Gesa Deike: Kapitänin zwischen Wasser und Widerstand
In Spandau, wo die Wasserfreunde 04 zu Hause sind, gibt es eine Kapitänin, die wie ein Fisch im Wasser zu sein scheint – Gesa Deike. Sie hat nicht nur die Verantwortung für ihr Team, sondern auch für die deutsche Nationalmannschaft im Wasserball übernommen. Wasserball, dieser athletisch anspruchsvolle Sport, hat es in sich und verlangt den Aktiven alles ab. Unter Wasser gibt es schließlich keine Regeln, und das kann schnell zu brutalen Situationen führen. Deike selbst hat das am eigenen Leib erfahren, als sie während der EM Todesangst spürte, als eine Gegnerin an ihrer Kappe zog. Schiedsrichterinnen können in solchen Momenten oft nichts tun – es gibt einfach keine Unterwasserkameras, die das Geschehen festhalten könnten.
Die Kapitänin hat sich in der Vergangenheit oft über die Ungleichheit im Wasserball geäußert, insbesondere über die Bevorteilung der Männer. Trainingszeiten und Ressourcen sind oft nicht gleich verteilt, was sie als ungerecht empfindet. Auch in den Medien wird Frauenwaterball oft auf bestimmte Körperteile reduziert – ein Zustand, den Deike scharf kritisiert. Ihre Leidenschaft für den Sport wurde durch ihre Schwester und ihren Vater, der die White Sharks Hannover gründete, geweckt. Das ist ein echter Familientraditionssport, und Gesa ist Profi-Sportlerin, die von ihrem Talent leben kann – die Wasserfreunde Spandau zahlen ihr Gehalt und die Miete.
Der Weg zur EM und darüber hinaus
Die Rückkehr von Métropole Lille zu Spandau 04 hat Deike neue Perspektiven eröffnet. In der aktuellen Saison haben sich die deutschen Wasserballerinnen bei der Europameisterschaft in Eindhoven souverän für die K.o-Phase qualifiziert. Sie haben bereits das Auftaktspiel gegen Bulgarien gewonnen und auch die Slowakei bezwungen. Das Team steht also sicher in der nächsten Runde, unabhängig vom Ausgang des letzten Gruppenspiels gegen Großbritannien. „Erster Platz in der Gruppe, das wäre schon ein starkes Stück“, sagt Deike und zeigt damit ihren unermüdlichen Ehrgeiz.
Die EM hat 16 Mannschaften versammelt, die in zwei Staffeln aufgeteilt sind. Deutschland gehört zur zweiten Staffel und Deike beschreibt den deutschen Wasserball im internationalen Vergleich als mittelfeldfähig – irgendwo zwischen den Top acht und Top zwölf. Ein Manko sei die fehlende Schnelligkeit, an der das Team jedoch hart arbeitet. Mit vielen jungen, schwimm-affinen Spielerinnen hat sich das Team im Durchschnitt schon merklich verbessert. Ihre Auslandserfahrung in Frankreich hat Deike als „sehr wichtig“ bezeichnet – sie hat neue Perspektiven und Techniken mitgebracht, die den deutschen Wasserball weiterbringen sollen.
Die Herausforderung der Professionalisierung
Ein Thema, das Deike besonders am Herzen liegt, ist die Professionalisierung des Wasserballs. Sie wünscht sich, dass mehr Vereine den Wasserballsport auf ein professionelles Niveau heben, um den Athletinnen bessere Trainingsmöglichkeiten zu bieten. Der DSV (Deutscher Schwimm-Verband) könnte hier deutlich mehr Unterstützung anbieten. Aktuell muss sie für Lehrgänge selbst aufkommen, was sie als unhaltbar empfindet. Die letzte Teilnahme der deutschen Wasserballerinnen an Olympischen Spielen liegt bereits 2004 in Athen zurück. Aber Deike ist optimistisch, dass die nächste Teilnahme bis spätestens 2028 klappen sollte – und das wäre ein echter Meilenstein.
Ein Blick auf die Geschichte des Frauenwasserballs
Der Frauenwasserball hat eine bewegte Geschichte. Seit den ersten offiziellen Wettkämpfen im Jahr 1982 hat sich viel getan. Frauen zeigen bei Welt- und Europameisterschaften sportliche Höchstleistungen und kämpfen um Anerkennung und Gleichberechtigung im Sport. Athletinnen kombinieren Athletik, Taktik und Teamgeist – und im internationalen Vergleich hat sich der Sport weiterentwickelt, sodass Frauen weltweit professionell konkurrieren können. Die Olympischen Spiele 2024 in Paris stehen vor der Tür, und die Vorfreude auf diesen Wettkampf ist greifbar. Ein Ende der Herausforderungen ist noch nicht in Sicht, aber die Dynamik des Sports wächst stetig.
Das Spielfeld für Frauen ist ein bisschen kleiner als das der Männer – ein Zeichen dafür, dass sich die Rahmenbedingungen weiterhin anpassen müssen. Aber mit jeder neuen Generation von Spielerinnen, die den Sport betreten, kommen frische Ideen und vielversprechende Talente. Teamarbeit, Disziplin und ein tiefes Verständnis für die spezifischen Regeln sind entscheidend für den Erfolg – und Gesa Deike steht an der Front einer Bewegung, die den Wasserball in Deutschland neu definieren könnte.
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