In Berlin tut sich was – und das ist nicht nur das rauschende Finale der Männer-Fußball-Weltmeisterschaft, das am Sonntag in New York über die Bühne geht. Während die Männer um den großen Titel kämpfen, richten sich die Blicke hierzulande auf die bevorstehende Frauen-Weltmeisterschaft 2024 in Brasilien. Das deutsche Nationalteam hat große Chancen, doch die Diskussion über Frauenfußball in unserer Hauptstadt ist längst nicht nur auf den sportlichen Erfolg beschränkt. Am Dienstag fand die letzte WM-Tribüne des Tagesspiegels statt, moderiert von Felicia Mutterer und Inga Hofmann, die mit Expertinnen wie Jennifer Zietz, Isabelle Knipp und Charlotte Bruch über die Zukunft des Frauenfußballs in Berlin diskutierten.

Eine Einigkeit herrschte unter den Frauen: Berlin entwickelt sich zu einer Hochburg des Frauenfußballs! FC Viktoria Berlin und Hertha BSC brillieren in der zweiten Bundesliga, während Union Berlin mit Champions-League-Ambitionen in der ersten Liga auftrumpft. Die vier Abende Public Viewing, die der Tagesspiegel zusammen mit dem FC Viktoria Berlin während der WM veranstaltete, sind nur ein Beispiel für das wachsende Interesse und die Unterstützung in der Stadt. In dieser Diskussion standen Themen wie die politische Dimension der WM, Queer im Profifußball und die Ästhetik und Trends von Trikots im Mittelpunkt. Es war aufregend zu hören, wie Zietz die Wertschätzung für den Frauenfußball im 1. FC Union Berlin betonte, wo das Team nach dem Aufstieg in die erste Liga personell aufgestockt wurde.

Die Herausforderungen

Trotz des Optimismus gibt es auch einige Stolpersteine. Isabelle Knipp sprach den Mangel an Sportstätten für Frauenfußball in Deutschland an und kritisierte die schlechten Trainingsbedingungen. Ihre Forderung nach einem professionellen Setting für den Frauenfußball ist mehr als nur ein Lippenbekenntnis – sie ist notwendig, um den Sport weiter voranzubringen. Auch Jennifer Zietz wies auf den fehlenden Versicherungsschutz vieler Profispielerinnen hin, was ein ernstes Problem darstellt. Es gibt noch viel zu tun, um Deutschland wieder in die Nähe der Weltspitze im Frauenfußball zu bringen, wo es vor allem gegen Länder wie Spanien und Frankreich einen Abstand gibt.

Die fehlenden Strukturen in der Nachwuchsförderung sind ein weiterer Grund, warum Deutschland hinterherhinkt. Investitionen in die Infrastruktur für den Frauenfußball sind unerlässlich, und dass Berlin kein Spiel bei der EM 2029 ausrichten wird, ist eine verpasste Chance, die die Teilnehmerinnen bedauerten. Dennoch blicken sie optimistisch auf die Zukunft. Die Ambitionen von FC Viktoria Berlin und Union Berlin für die kommende Saison sind groß, und das gibt Hoffnung.

Ein Blick in die Vergangenheit

Um die Gegenwart und Zukunft des Frauenfußballs zu verstehen, lohnt sich ein Blick in die Vergangenheit. Bis 1970 war Frauenfußball in der Bundesrepublik Deutschland vom DFB verboten. Dieses Verbot hinderte Frauen und Mädchen jedoch nicht daran, sich zu organisieren und zu spielen. Sexismus und Herabwürdigung waren lange Zeit Teil des Alltags fußballspielender Frauen. Der DFB führte 1955 das Verbot ein, mit der Begründung, Fußball sei dem Wesen der Frau fremd. Am 31. Oktober 1970 wurde dieses Verbot schließlich aufgehoben, um Konkurrenz zu verhindern.

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In der DDR war Frauenfußball nicht verboten, aber auch nicht gefördert. Betriebsportgemeinschaften (BSG) waren oft die einzige Möglichkeit für Frauen, Fußball zu spielen. Dennoch gab es Fortschritte: 1974 wurde die erste Deutsche Frauenfußball-Meisterschaft ausgetragen, 1980 der DFB-Pokal für Frauen eingeführt. Hannelore Ratzeburg setzte sich 1977 als erste Frau im DFB für Frauenfußball ein, und 1982 fand das erste offizielle Länderspiel der deutschen Frauen-Nationalmannschaft statt.

Die Entwicklung des Frauenfußballs in Deutschland ist also eine Geschichte des Kampfes um Gleichberechtigung und Anerkennung, die auch heute noch nicht abgeschlossen ist. Die aktuellen Diskussionen in Berlin stehen in dieser historischen Tradition und zeigen, dass der Weg zur Gleichstellung im Sport nach wie vor mit Herausforderungen gepflastert ist. Doch mit jedem Spiel, jedem Tor und jedem Fan, der seine Stimme erhebt, kommt der Frauenfußball ein Stück näher zu dem, was er sein sollte: gleichwertig und anerkannt.

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