Heute ist der 12.05.2026 und wir werfen einen Blick auf ein Thema, das uns alle berührt, auch wenn es oft im Schatten bleibt: die Anfeindungen gegen queere Menschen in Berlin. Laut dem aktuellen Jahresbericht von Maneo, der Beratungsstelle für Opfer queerfeindlicher Gewalt, wurden im Jahr 2025 insgesamt 723 Beleidigungen und Übergriffe registriert. Das sind zwar etwas weniger als die 738 Vorfälle im Jahr davor, aber die Zahlen sind immer noch alarmierend. Diese Vorfälle fanden in den unterschiedlichsten Bereichen statt – im Internet, auf der Straße, in Wohnungen, am Arbeitsplatz und sogar in Schulen und Familien. Die Dunkelziffer ist hoch, Maneo schätzt, dass 80 bis 90 Prozent der Fälle nicht gemeldet werden. Das lässt einen schon nachdenklich zurück.

Die Anfeindungen richten sich nicht nur gegen Einzelpersonen, sondern auch gegen queere Initiativen und Vereine. Bei Straßenfesten und Veranstaltungen sind die Angriffe häufig. Ein Beispiel, das besonders ins Auge sticht: Zwei Frauen, die sich in einem Bus küssten, wurden in Steglitz beleidigt und geschubst. Oder die Geschichte eines schwulen Paares, das in einem Uber beleidigt und letztendlich aus dem Fahrzeug geworfen wurde. Solche Vorfälle sind nicht nur schockierend, sie zeigen auch, wie stark die Sichtbarkeit von queeren Menschen im öffentlichen Raum oft als Provokation wahrgenommen wird.

Die Zahlen und ihre Bedeutung

Die Beratungsstelle Maneo hat im vergangenen Jahr mit 1927 Beratungsgesprächen einen neuen Höchststand erreicht. Das zeigt, wie wichtig die Unterstützung für Betroffene ist. Die häufigsten Vorfälle waren Nötigungen und Bedrohungen (39 %), gefolgt von Beleidigungen (31 %) und Körperverletzungen (31 %). Besonders bemerkenswert ist, dass 165 der registrierten Vorfälle in öffentlichen Verkehrsmitteln oder auf Straßen stattfanden. Die Haupttatorte sind Schöneberg, Neukölln, Kreuzberg, Friedrichshain und Tiergarten. In Schöneberg allein wurden 50 Fälle erfasst. Man kann sich gut vorstellen, dass diese Zahlen nur die Spitze des Eisbergs sind.

Die Übergriffe sind oft brutal. So wurden mehrere schwule Männer im Volkspark Friedrichshain verfolgt, bedroht und attackiert. Auch in Unterkünften für Geflüchtete ist die Gewalt omnipräsent. Ein 17-jähriger schwuler Flüchtling wurde in Marzahn beschimpft und angegriffen. Diese Vorfälle machen deutlich, dass queerfeindliche Gewalt kein Einzelfall ist, sondern ein gesamtgesellschaftliches Problem darstellt. Maneo selbst war nicht verschont geblieben und sah sich mehrfach Attacken ausgesetzt – darunter Vandalismus und sogar ein Brandanschlag.

Die Reaktion und der Ausblick

Maneo, das seit 36 Jahren als Fachstelle für queerfeindliche Gewalt aktiv ist, fordert mehr Personal, um dem hohen Beratungsbedarf gerecht zu werden und besser mit der Polizei zusammenzuarbeiten. Es ist offensichtlich, dass die Gesellschaft mehr tun muss, um queere Menschen zu schützen und zu unterstützen. Der Maneo-Report wird jährlich veröffentlicht und fällt stets auf den Internationalen Tag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transphobie am 17. Mai – eine traurige, aber wichtige Erinnerung daran, dass wir noch einen langen Weg vor uns haben.

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Diese Berichte sind mehr als nur Zahlen. Sie sind die Geschichten von Menschen, die unter dem Druck einer intoleranten Gesellschaft leiden. Jeder Vorfall schmerzt und jeder nicht gemeldete Übergriff ist ein weiteres Zeichen dafür, dass wir als Gesellschaft noch nicht dort sind, wo wir sein sollten. Die Hoffnung bleibt, dass durch mehr Sichtbarkeit und Unterstützung die Anfeindungen abnehmen und ein respektvolles Miteinander gefördert wird.