Die Waldsiedlung Zehlendorf, ein wahres Juwel im Südwesten Berlins, feiert in diesem Jahr ihr 100-jähriges Bestehen. Ursprünglich 1926 von den visionären Architekten Bruno Taut, Hugo Häring und Otto Rudolf Salvisberg entworfen, entstand hier ein Ort, der nicht nur durch seine Architektur besticht, sondern auch durch seine Geschichte und die lebendige Gemeinschaft, die sich bis heute erhalten hat. Mit dem Ziel, kleine, helle und praktische Wohnungen zu schaffen, wurde die Siedlung unter dem Leitbild „Licht, Luft und Sonne“ realisiert. 1100 Wohnungen und 800 Reihenhäuser – alle mit Gärten, Balkonen und Bädern ausgestattet – bieten Platz für eine große Anzahl an Bewohnern, die bis heute aktiv und organisiert sind.

Besonders spannend ist die Nominierung der Waldsiedlung für das UNESCO-Welterbe, deren Urteil am 15. Juli 2026 gefällt wird. Das Jubiläumsprogramm, das im Mai 2023 begonnen hat und bis zum 24. Dezember 2023, dem Todestag von Bruno Taut, andauert, umfasst ein vielfältiges Angebot. Theaterstücke, Ausstellungen, Leseabende und sogar Pflanzaktionen – hier ist für jeden etwas dabei! Eine der Ausstellungen, „Von der Villa zum Peitschenknall“, wird im Heimatmuseum Zehlendorf eröffnet und gibt spannende Einblicke in die Geschichte der Siedlung. Der Nachbarschaftsverein Papageiensiedlung hat sogar ein Buch zur Geschichte veröffentlicht, das die Entwicklung und den Alltag in dieser besonderen Siedlung dokumentiert.

Ein Meisterwerk der Architektur

Die Waldsiedlung, auch bekannt als Onkel Toms Hütte, ist nicht nur ein architektonisches Meisterwerk, sondern auch eines der größten Siedlungsprojekte der 1920er Jahre in Deutschland mit rund 1.900 Wohneinheiten. Die Siedlung erstreckt sich beidseitig der Argentinischen Allee und bietet eine harmonische Verbindung zwischen Gebäuden und Natur. Taut, der schon zuvor die Hufeisensiedlung in Britz entworfen hatte, konnte hier seine Ideen und Konzepte weiterentwickeln. Jedes Detail, jede Farbe und jede Form wurde so gewählt, dass sie in das Gesamtbild der Umgebung passten. Die bunten Wohnblocks im Norden der Siedlung sind ein echter Hingucker und beleben das Straßenbild.

Die U-Bahn-Station Onkel Toms Hütte, die 1929 eröffnet wurde, hat die Erreichbarkeit der Siedlung erheblich verbessert und damit zur Attraktivität beigetragen. Doch die Siedlung war nicht nur ein Ort des Wohnens, sondern auch ein Platz, der soziale Spannungen und Widerstände hervorrief. Der Zuzug ärmerer Bevölkerungsschichten stieß auf Kritik von Traditionalisten, und es gab sogar Baukonflikte, die als Zehlendorfer Dächerkrieg in die Architekturgeschichte eingingen.

Ein Blick in die Zukunft

Heute stehen die Themen Energie, Mobilität und Grün im Fokus der Waldsiedlung. Im Jahr 2024 wurde die „Quartiersgenossenschaft klimafreundliches Quartier (kliQ)“ gegründet, um das Quartier sozial und ökologisch zu gestalten. Diese Entwicklungen sind Teil der fortwährenden Bemühungen, die Lebensqualität in der Siedlung zu verbessern und sie zukunftsfähig zu machen. Die Siedlungen der Berliner Moderne, zu denen auch die Waldsiedlung gehört, bieten nicht nur neue Ansätze im sozialen Wohnungsbau, sondern sind auch Ausdruck einer Wohnungsreformbewegung, die die Lebensbedingungen in Berlin nachhaltig verbessern wollte.

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Die Waldsiedlung Zehlendorf ist also nicht nur ein Ort, an dem Geschichte lebendig wird, sondern auch ein Raum, der sich ständig neu erfindet und an die Herausforderungen der Zukunft anpasst. Mit einem Fuß in der Vergangenheit und dem anderen in der Zukunft bleibt diese Siedlung ein faszinierendes Beispiel für gelungenen sozialen Wohnungsbau. Sie zeigt, wie Architektur und Gemeinschaft Hand in Hand gehen können und bietet Raum für die Geschichten und Träume ihrer Bewohner.