Heute ist der 24.04.2026. In Treptow-Köpenick sorgt die Weigerung der Berliner Sparkasse, dem Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (BdA) Treptow ein Konto zu eröffnen, für große Aufregung. Der Verein musste sich bereits im März mit der Kündigung seines Kontos bei der Postbank auseinandersetzen und ist nun ohne eigene Kontoverbindung. Ellen Händler, die Bezirksvorsitzende des BdA Treptow, äußerte sich besorgt über die erheblichen Einschränkungen, die diese Situation für die Vereinsarbeit mit sich bringt.
Die Sparkasse ließ in einem Schreiben keine Gründe für die Entscheidung verlauten, was sowohl Mitglieder des Vereins als auch politische Unterstützer in Erstaunen versetzt. Moritz Warnke, der Vorsitzende der Linken in Treptow-Köpenick, bezeichnete die Ablehnung als einen Angriff auf die Erinnerungskultur, während Bürgermeister Oliver Igel (SPD) die Verweigerung als „sehr unerfreulich“ einstufte und plant, sich direkt an die Sparkasse zu wenden.
Die Bedeutung des Vereins
Der BdA Treptow hat in der Vergangenheit eine zentrale Rolle in der Koordinierung von Stolpersteinen gespielt, die an die Opfer des Nationalsozialismus erinnern. Ein Konto ist für den Verein unerlässlich, um Spenden anzunehmen und die Miete für das Büro im Rathaus Treptow-Köpenick zu begleichen. Diese Situation könnte zudem die für den 8. Mai geplante Erinnerungsveranstaltung am Sowjetischen Ehrenmal Treptow, ein Musikfestival, gefährden.
In einer Pressemitteilung, die am 20. April 2026 veröffentlicht wurde, gab der Berliner VVN-BdA e.V. bekannt, dass die Ablehnung des neuen Kontos fünf Wochen nach der Beantragung ohne spezifische Begründung erfolgt ist. Ellen Händler plant, Einspruch beim Vorstand der Berliner Sparkasse einzulegen und juristische Schritte zu prüfen, sollte sich die Situation nicht ändern. Viele betagte Mitglieder des Vereins sind über die Ablehnung entsetzt und äußern ihre Besorgnis um die Zukunft der Vereinsarbeit, die seit Jahrzehnten in der antifaschistischen Erinnerungspolitik und Demokratiebildung aktiv ist.
Politischer Kontext und Unterstützung
Die Debatte um die Kontoeröffnung wird in den Kontext von „Debanking“-Fällen gegen fortschrittliche Vereine gestellt. Ähnliche Probleme hatten in der Vergangenheit auch andere Verbände der VVN-BdA in Berlin, die Konten gekündigt bekamen. Ellen Händler verweist auf einen ähnlichen Fall der Roten Hilfe, die erfolgreich gegen eine Kontokündigung durch die Sparkasse vor Gericht zog. Die Sparkasse hatte in diesem Fall argumentiert, dass ein erhöhtes Prüfaufkommen und Sorgen um den Reputationsverlust der Bank die Entscheidung beeinflussten.
Gregor Gysi, der Linke-Bundestagsabgeordnete, dessen Eltern von einer Vorgängerorganisation des BdA Treptow betreut wurden, wird sich ebenfalls für den Verein einsetzen. Er und andere Unterstützer fordern die Berliner Sparkasse auf, ihre Entscheidung zu überdenken und sich nicht gegen antifaschistisches Engagement zu stellen. Sollte keine Einigung erzielt werden, prüft der BdA Treptow die Möglichkeit einer Klage gegen die Sparkasse, um seine Rechte zu wahren und die wertvolle Arbeit des Vereins fortzusetzen.