Heute ist der 7. Mai 2026 und in Berlin stehen die Gedenkveranstaltungen zum Ende des Zweiten Weltkriegs vor der Tür. Die Atmosphäre ist angespannt, nicht zuletzt wegen der strengen Regeln, die die Berliner Polizei für die Feierlichkeiten an den Tagen des 8. und 9. Mai erlassen hat. Diese Regelungen betreffen vor allem die sowjetischen Ehrenmale in Treptow-Köpenick, Mitte und Pankow, wo das Zeigen russischer Flaggen und militärischer Symbole strikt verboten ist. Das Verbot gilt vom 8. Mai, 6 Uhr bis zum 9. Mai, 22 Uhr. So will man ein würdevolles Gedenken sicherstellen und einen friedlichen Verlauf der Veranstaltungen garantieren.
Besonders umstritten ist die Entscheidung, auch die Flaggen der ehemaligen Sowjetunion, Belarus und Tschetschenien zu verbannen. Man könnte meinen, in einem Land, das die Lektionen der Geschichte auf eine so spezielle Weise betrachtet, wäre ein differenzierterer Umgang mit Symbolen möglich. Aber die aktuelle Lage im Ukrainekrieg hat zu einem Klima der Unsicherheit geführt, das auch die Gedenkfeiern beeinflusst. Neben den Flaggen sind auch das Tragen militärischer Uniformen und das Abspielen russischer Militärlieder untersagt – ein Zeichen, das für viele als notwendig erachtet wird, um die ehrende Stimmung nicht zu trüben.
Demonstrationen und Gedenkveranstaltungen
Am 8. Mai um 12 Uhr findet eine Gedenkveranstaltung in der Puschkinallee am Treptower Park statt, bei der mit rund 500 Teilnehmern gerechnet wird. Einen Tag später, am 9. Mai, ist eine Demonstration zum Gedenken an gefallene sowjetische Soldaten geplant, die vom Brandenburger Tor zum Ehrenmal im Tiergarten führt – hier sind sogar 1000 Menschen angemeldet. Die Polizei wird die Veranstaltungen begleiten und hat angekündigt, dass sie bei Bedarf auch größere Absperrungen einrichten wird. Das klingt alles sehr nach einem klassischen Berliner Mai, aber in diesem Jahr schwebt ein Schatten über den Feierlichkeiten.
Einige Antifaschisten planen ebenfalls Kundgebungen, und es bleibt abzuwarten, ob Mitglieder des prorussischen Motorradclubs „Nachtwölfe“ erscheinen. Bisher gibt es keine Anzeichen dafür, aber die Polizei ist auf alles vorbereitet. Auf der einen Seite gibt es den Wunsch nach einem respektvollen Gedenken, auf der anderen Seite die Sorgen, dass die Situation eskalieren könnte, wie man es aus den letzten Jahren kennt.
Die Regeln im Detail
Die Verbotszonen erstrecken sich über die Monumente, und diese Regelungen betreffen nicht nur Fahnen, sondern auch Bilder von Staatsoberhäuptern der betroffenen Länder. Das Berliner Verwaltungsgericht hatte im Vorjahr einen Eilantrag gegen das Verbot von Sowjetflaggen abgelehnt, mit der Begründung, dass solche Flaggen Gewaltbereitschaft vermitteln könnten. Das ist natürlich ein heißes Eisen, und viele sind gespannt, ob es in diesem Jahr erneut juristische Auseinandersetzungen geben wird.
Was die ukrainischen Fahnen angeht – die dürfen gezeigt werden, was als kleiner Lichtblick in der angespannten Situation gilt. Viele haben sich über die Entscheidung gefreut, da sie zeigt, dass auch im Angesicht von Konflikten Platz für Solidarität ist. So viele Emotionen, so viele unterschiedliche Perspektiven, und doch alle vereint im Gedenken an die Befreiung vom Nationalsozialismus.
Ein erinnerungswürdiger Tag
Der 8. Mai ist nicht nur ein Datum, an dem man der Vergangenheit gedenkt, es ist auch ein Feiertag in Berlin. Eine Gedenkstunde des Berliner Senats und des Abgeordnetenhauses wird am 3. Mai im Roten Rathaus stattfinden, und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier wird an einem Gottesdienst in der Gedächtniskirche teilnehmen. Auch wenn dies alles im Zeichen des Gedenkens geschieht, bleibt das Gefühl, dass die Schatten der aktuellen geopolitischen Lage die historische Erinnerung belasten. Man wünscht sich, dass die Feierlichkeiten mehr miteinander verbinden als spalten.
Der 9. Mai wird schließlich auch Russlands Botschafter Sergej Netschajew sehen, der voraussichtlich Kränze im Treptower Park niederlegen wird. Es bleibt spannend, wie sich die Lage entwickeln wird und welche Geschichten und Emotionen die Tage des Gedenkens mit sich bringen. Eines ist sicher: Berlin wird auch in diesem Jahr ein Ort des Erinnerns sein, wo die Vergangenheit und die Gegenwart aufeinanderprallen.