Kultur als Herzschlag Berlins: Ein Aufruf zur Verteidigung unserer kreativen Identität
Heute ist der 11.06.2026 und während in Tempelhof-Schöneberg das alltägliche Leben pulsierend weitergeht, schwebt über Berlin ein Gefühl der Besorgnis und der Hoffnung. Bei der Auftaktveranstaltung der Aktionswoche der Initiative „Berlin ist Kultur“ hat Oliver Reese, der Intendant des Berliner Ensembles, klare Worte gefunden. Mit einer Mischung aus Leidenschaft und kritischer Reflexion hat er die besorgniserregenden Kulturkürzungen thematisiert, die die Stadt zu betreffen drohen. Es ist nicht nur eine Frage des Geldes, sondern auch des kulturellen Erbes, das in Gefahr ist. Reese erzählte von einem ganz persönlichen Erweckungserlebnis, das ihn mit 14 Jahren im Theater Paderborn ergriff – ein Moment, der sein Leben geprägt hat und den er als essentiell für die künstlerische Identität Berlins ansieht.
Sein Appell ist eindringlich: „Kultur ist die DNA Berlins. Wer Kultur sichert, sichert die Zukunft der Stadt.“ Diese Botschaft, die im Raum schwebte, wurde von den Anwesenden, darunter auch die Politiker Katharina Marg (Linke) und Ronja Losert sowie Bertram von Boxberg (Grüne), mit Nachdruck unterstützt. Allerdings war die politische Repräsentation an diesem Abend eher mager, was Fragen aufwirft. Das Ziel der Aktionswoche? Eine aktive Einmischung in den Berliner Wahlkampf, um die Bedeutung der Kultur ins Rampenlicht zu rücken. Die Veröffentlichung der Berliner Erklärung, die von über 600 Kulturschaffenden unterzeichnet wurde, ist ein weiterer Schritt in diese Richtung. Darin werden Forderungen laut, die nicht nur einen Anteil von mindestens 3% des Landeshaushalts für Kultur betreffen, sondern auch die Schaffung verlässlicher Förderstrukturen und die Einführung eines Kulturfördergesetzes.
Ein Aufruf zur Sichtbarkeit
Um die Sichtbarkeit der Kultur im Wahlkampf zu stärken, wird eine Plakatkampagne mit dem Titel „#deinestimmefuerkultur“ ins Leben gerufen. Man kann sich die Plakate schon jetzt in jedem Kulturort Berlins vorstellen – eine Art ständiger Erinnerung an die Relevanz der Kultur in unserer Gesellschaft. Initiativen und Verbände arbeiten zudem an Wahlprüfsteinen für Politikerinnen und Politiker, um konkrete Maßnahmen einzufordern. Ein Beispiel dafür ist die Stabilisierung und der Ausbau der Programme der Kulturellen Bildung, die besonders für die jüngere Generation von großer Bedeutung sind.
Ein bewegender Moment an diesem Abend war die Ansprache von Athena Lange, die mit 20 Jahren erblindete und nun eine Ausstellung vorbereitet. Sie betont die Wichtigkeit des kulturellen Raums für Gehörlose, ein Thema, das viel zu oft in den Hintergrund gedrängt wird. Gabi van Droste, die Leiterin des FELD Theaters, zog einen Vergleich, der tief berührt: das Schicksal ihres Theaters sei wie das von Ikarus – hoch fliegend, aber immer in Gefahr, abzustürzen. Tom Streidel, Tischler am Maxim Gorki Theater, äußerte sich ebenfalls kritisch zur geplanten Mietzahlung an die Stiftung Oper ab 2027. Seine Sorgen um die Zukunft des Gorki Theaters sind spürbar – es geht schließlich um mehr als nur um Zahlen; es geht um die kulturelle Vielfalt, die Berlin ausmacht.
Ein starkes Netzwerk für die Kultur
Die Initiative hat sich fest vorgenommen, die Stimme der Kulturschaffenden in den Vordergrund zu rücken. „Berlin ist Kultur“ ist nicht nur ein Slogan, sondern ein ernst gemeintes Versprechen, das die Vielfalt und Kreativität der Stadt bewahren möchte. Die zweite Aktionswoche ist bereits für September geplant, und man darf gespannt sein, wie sich die Diskussionen über die Bedeutung von Kultur im politischen Kontext weiterentwickeln werden.
Wenn wir an die Worte von Oliver Reese denken, wird klar: Es ist Zeit, die kulturelle Identität Berlins aktiv zu verteidigen und zu fördern. Kultur ist kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit – für die Stadt und ihre Menschen. Die kommenden Monate könnten entscheidend sein für die Zukunft der kreativen Szenen in unserer Hauptstadt.
