In der hektischen Welt von heute ist es manchmal schwer, einen Moment der Ruhe zu finden. Doch für viele Frauen ist das Angeln genau diese Oase der Stille. Mirjam Renk aus Birkenwerder kann das nur bestätigen. Zusammen mit ihrem Mann Marcel hat sie das Angeln vor einigen Jahren wiederentdeckt. „Es ist wie eine kleine Auszeit vom Alltag“, schwärmt sie. Die Natur, das Plätschern des Wassers und die Konzentration auf den nächsten Biss – all das bringt eine Gelassenheit, die im stressigen Pflegealltag ihres schwerbehinderten Sohnes oft fehlt.

Der Trend zeigt, dass immer mehr Frauen diese Auszeit für sich entdecken. Der Anteil weiblicher Angler hat sich seit 2015 stetig erhöht. Damals waren von 80.000 Mitgliedern im Landesanglerverband Brandenburg nur etwa 6.000 Frauen. Diese Zahl wird bis 2025 auf rund 9.800 von 98.000 Mitgliedern ansteigen. Eva Eckinger, Buchautorin und leidenschaftliche Anglerin, bemerkt diesen Anstieg ebenfalls. „Frauen sind jetzt sichtbarer und aktiver in Angelvereinen“, sagt sie. Soziale Medien und Influencerinnen wie Barbara Kijewski, die über 70.000 Follower auf Instagram hat, tragen dazu bei, dass dieses Klischee vom einsamen männlichen Angler bricht.

Gemeinsam angeln und austauschen

Mirjam hat ihren Angelschein gemacht, um mehr Gewässer und Raubfische angeln zu können. Ihre Leidenschaft gilt dem Barsch, den sie – ganz nachhaltig – zurück ins Wasser setzt, wenn er kleiner ist. „Für mich geht es nicht um den Wettkampf“, erklärt sie, „sondern um das Erlebnis und die Natur.“ In der Facebook-Gruppe „Frauen mit Biss gehen angeln“, die bundesweit 1.200 Anglerinnen vernetzt, findet sie Gleichgesinnte. Die Gruppe wurde gegründet, um Frauen eine entspannendere Angelerfahrung zu bieten und den Austausch zu fördern. „Es ist einfach schön, sich mit anderen Frauen auszutauschen“, fügt sie hinzu.

Und während Mirjam ihre Angeltouren genießt, gibt es auch größere Herausforderungen in der Welt der Angler. Ein Fischsterben im Sommer 2022 hat langfristige Folgen für den Fischbestand in der Oder. Der Landesanglerverband Brandenburg e.V. hat das Projekt „OderAngeln“ ins Leben gerufen, um die Bestandsentwicklung nach diesem Vorfall zu bewerten. Am 14. und 15. Oktober 2023 sind Angler eingeladen, an der gesamten Stromoder aktiv zu werden und ihre Erfahrungen für die Wissenschaft einzubringen. Wer keinen Angelschein hat, kann eine vergünstigte Tageskarte für einen Euro erwerben.

Ein Aufbruch in eine neue Ära

Es ist erstaunlich zu sehen, wie sich das Bild des Anglers verändert. Immer mehr Frauen, oft zwischen Ende 20 und Anfang 30, nehmen an Vorbereitungskursen zur Fischereiprüfung teil. Das Interesse am Angeln bleibt ungebrochen, selbst nach dem Corona-Boom. 2024 legten fast 61.000 Menschen die Fischereiprüfung ab, und die Zahl der gültigen Fischereischeine lag bei rund 1,8 Millionen. „Wir haben eine neue Generation von Anglerinnen, die sich vernetzen und austauschen wollen“, merkt Kijewski an. Auf Messen wird es spezielle Bereiche für Anglerinnen geben, um sich zu treffen und gegenseitig zu unterstützen.

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All diese Entwicklungen zeigen, dass Angeln nicht mehr nur ein Hobby für Männer ist. Es wird zu einer Gemeinschaft, in der Frauen ihren Platz finden und sich aktiv einbringen. Der Weg ist geebnet für weitere Frauen, die den Angelhaken in die Hand nehmen und die Ruhe der Natur genießen wollen. Und vielleicht ist das Angeln ja genau das, was wir alle ab und zu brauchen – eine kleine Auszeit in einer immer lauter werdenden Welt.