In Steglitz-Zehlendorf hat sich die Situation für Geflüchtete in den letzten Jahren merklich verändert. Ein Blick auf die Zahlen zeigt: Die Zahl der Sprach- und Integrationskurse an der Victor-Gollancz-Volkshochschule ist gesunken. Ein Umstand, der mit einer Neuregelung der Bundesregierung in Verbindung steht und bei vielen die Befürchtungen über sinkende Integrationschancen bestätigt. Vor allem die Geschichten von Menschen wie Sofia und ihrer Tochter Amelia verdeutlichen, wie wichtig diese Kurse sind. Sie sind vor dem Krieg in der Ukraine geflohen und nutzen die Angebote, um sich in Deutschland ein neues Leben aufzubauen. Während Sofia anfangs mit einer Übersetzungs-App kommunizieren musste, hat sie inzwischen fließend Deutsch gelernt und lebt seit 2024 in ihrer eigenen Wohnung.

Die Integrationskurse sind nicht nur Sprachkurse; sie dienen auch der Orientierung im deutschen Alltag – von Normen und Werten bis hin zu alltäglichen Herausforderungen. In diesem Jahr werden an der VHS lediglich 122 Kurse angeboten, der niedrigste Stand seit 2018, mit einem dramatischen Rückgang der Teilnehmerzahlen: Von 1.770 im Frühjahr 2025 auf 1.161 im Frühjahr 2026. Insbesondere bei beitragsfreien Teilnehmern ist ein merklicher Rückgang zu beobachten, was die Frage aufwirft, wie viele Menschen die Hilfe, die sie so dringend brauchen, nun tatsächlich erhalten können.

Die Sorgen der Experten

Birgit Vasiliades, grüne Bezirksverordnete, brachte in einer Sitzung der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) die Sorgen um die Integrationschancen auf den Tisch. „Die Sparmaßnahmen der Bundesregierung, besonders der Wegfall des Bürgergeldes für Geflüchtete und die Kürzungen bei den Integrationskursen, sind absolut bedenklich“, äußerte sie. Winfried Kluth, Vorsitzender des Sachverständigenrats für Integration und Migration, ist ebenfalls besorgt und sieht die Menschen ohne eigene Finanzierung beim Spracherwerb benachteiligt. Katarina Niewiedzial, Beauftragte des Berliner Senats, bezeichnet die Entscheidung sogar als „absurd“. Diese Maßnahmen könnten langfristige gesellschaftliche Konsequenzen haben, fürchten viele.

Ein weiterer Punkt ist der Zulassungsstopp für freiwillige Teilnehmer an Integrationskursen, der im Februar vom Bundesamt angekündigt wurde. Während die Bundesregierung einen Kompromiss in Form einer teilweisen Aufhebung dieses Stopps für Ukrainer und EU-Bürger beschlossen hat, bleiben Asylsuchende und Geduldete ohne dauerhaftes Bleiberecht weiterhin ausgeschlossen. Das ist ein klarer Widerspruch – denn wie sollen diese Menschen integrieren, wenn ihnen die notwendigen Mittel und Kurse verwehrt bleiben? Ab November 2026 sind zwar Erstorientierungskurse für diese Gruppen geplant, aber die Kritik an der Ungleichheit zwischen verschiedenen Gruppen von Geflüchteten bleibt laut.

Die Rolle der Volkshochschule

Die Victor-Gollancz-Volkshochschule hat im Integrationsbereich ein engagiertes Team, bestehend aus 20 Honorarkräften, drei Sachbearbeitern und einer Programmbereichsleitung. Doch die Unsicherheit über die Auswirkungen der neuen Vereinbarung der Bundesregierung auf das Kursangebot macht es schwierig, klare Perspektiven aufzuzeigen. Der Trend von 2026 könnte zu einem weiteren Rückgang des Angebots an Integrationskursen führen, was für viele ein Rückschritt in ihrer Integration bedeutet.

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Insgesamt sind Integrationskurse von zentraler Bedeutung für die sprachliche, gesellschaftliche und berufliche Integration von Zuwanderern. Sie bieten einen Rahmen, um nicht nur die Sprache zu lernen, sondern auch um sich in einem neuen Land zurechtzufinden. Die kontinuierliche Weiterentwicklung der Rahmenbedingungen und Kurskonzepte ist daher unerlässlich. Der Bedarf an solchen Kursen wird nicht abnehmen, vielmehr wird er in den kommenden Jahren steigen. Die Frage bleibt: Wie wird die Politik auf die Bedürfnisse der Menschen reagieren, die an diesen Kursen teilnehmen möchten? Der Dialog zwischen Eingewanderten und der Aufnahmegesellschaft ist unerlässlich – und es bleibt zu hoffen, dass die notwendigen Mittel dafür bereitgestellt werden.

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