Männerbilder im Wandel: Die Grünen und die Suche nach einer neuen Identität
In den letzten Jahren hat die Diskussion um Männlichkeit und die Rolle von Männern in der Gesellschaft an Fahrt gewonnen. Besonders innerhalb der Grünen Partei, wo sich die Debatte um ein neues Männerbild entfaltet, wird die Frage laut: „Wann ist ein Mann ein Mann?“ Diese grundlegende Überlegung, die Herbert Grönemeyer in seinen Liedern immer wieder anklingen lässt, schwebt über den Köpfen der Akteure, die sich in einem Manifest für ein positiveres Männerbild stark machen. Anton Hofreiter, ehemaliger Fraktionsvorsitzender der Grünen, ist einer von ihnen und tritt in dieser Debatte für ein offenes Männerbild ein. Er hat sich sogar auf den Weg gemacht, an Haustüren zu klingeln und die Menschen nach ihren Vorurteilen gegen Männer zu fragen. Man fragt sich, was er wohl für Antworten bekommen hat.
In seinem Manifest, das von 13 Grünen-Politikern unterzeichnet wurde, wird deutlich, dass die Partei in den letzten Jahren viel über die negativen Aspekte von Männlichkeit gesprochen hat, aber kein positives Bild angeboten hat. Die Fokussierung auf Minderheiten und Feminismus hat dazu geführt, dass viele Männer sich vernachlässigt fühlen. Und das hat Folgen: Junge Männer wählen zunehmend die AfD. Ein Viertel der jungen männlichen Wähler stimmte bei der Bundestagswahl 2025 für die Rechtspopulisten. Das ist ein Alarmzeichen, das nicht ignoriert werden kann.
Die Kritik an „woken“ Identitätsdebatten
Hofreiter kritisiert die sogenannten „woken Identitätsdebatten“ und sieht darin eine Mitschuld an der Abwanderung von Männern zu rechten Milieus. Er spricht von einem linken „Beschämungsdiskurs“, der Männer pauschal ablehnt und damit alte Männlichkeitsbilder zurück ins Spiel bringt. Felix Banaszak, der Parteichef, hat in einem Interview im Playboy eine neue Definition von Männlichkeit angesprochen und betont, dass Männer Empathie und Wohlwollen verdienen. Das klingt fast nach einer kleinen Revolution, oder?
Julian Joswig, ein weiterer Grünen-Abgeordneter, hat sich in sozialen Medien über das Thema Sport und Männlichkeit geäußert und betont, dass Männer nicht rechten Influencern überlassen werden sollten. Es ist eine interessante Beobachtung, dass gerade in einem Klima, wo viele über die Rolle von Geschlecht und Männlichkeit diskutieren, die Grünen sich gezwungen sehen, ihre eigene Wählerschaft zurückzugewinnen. In diesem Zusammenhang hat eine Gruppe von Spitzengrünen, darunter auch zwei Frauen, Bilanz über den Kampf für Frauenrechte gezogen und sieht es als wichtig an, auch die Männer nicht aus den Augen zu verlieren.
Kritik und Gegenwind
Doch nicht alle stehen hinter dem Manifest. Jette Nietzard, die ehemalige Vorsitzende der Grünen Jugend, äußert sich kritisch dazu und sieht es als Versuch, alte Männlichkeitsdefinitionen in einem positiveren Licht darzustellen. Wie viel Wahrheit ist darin, dass die Grünen sich mehr um Männer kümmern sollten? Die Diskussion ist komplex und zeigt, wie unterschiedlich die Perspektiven innerhalb der Partei sind. Die Frage, wie sich die „Hygienezonen“ auf das Verhalten in der Partei auswirken könnten, bleibt im Raum stehen.
Die gesellschaftlichen Debatten über Geschlecht und Männlichkeiten sind nicht nur in Deutschland, sondern weltweit spürbar. Ein Erstarken von national-völkischen, neu-rechten Politiken ist zu beobachten, die sich aus der Abwertung von als „fremd“ bezeichneten Gruppen speisen. Diese Entwicklungen bringen nicht nur rassistische Übergriffe mit sich, sondern werfen auch die Frage auf, warum eine Rückkehr zu „echter“ oder „wahrer Männlichkeit“ so verlockend erscheint. Man könnte fast meinen, es gibt ein Verlangen nach einer simplen, klaren Rolle, die in der heutigen, vielfältigen Welt schwer zu finden ist.
Das Gunda Werner Institut und das Netzwerk Forum Männer in Theorie und Praxis der Geschlechterverhältnisse bieten in einer Veranstaltungsreihe verschiedene wissenschaftliche Erklärungsansätze an, um Ursachen für die Attraktivität rechter Männlichkeiten und deren Konstruktionsmechanismen zu erörtern. Es bleibt spannend, wie sich diese Debatten entwickeln und was das für die Grünen und die Gesellschaft insgesamt bedeutet.
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