Im Jahr 2024 erlebte Deutschland die höchste Anzahl an registrierten Syphilis-Fällen seit Beginn der Erhebung im Jahr 2001. Besonders auffällig ist jedoch die Situation in Berlin, wo die Fallzahlen kontinuierlich ansteigen. Darüber hinaus ist Berlin das einzige Bundesland, wo das Infektionsgeschehen sich verlangsamt hat, was möglicherweise auf die hohe Testfrequenz zurückzuführen ist, wie Tagesspiegel berichtet.

Das Robert-Koch-Institut (RKI) stellt fest, dass man in Berlin im Jahr 2022 insgesamt 1.523 Syphilis-Fälle registrierte, was eine alarmierende Inzidenz von 41,3 Fällen pro 100.000 Einwohner bedeutet. Diese Zahl ist nicht nur die höchste in Deutschland, sondern auch übertrifft die bundesweite Inzidenz von 10 Fällen pro 100.000 Einwohner erheblich. Die Zahlen sind seit 2010 kontinuierlich angestiegen, wobei insbesondere Männer, die gleichgeschlechtlichen Sex haben, häufig betroffen sind. Ihre Inzidenz liegt bei 18,9 Fällen pro 100.000 Einwohner, während Frauen lediglich mit 1,1 Fällen pro 100.000 Einwohner zu Buche schlagen, wie die Berliner Zeitung anmerkt.

Rückkehr der Syphilis

Die Ursachen für den Anstieg der Syphilis-Fälle sind vielfältig. Der Rückgang der Inzidenz während der Corona-Pandemie wurde ab Sommer 2022 durch einen signifikanten Anstieg ersetzt, der mit einem möglichen häufigeren Verzicht auf Kondome beim Sex in Verbindung gebracht wird. Insbesondere in Berlins Nachtleben, wo sich viele Gelegenheiten für sexuelle Kontakte zwischen Männern bieten, kann dies zur Verbreitung des Virus beitragen. Die Stadt ist bekannt für ihre Partyszene mit Darkrooms und Swingerclubs,die als Risikofaktoren gewertet werden.

Regionale Unterschiede in Berlin

Die Syphilis-Verbreitung ist in den Berliner Innenstadtbezirken besonders ausgeprägt. Bezirke wie Friedrichshain-Kreuzberg und Charlottenburg-Wilmersdorf verzeichneten Inzidenzen von über 90. Neukölln meldete einen Anstieg von 46 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, obwohl die Inzidenz hier unter 60 Fällen pro 100.000 Einwohner blieb. Auch die Bezirke Lichtenberg, Pankow und Tempelhof-Schöneberg liegen über dem Bundesdurchschnitt und tragen zur steigenden Gesamtzahl an Syphilis-Fällen in der Hauptstadt bei, berichtet t-online.

Die hohe Ansteckungshäufigkeit in Berlin verdeutlicht die Notwendigkeit von präventiven Maßnahmen zur Bekämpfung von Syphilis und anderen sexuell übertragbaren Infektionen. Experten warnen davor, dass die Problematik nicht ignoriert werden kann, und es gilt, die Öffentlichkeit durch Aufklärung und regelmäßige Testuntersuchungen zu sensibilisieren.