In einem bedeutsamen Schritt zur Aufarbeitung kolonialer Vergangenheit plant die Stiftung Preußischer Kulturbesitz in Berlin die Rückgabe von fast 600 Schädeln, die aus Westafrika stammen. Diese Initiative folgt einer umfangreichen Provenienzforschung, die über mehrere Jahre hinweg die Herkunft der menschlichen Überreste untersucht hat. Stiftungspräsidentin Marion Ackermann hebt hervor, dass die Rückgabe der Gebeine an ihre Ursprungsländer eine wichtige Verpflichtung darstellt. Von den 574 untersuchten Schädeln entfallen 336 auf das heutige Kamerun, 151 auf Togo, 23 auf Ghana und 1 auf Nigeria. Bei 63 Schädeln konnte keine genauere Zuordnung vorgenommen werden. Ein wesentlicher Teil dieser Schädel stammt von Arbeitern, die beim deutschen Eisenbahnbau in Kamerun umgekommen sind. Daneben gibt es auch Schädel, die von beraubten Nekropolen oder Schlachtfeldern stammen; nur in sehr wenigen Fällen kam es zu Hinrichtungen durch Deutsche.

Kulturstaatsminister Wolfram Weimer bezeichnet die Provenienzforschung und die Rückführung menschlicher Überreste als zentrale Anliegen zur Aufarbeitung des Kolonialismus. Das Projekt zur Erforschung der Schädel wird als Leuchtturmprojekt angesehen und umfasst intensive Archivarbeit, Feldforschung sowie anthropologische Analysen. Die Ergebnisse wurden bereits den Herkunftsländern kommuniziert. Zudem haben deutsche Vertreter betroffene Gemeinden besucht, um die Ergebnisse zu teilen und mögliche Repatriierungen zu besprechen. Für die Menschen vor Ort hat die Rückkehr ihrer Ahnen eine existenzielle Bedeutung.

Das Leuchtturmprojekt der Stiftung Preußischer Kulturbesitz

Die menschlichen Überreste gehören zu einer umfangreichen Sammlung von rund 7.700 Schädeln, die 2011 von der Berliner Universitätsklinik Charité übernommen wurde. Diese Sammlung umfasst unter anderem Schädel aus der „S-Sammlung“ von Felix von Luschan und aus weiteren kleineren Sammlungen. Ein neues Buch, das die Geschichte anthropologischer Forschungen sowie den kolonialen Kontext behandelt, zeigt auch Erinnerungen von togoischen und kamerunischen Ältesten an die deutsche Kolonialherrschaft. Die Publikation, die in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern aus Togo und Kamerun entstanden ist, stellt einen weiteren Schritt in der Auseinandersetzung mit der kolonialen Vergangenheit dar.

In den letzten Jahren hat die Stiftung bereits menschliche Überreste in die USA, nach Australien und Neuseeland zurückgegeben. Eine Rückgabe von Gebeinen aus Deutsch-Ostafrika steht jedoch noch aus, da hier die Einfuhrgenehmigung der dortigen Regierung fehlt. Ein Angebot zur Rückgabe an Ghana wurde für Herbst 2025 gemacht. Diese Rückgaben sind nicht nur eine Geste des Respekts, sondern auch ein wichtiger Teil der Aufarbeitung der kolonialen Vergangenheit und der damit verbundenen Traumata.

Ein gemeinsames Ziel: Verantwortungsvolle Rückführung

Die Forschungsergebnisse und die Offenheit zur Repatriierung sind Ausdruck einer tiefgehenden Verpflichtung, die Vergangenheit zu konfrontieren. Die Rückgabe der Schädel ist nicht nur ein wissenschaftlicher Akt, sondern auch ein Schritt in Richtung Versöhnung und Gerechtigkeit für die betroffenen Kulturen. Die Kombination aus Wissenschaft, Kultur und menschlicher Würde steht im Zentrum dieses Projektes, das weit über die Grenzen Berlins hinaus Bedeutung hat und ein Zeichen für den respektvollen Umgang mit dem Erbe der Kolonialzeit setzt.

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