Heute ist der 23.06.2026, und in Spandau brodelt es. Vor dem Oberstufenzentrum (OSZ) TIEM versammeln sich zahlreiche engagierte Menschen zu einer Kundgebung. Die Teilnehmerinnen sind bunt gemischt: Omas gegen rechts, Teachers for Future, die Vertreterin von VVN-Bda und eine Rednerin vom Bündnis Spandau gegen rechts geben sich die Ehre. Währenddessen sind die Schülerinnen in der Aula, wo eine Podiumsdiskussion mit Politikerinnen zur bevorstehenden Abgeordnetenhauswahl stattfindet.

Auf dem Podium sitzt eine illustre Runde: Vertreterinnen der SPD, CDU, Grünen, Linken und die AfD-Spitzenkandidatin Kristin Brinker. Gerade diese Einladung sorgt für Aufregung. Teile der Schülerinnenvertretung (SV) protestieren vehement, da sie die AfD als demokratiefeindlich betrachten. Ein Mitglied der SV berichtet von einer Umfrage unter den Schülerinnen – die Meinungen zur AfD sind gemischt, einige identifizieren sich sogar als Wähler. Die Schulleitung jedoch bleibt standhaft und entscheidet, die AfD nicht auszuladen.

Meinungsvielfalt und Protest

Die Kundgebung, organisiert von jemandem, der sich die Mühe macht, Boxen und eine Bühne mitzubringen, wird von vielen Schülerinnen besucht. Interessanterweise dürfen sie zwar zur Demo gehen, riskieren jedoch unentschuldigte Fehlstunden, falls sie nicht an der Diskussion teilnehmen. Ein gewagtes Spiel mit der Bildung, könnte man sagen. Was die Diskussion betrifft, so äußern die Politikerinnen recht ähnliche Themen: Gewalt an Schulen, Gleichberechtigung – alles dabei, was man von ihnen erwarten würde. Die Presse bleibt jedoch außen vor, bei der Podiumsdiskussion ist sie nicht zugelassen. Die Schulleitung äußert sich nicht zu der Veranstaltung oder dem Protest.

Einige Schülerinnen kritisieren, dass sie am Ende nur eine Frage stellen durften, obwohl ursprünglich drei Fragen angekündigt waren. Auch die Moderation der Diskussion wird als unzureichend wahrgenommen. Das ist ja schon frustrierend, wenn man bedenkt, dass die Schülerinnen einen Faktencheck durchführten und falsche Aussagen der Politikerinnen aufdeckten. Besonders ins Kreuzfeuer geraten ist die AfD-Vertreterin, die sich in ihren Ausführungen oft auf die Vergangenheit konzentrierte und die DDR häufig erwähnte. Es scheint, als ob die Verknüpfung zur Gegenwart nicht ganz gelungen ist.

Politische Bildung in Schulen

Diese Ereignisse werfen ein Licht auf die Diskussion über das Neutralitätsgebot in Schulen. Es ist ein heißes Eisen: Schulen sind nicht verpflichtet, alle politischen Parteien einzuladen, insbesondere nicht solche, die extremistische Ansichten vertreten. Felicia Kompio von der GEW Berlin betont, dass Schulen Politikerinnen ausschließen können, wenn deren Äußerungen den Bildungsauftrag gefährden. Ein spannendes Thema, das die Gemüter erhitzt. Es ist wichtig, dass Schüler*innen in ihrer Schulzeit lernen, kritisch zu denken und sich mit politischen Themen auseinanderzusetzen.

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In Hessen beispielsweise erhalten Schülerinnen und Schüler der 9. Jahrgangsstufe jährlich eine Verfassungsbroschüre, die sie an ihre Schulzeit erinnern soll. Diese Broschüre ermutigt zur Wahrnehmung von Mitbestimmungs- und Mitwirkungsrechten. Enthalten sind wichtige Dokumente wie die Verfassung des Landes Hessen, das Grundgesetz und Informationen zur Rolle Deutschlands in der Europäischen Union. Solch ein Ansatz könnte helfen, das politische Bewusstsein zu schärfen und eine informierte Jugend zu fördern.

In Berlin ist die Situation nicht anders. Die Auseinandersetzungen um die Podiumsdiskussion und die Kundgebung sind nicht nur ein Zeichen für ein lebendiges politisches Engagement, sondern auch eine Mahnung, dass politische Bildung in Schulen mehr denn je gefordert ist. Denn nur wer sich mit den Themen auseinandersetzt, kann in der Zukunft mitreden – und das ist es, was wir für die nächste Generation wollen.

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