Heute ist der 25.04.2026. Am vergangenen Freitag versammelten sich rund 70 Antifaschist*innen auf dem Alexanderplatz in Berlin, um ihrer Stimme Gehör zu verschaffen. Aufgerufen hatte der Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (BdA) aus Treptow, und der Anlass war mehr als nur ein einfacher Protest: Die Berliner Sparkasse hatte sich geweigert, dem antifaschistischen Verein ein Konto einzurichten.
Diese Weigerung war nicht nur ein administratives Problem, sondern stellte eine ernsthafte Hürde für die wichtige Arbeit des BdA Treptow dar. Der Verein ist seit Jahrzehnten aktiv in der antifaschistischen Erinnerungspolitik und der Demokratiebildung und engagiert sich in der Erinnerungs- und Bildungsarbeit zu Verfolgung, Holocaust, Widerstand, Rassismus und Antisemitismus. Ellen Händler, die Vorsitzende des BdA Treptow, äußerte, dass die fehlende Kontoeröffnung die Organisation daran hinderte, Stolpersteine zu verlegen und Spenden anzunehmen.
Ein langer Weg zur Kontoeröffnung
Der BdA Treptow hatte am 17. März einen Bescheid von der Sparkasse erhalten, in dem die Kontoeröffnung ohne Angabe von Gründen verweigert wurde. Daraufhin legte der Verein Widerspruch ein, erhielt jedoch zunächst keine Reaktion. In einem weiteren Schritt wandten sich Bürgermeister Oliver Igel (SPD) und Dr. Gregor Gysi (Linke) an den Vorstand der Berliner Sparkasse, was schließlich zur Einlenkung und der Zusage zur Kontoeröffnung führte. Diese Entwicklung wurde bei der Versammlung auf dem Alexanderplatz mit Erleichterung aufgenommen.
Dennoch bleibt die Situation angespannt. Am Freitag, fünf Wochen nach der Beantragung eines neuen Kontos, erhielt der BdA Treptow erneut eine Ablehnung von der Berliner Sparkasse, die erneut ohne spezifische Begründung auskam. Dies könnte die Vereinsarbeit erheblich behindern, insbesondere wenn man bedenkt, dass die Sparkasse in der Vergangenheit umstrittene Entscheidungen getroffen hatte. Der Vorstand plant, Einspruch beim Vorstand der Berliner Sparkasse einzulegen und juristische Schritte zu prüfen.
Debanking und die Zukunft des Vereins
Diese Vorfälle stehen im Kontext eines zunehmenden Phänomens, das als „Debanking“ bezeichnet wird, bei dem fortschrittliche und antifaschistische Vereine in Deutschland von Banken ausgeschlossen werden. Der BdA Treptow hatte zuvor ein Geschäftskonto bei der Postbank, das am 19. Januar ohne Angabe von Gründen gekündigt wurde. Auch andere Verbände der VVN-BdA in Berlin haben in den letzten Monaten ähnliche Erfahrungen gemacht. Viele Mitglieder des BdA Treptow, insbesondere die betagteren unter ihnen, sind über die Ablehnung entsetzt und bedrückt.
Die Berliner Sparkasse steht nun unter Druck, ihre Entscheidung zu überdenken und sich nicht gegen antifaschistisches Engagement zu stellen. Bürgermeister Oliver Igel bezeichnete die Verweigerung als „sehr unerfreulich“ und kündigte an, sich erneut an die Sparkasse zu wenden. Der BdA Treptow ist auf die Unterstützung der Politik angewiesen, um seine wichtige Arbeit fortsetzen zu können. Die Kontoeröffnung ist nicht nur eine finanzielle Notwendigkeit, sondern auch ein Zeichen für die Akzeptanz und Unterstützung des antifaschistischen Engagements in der Gesellschaft.