Samstagabend, die Luft war kühl, und der Schimmer der untergehenden Sonne ließ die Gleditschstraße in Berlin-Schöneberg in einem warmen Licht erstrahlen. Ein 60-Jähriger saß mit einem Bekannten gemütlich auf einer Parkbank, vielleicht mit einem Bier in der Hand und einem Lächeln im Gesicht, als ein Unbekannter auf sie zukam. Was als harmloses Gespräch begann, nahm jedoch eine dramatische Wendung.

Der Unbekannte bot dem Mann ein Bier an und stellte die Frage, die alles veränderte: „Bist du Jude?“ Als der 60-Jährige dies bejahte, eskalierte die Situation in Sekundenschnelle. Antisemitische Äußerungen wurden laut, und der Unbekannte bespritzte ihn mit Bier, bevor er eine volle Dose in seine Richtung warf – zum Glück verfehlte sie ihr Ziel. Doch das war erst der Anfang. Der 60-Jährige wollte einfach nur gehen, aber der Angreifer ließ nicht locker. Ein Faustschlag brachte ihn zu Boden, und die Schläge häuften sich.

Ein Zeuge greift ein

Ein passierender Zeuge, der das Geschehen beobachtete, erkannte die Dringlichkeit der Lage und alarmierte sofort die Polizei. Der Angreifer, überrascht von der plötzlichen Aufmerksamkeit, ließ von dem am Boden liegenden Mann ab und flüchtete in Richtung Hohenstaufenstraße. Der 60-Jährige blieb verletzt zurück, mit mehreren Hämatomen im Gesicht und einer schmerzhaften Platzwunde. Seine Brille und sein Mantel hatten ebenfalls gelitten, aber zunächst weigerte er sich, ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Man fragt sich, wie viele Gedanken ihm in diesem Moment durch den Kopf schossen.

Die Ermittlungen wurden umgehend vom Polizeilichen Staatsschutz des Landeskriminalamts aufgenommen. Es wird wegen gefährlicher Körperverletzung mit antisemitischem Hintergrund ermittelt. Solche Taten werfen einen Schatten auf unsere Gesellschaft und machen betroffen. Antisemitismus – ein Thema, das uns alle angeht.

Die Zahlen sprechen Bände

Die Statistik ist alarmierend. Im ersten Halbjahr 2025 wurden in Deutschland bereits 1.259 antisemitische Straftaten registriert, darunter 24 Gewalttaten. Ein Anstieg der Zahlen ist unverkennbar. Im Jahr 2025 insgesamt 6.548 antisemitische Straftaten erfasst wurden, 5 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Verteilung zeigt, dass fast die Hälfte dieser Taten politisch rechts motiviert war. Die schockierenden Ereignisse im Zusammenhang mit dem Hamas-Angriff auf Israel und der darauf folgenden Gegenoffensive haben die Situation weiter verschärft. Bis Ende 2025 wurden insgesamt 7.768 antisemitische Straftaten erfasst.

Darunter fallen nicht nur körperliche Übergriffe, sondern auch zahlreiche andere Delikte, die von Volksverhetzung bis hin zu Sachbeschädigungen reichen. Die Zählungen zeigen, dass etwa 86 Prozent der antisemitischen Straftaten einer ausländischen oder religiösen Ideologie zugeordnet werden. Ein beunruhigendes Bild, das zeigt, wie tief die Wurzeln des Antisemitismus in unserer Gesellschaft verankert sind.

Die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (RIAS) zählt ebenfalls, und ihre Zahlen sind erschreckend: 2025 wurden 8.725 antisemitische Vorfälle registriert, fast so viele wie im Jahr zuvor. Diese Vorfälle umfassen Gewalt, Sachbeschädigungen, Bedrohungen und diskriminierendes Verhalten sowohl im Internet als auch im analogen Raum. Ein verstörendes Zeugnis dafür, dass Antisemitismus leider immer noch ein Bestandteil unseres Alltags ist.

Die Geschehnisse in Schöneberg sind nicht isoliert. Sie spiegeln wider, was viele Menschen in Berlin und darüber hinaus erleben müssen. Ein Aufruf zur Wachsamkeit und zur Solidarität ist dringend notwendig. Nur gemeinsam können wir dem Antisemitismus, der so viele Gesichter hat, entgegentreten und eine Gesellschaft schaffen, in der jeder in Frieden leben kann.