolgt einen strukturierten Ansatz, der in verschiedene Etappen unterteilt ist. Die erste Etappe, die mit der Einführung ins Gebet beginnt, führt die Teilnehmer in die Welt des liturgischen und persönlichen Gebets ein. Sie lernen, sich von Ablenkungen zu befreien, um sich auf das Wesentliche zu konzentrieren: die Liebe zu Gott und den Nächsten. Diese Reise zur inneren Einfachheit wird von einer tiefen spirituellen Auseinandersetzung mit dem Wort Gottes begleitet, wobei die Psalmen eine zentrale Rolle spielen.

Im Verlauf der Etappen wird das Apostolische Glaubensbekenntnis immer wieder zum Thema, und die Neokatechumenen werden ermutigt, das Evangelium in ihren Gemeinschaften zu verkünden. Der gesamte Prozess ist geprägt von einer tiefen Gemeinschaftserfahrung, die den Glauben lebendig hält und stärkt.

Die Weihe der vier Männer ist somit nicht nur ein persönlicher Schritt in ihrem Leben, sondern auch ein Zeichen für die Vielfalt und die Möglichkeiten, die der Neokatechumenale Weg bietet. Ein Weg, der zwar herausfordernd ist, aber auch voller Hoffnung und gemeinschaftlicher Unterstützung.