Am Freitagabend kam es in Berlin-Kreuzberg zu einem schockierenden Vorfall: Ein 25-Jähriger wurde durch einen Schuss schwer verletzt. Der Täter, der während eines Streits mit dem Verletzten aus einer Schusswaffe auf dessen Beine feuerte, ist nach wie vor auf der Flucht. Der Vorfall ereignete sich auf dem Gehweg der Naunynstraße, und glücklicherweise bestand für das Opfer keine Lebensgefahr, als er ins Krankenhaus gebracht wurde. Die Flucht des Schützen führte ihn über den Leuschnerdamm – ein Ort, an dem sich so etwas eigentlich nicht abspielen sollte.
Doch das ist nicht der einzige Vorfall dieser Art in letzter Zeit. Am Vortag gab es einen weiteren Schusswechsel in Kreuzberg, bei dem Täter von einem Motorroller aus auf ein fahrendes Auto feuerten. Die Polizei konnte das Fahrzeug mit mehreren Einschusslöchern in der Nähe des Tatorts stoppen, doch die Täter entkamen unerkannt. Diese Art von Gewalt sorgt für zunehmende Besorgnis in der Bevölkerung und bei den Behörden.
Ermittlungen unter Hochdruck
Die Sondereinheit «Ferrum» des Landeskriminalamtes hat die Ermittlungen in dem aktuellen Fall übernommen. Diese Einheit wurde im November 2025 gegründet und hat sich seitdem als entscheidender Akteur im Kampf gegen die zunehmende Gewaltkriminalität mit Schusswaffen erwiesen. Die Staatsanwaltschaft hat zudem eine spezielle Ermittlungsgruppe namens «Telum» eingesetzt, um noch gezielter gegen diese Kriminalität vorzugehen.
Ein jüngster Einsatz der Sondereinheit verdeutlicht den Ernst der Lage: Hunderte Beamte waren an einer groß angelegten Razzia beteiligt, die in verschiedenen Stadtteilen Berlins, darunter Neukölln und Kreuzberg, stattfand. Neun Verdächtige wurden festgenommen, und rund 20 Objekte durchsucht. Innensenatorin Iris Spranger (SPD) betonte den fortgesetzten Ermittlungsdruck zur Bekämpfung der Schusswaffenkriminalität. Auch die Justizsenatorin Felor Badenberg (CDU) lobte den Einsatz der Staatsanwaltschaft und kündigte an, die kriminellen Strukturen weiter zu bekämpfen.
Alarmierende Statistiken
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Im Jahr 2025 zählte die Berliner Polizei 1119 Fälle von Schusswaffengebrauch, was einen Anstieg von 68 Prozent im Vergleich zum Vorjahr darstellt. Dabei waren etwas mehr als die Hälfte der Fälle Drohungen, in 515 Fällen wurde tatsächlich geschossen. Diese Entwicklung lässt nicht nur die Polizei, sondern auch die Bürger aufhorchen. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) fordert bereits mehr Möglichkeiten zum Abhören von Handys und zur Datenauswertung, um den Tätern das Handwerk zu legen.
Berlin, eine Stadt voller Leben und Möglichkeiten, steht vor der Herausforderung, die öffentliche Sicherheit zu gewährleisten. Die aktuellen Ereignisse werfen einen Schatten auf die bunten Straßen und die kreative Atmosphäre, die die Stadt so besonders macht. Die Bemühungen der Behörden sind unermüdlich, doch die Frage bleibt: Wie lange noch kann die Stadt diesen Trend der Gewalt ertragen?