Görli 24/7 setzt Senat und Deutsche Bahn unter Druck: Brücke zwischen Kreuzberg und Treptow muss bis Sonntag geöffnet werden
In Berlin-Treptow-Köpenick brodelt es mal wieder. Aktivist:innen der Initiative „Görli 24/7“ haben ein Ultimatum an den Berliner Senat und die Deutsche Bahn gestellt. Die marode Fuß- und Radfahrbrücke, die über den Landwehrkanal zum Görlitzer Park führt, soll bis Sonntag um 24 Uhr wieder geöffnet werden. Andernfalls drohen die Anwohner:innen, selbst Hand anzulegen und die Brücke eigenständig zu öffnen. Ein mutiger Schritt, der zeigt, wie wichtig dieser Zugang für die Menschen in den angrenzenden Kiezen ist.
Seit der Sperrung der Görlitzer Brücke im Juli ist die Situation angespannt. Diese Brücke, die Alt-Treptow mit Kreuzberg verbindet, ist mehr als nur ein Weg über einen Kanal; sie ist eine Lebensader für Fußgänger und Radfahrer. Die Deutsche Bahn hat zwar Korrosionsschäden und eine mangelnde Verkehrssicherheit als Gründe für die Sperrung angegeben, doch „Görli 24/7“ sieht das anders. Sie bestreiten vehement eine Einsturzgefahr und verweisen darauf, dass die Wege unter dem über 100 Jahre alten Bauwerk weiterhin zugänglich sind.
Ein Netz aus Brücken in Gefahr
Die Problematik zieht sich wie ein roter Faden durch die Nachbarschaft. Insgesamt wurden seit Juli vier Brücken zwischen Alt-Treptow und Kreuzberg gesperrt – ein echtes Desaster für die Anwohner. Diese Brücken gehörten zur ehemaligen Görlitzer Bahn, deren Zugverkehr 1987 endete. Der Bezirk Treptow-Köpenick ist seit mehr als 30 Jahren alleiniger Nutzer der Brücken, nachdem die Deutsche Bahn den Mietvertrag zum 30. Juni 2026 kündigte. Ein unbefriedigendes Hin und Her, das die Menschen vor Ort in den Wahnsinn treibt. Die Bahn selbst hat keine konkreten Pläne oder Termine für die Wiedereröffnung genannt und bewacht nur die gesperrten Anlagen, ohne die Kosten für die Instandhaltung zu offenbaren.
Die Initiative „ZusammenBrücken“ fordert mittlerweile eine schnelle Klärung über die Wiedereröffnung der Brücken. Es ist einfach nicht hinnehmbar, dass eine so wichtige Verbindung zwischen Kreuzberg und Treptow auf unbestimmte Zeit gesperrt bleibt. Zählungen der Initiative ergaben, dass auf der Görli-Brücke Ende Mai zwischen 472 und 591 Personen pro Stunde unterwegs waren – und das ist nur die Spitze des Eisbergs. Jogger, Spaziergänger, Radfahrer und Hundebesitzer sind auf diese Verbindungen angewiesen, und die Stadtverwaltung scheint die Dringlichkeit nicht zu erkennen.
Der Masterplan für Berlins Brücken
Ein Lichtblick könnte der Masterplan Brücken 2025–2040 sein, der Berlins Brückeninfrastruktur zukunftsfähig machen soll. Der Plan umfasst zehn Handlungsfelder mit insgesamt 54 Maßnahmenvorschlägen. Ziel ist es, bürokratische Hemmnisse abzubauen und die Planung sowie Genehmigung von Bauvorhaben zu beschleunigen. Dieser Masterplan könnte die Brückeninfrastruktur nachhaltig stärken und zur Sicherung der Mobilität sowie der Lebensqualität in der Stadt beitragen.
Doch bis es so weit ist, könnten noch Jahre ins Land gehen. Eine Schadensanalyse der gesperrten Brücken steht noch aus, und die nächste Begutachtung der Bausubstanz ist für Ende des Jahres vorgesehen. Bis dahin bleibt die Frage, wie die Anwohner:innen die Situation erleben werden. Ein Ausblick auf die Entwicklung gibt es nicht, und der Bezirk fordert bereits Gespräche auf höchster Senatorenebene, um die Verbindung zu erhalten. Ein Appell, der in Zeiten von immer knapper werdenden Ressourcen und steigenden Anforderungen an die städtische Infrastruktur nicht ignoriert werden sollte.
In der Zwischenzeit bleibt den Menschen in Treptow und Kreuzberg nur, sich Gehör zu verschaffen und für ihre Rechte zu kämpfen. Es bleibt abzuwarten, ob der Senat und die Deutsche Bahn auf die Forderungen der Aktivist:innen reagieren – oder ob die Anwohner:innen tatsächlich selbst Hand anlegen müssen, um ihre Brücke zurückzubekommen.
