Am Pfingstsonntag wurde in Magdeburg ein wahres Meisterwerk der Glockenkunst enthüllt: die „Credamus“. Diese beeindruckende Bronzeglocke, die mit ihren 15 Tonnen und fast drei Metern Durchmesser das größte Exemplar einer evangelischen Kathedrale weltweit ist, wird auch als „Friedenszeichen“ gefeiert. Das Besondere? Sie wurde aus Spendenbronze gegossen – ein starkes Symbol, wenn man bedenkt, dass Glocken in Kriegszeiten oft zu Kanonen umgegossen werden. Das Geläut, das bis 2031 mit insgesamt zwölf Glocken im Magdeburger Dom vollendet sein soll, verspricht mit 42 Tonnen Bronze das schwerste einer evangelischen Kathedrale zu werden. Allerdings wird die „Credamus“ bis dahin nicht läuten, da noch Klöppel, Joch und Läutevorrichtung montiert werden müssen.

Die Rückseite dieser majestätischen Glocke zeigt neun Kirchen aus Magdeburg, die im Zweiten Weltkrieg oder während der DDR-Zeit abgerissen wurden. Hier wird die schmerzhafte Geschichte der Stadt sichtbar. Es ist, als ob die Glocke selbst die Trauer und die Verluste der Vergangenheit in sich trägt. Bisher haben die Bürger 1,1 Millionen Euro für die „Credamus“ gesammelt – ein eindrucksvolles Zeichen der Solidarität. Die Gesamtkosten belaufen sich auf 2,5 Millionen Euro, und die ersten Schritte sind bereits getan. Aber diese Glocke ist nicht die einzige, die in dieser Region auf eine bewegte Geschichte zurückblickt.

Glocken auf dem Johanniskirchhof

Ein weiteres Beispiel für die komplexe Glockengeschichte in Magdeburg findet sich auf dem Johanniskirchhof. Dort hängen sechs Kirchenglocken, die ursprünglich zum Kloster Unser Lieben Frauen gehörten. Fünf dieser Glocken sind historische Bronzeglocken, während eine aus Eisenhartguss gefertigt ist. Diese Glocken wurden 2004 aufgestellt, nachdem ihre Herkunft lange Zeit unklar war. Gerüchte besagten, dass sie im Zweiten Weltkrieg beschlagnahmt und nach Hamburg gebracht wurden, bevor sie 1948 zurückkehrten. Allerdings wurde 2011 eine der Bronzeglocken von Unbekannten weggerückt, was die Stadtverwaltung dazu brachte, über Verankerungen in Betonfundamenten nachzudenken.

In den letzten Jahren gab es sogar Vandalismus durch Buntmetalldiebe, der die Maßnahmen zum Schutz der Glocken dringend erforderlich machte. Am 25. Februar 2025 wurden die Bronzeglocken von Stadtverwaltung und Feuerwehr geborgen, und der Stadtrat beschloss am 28. August 2025 die Rückgabe an die Herkunftsgemeinden. Nur die Eisenhartgussglocke bleibt vor Ort zurück, während die anderen nun ihren rechtmäßigen Platz einnehmen. Die Geschichte dieser Glocken zeigt, wie tief die Wurzeln und die Erinnerungen verbunden sind mit den Orten, an denen sie hängen.

Ein schwieriges Erbe

In Thüringen und Sachsen-Anhalt gibt es noch Glocken aus den 1930er Jahren, die mit NS-Symbolen verziert sind. Dies wirft Fragen auf – was soll mit diesen Glocken geschehen? Im April 2019 beschlossen die Gemeinden der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, dass diese Glocken nicht mehr geläutet werden sollen. Neun dokumentierte Fälle befinden sich hauptsächlich in Thüringen, einige auch in Sachsen-Anhalt. In Maua bei Jena hängt eine Glocke mit einem Hakenkreuz und einer Inschrift, die auf Adolf Hitler verweist. Die „Hitler-Glocke“ in Herxheim am Berg sorgte 2017 für eine bundesweite Debatte, und die systematische Auseinandersetzung mit NS-Glocken in der DDR fand erst nach 1990 statt.

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So stehen die neuen Glocken wie die „Credamus“ nicht nur für die Hoffnung auf Frieden, sondern auch für die Auseinandersetzung mit einer schweren Vergangenheit. In einer Zeit, in der wir nach vorne blicken wollen, ist es wichtig, die Geschichten, die aus dem Klang dieser Glocken sprechen, nicht zu vergessen. Diese Klänge könnten uns daran erinnern, wie wertvoll Frieden und Einheit sind.