In den letzten Jahren hat sich das gesellschaftliche Klima in Deutschland spürbar verändert – und das nicht immer zum Guten. Naika Foroutan, eine angesehene Wissenschaftlerin, warnt seit mittlerweile acht Jahren, dass wir uns in einer „präfaschistischen“ Phase befinden. Mit einem besorgten Blick auf die Entwicklungen sagt sie, dass autoritäre und antidemokratische Tendenzen nicht schwächer, sondern eher stärker geworden sind. Es ist, als ob wir auf einem schmalen Grat zwischen Demokratie und autoritären Lösungen balancieren, und der Wind bläst uns immer heftiger ins Gesicht.

Die Debatten, die einst in einem respektvollen Rahmen stattfanden, sind rauer geworden. Foroutan bemerkt eine besorgniserregende Normalisierung extremistischer Positionen. Ein deutliches Beispiel dafür ist die AfD – ihre rechtsextreme Haltung wird in Teilen der Gesellschaft akzeptiert, obwohl sie als „gesichert rechtsextrem“ klassifiziert wird. Das ist kein Einzelfall; die gesellschaftlichen Normen scheinen sich zu verschieben, und eine alarmierende Zahl von Menschen findet autoritäre Ansichten ansprechend. Diese Entwicklung führt zu einem Rückgang des Vertrauens in Institutionen, was eine gefährliche Spirale in Gang setzt.

Die Psychologie hinter dem Extremismus

Doch was steckt hinter dieser Verschiebung? Die Forschung liefert einige interessante Ansätze. Laut der Studie von Alves et al. (2024) wirken Unsicherheiten in der Gesellschaft wie ein Katalysator für nationalistische und anti-immigrationistische Einstellungen. Dieses Gefühl der Unsicherheit kann Menschen dazu bringen, sich extremistischen Gruppen zuzuwenden, die einfache Lösungen für komplexe Probleme anbieten. Ein Phänomen, das sich in der aktuellen politischen Lage mit all ihren Krisen – von der Corona-Pandemie bis zum Ukraine-Krieg – noch verstärkt.

Die Autoren Hogg und Adelman (2013) zeigen, dass Unsicherheit oft mit einem verstärkten Bedürfnis nach klaren Identitäten und Gruppenverhältnissen einhergeht. Wenn Menschen sich bedroht oder verunsichert fühlen, suchen sie nach Halt. Das ist der Moment, in dem extreme Ansichten an Attraktivität gewinnen. Die Entwicklung von Extremismus hat also nicht nur politische, sondern auch tief psychologische Wurzeln. Das macht die Sache umso komplexer und herausfordernder.

Die Mitte-Studie und ihre alarmierenden Ergebnisse

Ein Blick auf die aktuelle Mitte-Studie offenbart, wie tief diese Problematik in der Gesellschaft verwurzelt ist. Erschreckende 20 Prozent der Befragten distanzieren sich nicht eindeutig von rechtsextremen Positionen! Und das ist noch nicht alles: Jede sechste Person spricht sich offen für eine Diktatur aus. Es ist, als ob der Boden unter unseren Füßen bröckelt. Zwar gibt es einen Rückgang von 8,3 auf 3,3 Prozent bei denjenigen, die ein geschlossen rechtes Weltbild vertreten, doch der Graubereich bleibt weit offen. Fast ein Drittel der Menschen unterstellt, dass Geflüchtete das Sozialsystem missbrauchen, was die gesellschaftliche Spaltung weiter vertieft.

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Was bleibt, ist ein schleichendes Gefühl der Unsicherheit und des Misstrauens, das die Demokratie in Deutschland gefährdet. Vertrauen in Institutionen ist von 62 Prozent auf 50,5 Prozent gesunken. Junge Menschen scheinen besonders anfällig für diese extremen Ansichten zu sein, denn 7 Prozent der 18- bis 34-Jährigen zeigen ein klares rechtsextremes Weltbild. Es ist schon fast surreal, dass in einer Zeit, in der wir mehr Informationen zur Verfügung haben als je zuvor, so viele Menschen auf populistische Parolen hereinfallen. Vielleicht liegt es an der ständigen Konfrontation mit rechten Inhalten in den sozialen Medien, die wie ein verzerrter Spiegel der Realität wirken.

Es gibt viel zu tun. Die Herausforderungen sind gewaltig. Doch das Bewusstsein für die Gefahren, die in dieser Entwicklung stecken, ist der erste Schritt. Das Licht der Demokratie muss weiter brennen, auch wenn der Wind manchmal heftig bläst. Wie Foroutan es treffend formuliert hat, befinden wir uns an einem Kipppunkt. Ob wir auf der Seite der Freiheit oder der Unterdrückung landen, liegt in unseren Händen.